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Friedrich von Schiller.
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Menschheit in einer sklavischen Einförmigkeitdarnieder. Selbst unsere Religion — so sehrentstellt durch die untreue» Hände, durch welchesie uns überliefert worden — wer kann in ihrden veredelnden Einfluß der bessern Philosophieverkennen? Unsere Leibnitze und Locke machtensich um das Dogma und um die Moral desChristenthums eben so verdient, als — der Pin-sel eines Raphael und Correggio um die heiligeGeschichte.
Endlich unsre Staaten — mit welcher In-nigkeit, mit welcher Kunst sind sie in einanderverschlungen! Wie viel dauerhafter durch denwohlthätigen Zwang der Noth als vormalsdurch die feierlichsten Verträge verbrüdert!Den Frieden hütet jetzt ein ewig geharnischterKrieg, und die Selbstliebe eines Staats setztihn zum Wächter über den Wohlstand des an-dern. Die europäische Slaatengcsellschafr scheintin eine große Familie verwandelt. Die Haus-genossen können einander anfeinden, aber hof-fentlich nicht mehr zerfleischen.
Welche entgegengesetzte Gemählde! Wersollte in dem verfeinerten Europäer des acht-zehnten Jahunderts nur einen fortgeschrittenenBruder des neuer» Kanadiers, des alten Cel-ten vermuthe»? Alle diese Fertigkeiten, Kunst-triebe, Erfahrungen, alle diese Schöpfungender Vernunft sind im Raume von wenigenJahrtausenden in dem Menschen angepflanztund entwickelt worden; alle diese Wunder derKunst, diese Riesenwerke des Fleißes sind ausihm herausgerufen worden. Was weckte jenezum Leben, was lockte diese heraus? WelcheZustände durchwanderte der Mensch, bis er vonjenem Aeußerste» zu diesem Aeußerste», vomungeselligen Höhlenbewohner — zum geistrei-chen Denker, zum gebildeten Weltmann hin-aufstieg? — Die allgemeine Weltgeschichte gibtAntwort auf diese Frage.
So unermeßlich ungleich zeigt sich uns dasnämliche Volk auf dem nämlichen Landstriche,wenn wir es in verschiedenen Zeiträumen an-schauen ! Nicht weniger auffallend ist der Un-terschied, den uns das gleichzeitige Geschlecht,aber in verschiedenen Ländern darbietet. WelcheMannigfaltigkeit in Gebräuchen, Verfassungenund Sitten! Welcher rasche Wechsel von Fin-sterniß und Licht, von Anarchie und Ordnung,von Glückseligkeit und Elend, wenn wir denMenschen auch nur in dem kleinen WelttheilEuropa aufsuchen! Frey an der Themse, undfür diese Freyheit sein eigener Schuldner; hierunbezwingbar zwischen seine» Alpen, dort zwi-schen seinen Kunstflüsse» und Sümpfen unüber-wunden. An der Weichsel kraftlos und elenddurch seine Zwietracht; jenseits der Pyrenäendurch seine Ruhe kraftlos und elend. Wohl-habend und gesegnet in Amsterdam ohne Ernte;dürftig und unglücklich an des Ebro unbenutz-tem Paradiese. Hier zwey entlegene Völkerdurch ein Weltmeer getrennt, und zu Nachbarngemacht durch Bedürfniß, Kunstflciß und poli-tische Bande; dort die Anwohner Eines Stromsdurch eine andere Liturgie unermeßlich geschie-den! Was führte Spaniens Macht über denatlantischen Ocean i„ das Herz von Amerika,und nicht einmal über den -xajo und Guadianahinüber? Was erhielt in Italien und Deutsch-
land so viele Thronen, und ließ in Frankreichalle, bis auf Einen, verschwinden? — Die Uni-versalgeschichte löst diese Frage.
Selbst daß wir uns in diesem Augenblicke5 hier zusammen fanden, uns mit diesem Gradevon Nationalkultur, mit dieser Sprache, diesenSitten, diesen bürgerlichen Vortheilen, diesemMaß von Gewissensfreiheit zusammen fanden,ist das Resultat vielleicht aller vorhergegangenen111 Weltbegebenheiten; die ganze Weltgeschichtewürde wenigstens nöthig seyn, dieses einzigeMoment zu erkläre». Daß wir uns als Chri-sten zusammen fanden, mußte diese Religion,durch unzählige Revolutionen vorbereitet, aus15 dem Judenthum hervorgehen, mußte sie denrömischen Staat genau so finden, als sie ihnfand, um sich mit schnellem siegendem Lausüber die Wett zu verbreiten und den Thronder Cäsarcn endlich selbst zu besteigen. Unsre20 rauhen Vorfahren in den thüringischen Wäl-dern mußten der Uebermacht der Franken un-terliegen , um ihren Glauben anzunehmen.Durch seine wachsenden Reichthümer, durch dieUnwissenheit der Völker und durch die Schwäche25 ihrer Beherrscher mußte der Klerus verführtund begünstigt werden, sein Ansehen zu miß-brauche» und seine stille Gewissensmacht in einweltliches Schwert umzuwandeln. Die Hierar-chie mußte in einem Gregor und Jnnozenz30 alle ihre Gräuel auf das Menschengeschlechtausleeren, damit das überhand nehmende Sit-tenvcrderbniß, und des geistliche» Despotismusschreyendes Scandal einen unerschrockenen Au-gustinermönch auffordern konnte, das Zeichen35 zum Abfall zu geben, und dem römischen Hie-rarchen eine Hälfte Europens zu entreißen, —wenn wir uns als protestantische Christen hierversammeln sollten. Wenn dieß geschehen sollte,so mußten die Waffen unserer Fürsten Karl»40 V. einen Religionsfrieden abnöthigen; ein Gu-stav Adolph mußte den Bruch dieses Friedensrächen, ein neuer allgemeiner Friede ihn aufJahrhunderte begründen. Städte mußten sichin Italien und Deutschland erheben, dem Fleiß45 ihre Thore öffnen, die Ketten der LeibcigenschoOzerbrechen, unwissenden Tyrannen den Richicr-stab aus den Händen ringen, und durch ein?kriegerische Hansa sich in Achtung setzen, wennGewerbe und Handel blühen, und der Uebecfluß50 den Künsten der Freude rufen, wenn der Staaden nützlichen Landwann ehren, und in demwohlthätigen Mittelstände, dem Schöpfer uN"serer ganzen Kultur, ein dauerhaftes Glück shdie Menschheit heran reifen sollte. Deutsch55 lands Kaiser mußten sich in Jahrhunderte lamgen Kämpfen mit den Päpsten, mit ihren "fallen, mit eifersüchtigen Nachbarn entkräftenEuropa sich seines gefährlichen Ueberflufs?"Asiens Gräbern entladen, und der trotzig? ^
60 henadel in einem mörderischen Faustrcchc, uc
merzügcn und heiligen Fahrten seinen GMPrungsgeist ausblute» — wenn das verwo?' x
Chaos sich sondern, und die streitenden M M
des Staats in dem gesegneten Gleichg?" A65 ruhen sollten, wo unsre jetzige Muße der pist. Wenn sich unser Geist aus derheit Herausringen sollte, worin geistlich?weltlicher Zwang ihn gefesselt hielt: " «r
der lang erstickte Keim der Gelehrsamkei