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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
323-324
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Friedrich von Schiller.

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als daß der König eine sehr zweydeulige Mei-nung von unserm Diensteifer hegt, und Ur-sache zu haben glaubt, ei» Mißtrauen in un-sere Treue zu setze»; und dazu, beucht mir,hätten wir ihm durch das Vergangene Anlaßgegeben. Auch ist es mein ernstlicher Vorsatz,durch Verdoppelung meines Eifers seine Mei-nung von mir zu verbessern, und durch meinkünftiges Verhalten den Verdacht auszulöschen,

war, so konnte diese gewaffnete Ankunft desHerzogs keinen andern Zweck haben, als dieBestrafung des Vergangenen, und Unterdrü-ckung der gefürchtelen Großen. Mehr noch,als die Winke, welche man von Spanien auserhielt, bestätigte dies der persönliche Charakterdes Herzogs von Alba.

Der Schrecken dieses Gerüchtes führte denrebellischen Adel zu den Füßen der Regentin.

den mein bisheriges Betragen auf mich gewor- 10 Die sich zu hart vergangen halten, um nochfen haben mag. Und wie sollte ich mich aus Vergebung hoffen zu können, oder den schwan-den Armen meiner zahlreichen und hülssbedürf- kenden Versicherungen von Gnade nicht krau-tigen Familie reißen, um mich an fremden Hö- ten, flohen eilfertig aus dem Lande, und ließenfen als ein Landflüchtiger herumzutragen, eine lieber alle ihre Güter im Stiche. Der PrinzLast für Jeden, der mich aufnimmt. Jedes Sklave, 15 von Oranien war unter diesen; aber noch vorder sich herablassen will, mir unter die Arme seinem Abschiede versuchte er, den Grafen vonzu greifen, ein Knecht von Ausländern, um Egmont zu einem ähnlichen Entschluß zu ver-leidlichem Zwang in meiner Heimalh zu ent- mögen. In Willebroek, einem Dorfe zwischengehen? Nimmermehr kann der Monarch un- Antwerpen und Brüssel, geschah die Zusammen-gütig an einem Diener handeln, der ihm sonst 20 kunft, welcher auch der Graf von Mannsfeld

lieb und theuer war, und der sich ein gegrün-detes Recht auf seine Dankbarkeit erworben.Nimmermehr wird man mich überreden, daß er,der für sein niederländisches Volk so gnädige

und ein Gcheimschreiber der Regentin beywohn-ten. Nachdem letztere, in Vereinigung mit demGrafen von Egmont, umsonst versucht hatten,den Entschluß des Prinzen von Oranien zu

Gesinnungen gehegt, und so nachdrücklich mir 25 erschüttern, folgte jener dem Prinzen an ein

betheuert hat, jetzt so despotische Anschläge da-gegen schmiede. Haben wir nur erst dem Landeseine vorige Ruhe wiedergegeben, die Rebellengezüchtigt, den katholischen Gottesdienst wieder

Fenster

»Es wird dir deine Güter kosten, Oranien,sagte Egmont, wenn du auf diesem Vorsatz be-stehest« - „Und dein Leben, Egmont,

hergestellt, so glauben Sie mir, daß man von 50 wenn du den deinigen nicht änderst", antwor-keinen spanischen Truppen mehr hören wird; tete der Prinz. „Mir wenigstens wird es Trostund dieß ist es, wozu ich Sie alle durch meinen seyn in jedem Schicksal, daß ich Freunde undRath und durch mein Beyspiel jetzt auffordere, Vaterland in der Stunde der Noth durch Bei-und wozu auch bereits die meisten unter dem spiel und Rath unterstützte; du wirst Freunde

Adel sich neigen. Ich, meines Theils, fürchte !!5 und Vaterland in ein Verderben mit dir Hin-nichts von dem Zorn des Monarchen. Mein abziehen.«

Gewissen spricht mich frey. Mein Schicksal Noch einmal wandte der Prinz seine ganze

steht bey seiner Gerechtigkeit und Gnade.« Beredsamkeit an, seinen Freund über die nahe

Alle Gegenvorstellungen des Prinzen von Gefahr aufzuklären, und ihn zu einem Heils»-Oranien waren fruchtlos. Der Ausbruch der 40 men Entschluß zu bewegen, aber umsonst. Eg-Bilderstürmerey hatte dem Grafen von Eg- mont war mit lausend Banden an sein Vater-

mont die Augen über sein Betragen geöffnet. land gekettet, eine thörichte Zuversicht hielt

Er war ein eifriger Katholik, und dem Könige seine Augen gebunden, und sein Verhängmßaus mehr als Einem Grunde, und mehr als stellte sich ihm entgegen,er selbst wußte, ergeben. Ein fortgesetzter 45 „Nimmermehr wirst du mich bereden,Briefwechsel mit dem Hofe, vertraute Verhält-nisse mit der Regentin, und mehr als dießalles, die persönlichen Verbindlichkeiten, die erdem Könige hatte, hielten ihn aufs engste an

men,

sagte er, die Dinge in diesem trübenLichte zu sehen, worin sie dir erscheinen. Habich es erst dahin gebracht, die Rebellen zuden zu treten und den Provinzen ihre vorig-

die Krone angeschlossen. Wie sehr mußten ihn 50 Ruhe wieder zu geben, was kann mir

der

König anhaben? Der König ist gütig und css"recht, ich habe mir Ansprüche auf feine Dan 'barkeit erworben. Soll ich durch eine sch^Aliehe Flucht mich selbst ihrer unwerth erklären-

also die unerhörten Gewaltthätigkeiten empö-ren, welche sich die Sekten unter dem Titeleiner Freyheit herausnahmen, die er bis jetzt in

den unschuldigsten Absichten sich sie verfochten ->-v- .----- . -

hatte! Von jetzt an trennte er seine Sache 55 »Wohlan«, rief Oranien aus, so wage es dcganz von der ihrigen, und gab sich zu allen auf diese königliche Dankbarkeit. Aber nur I"Maßregeln her, welche die Regentin gegen siein Ausübung brachte. Als diese von dem ge-sammten Adel einen neuen Eid der Treue ver-

oicic ronigucye Lianroarreir. nve- ^r>ur traurige Ahnung — und gebe hermel, daß sie mich betrüge! — daß du die Bkseyn werdest, Egmont, über welche die

langte, war er einer der ersten, die ihn lei- 00 nicr in das Land setzen, und die sie

werdcn, wenn sie darüber sind.« — ^ehsei, Worten umarmte er ihn noch einmal; IAugen waren feucht; sie hallen einander z

steten.

Um diese Zeit wurde in Spanien die Ab-senkung eines spanischen Kriegshecres nach denNiederlanden beschlossen, welches der Herzogvon Alba anführen sollte. In den Provinzen 65selbst hatte die Regentin durch den Weg derWaffen die Ruhe wiederhergestellt, und die

Protestanten beynahe ganz unterdrückt. Da die . ^ „

Unordnungen getilgt, und das Land beruhigt standen: »Da kömmt der große Ketzer

letztenmal gesehen. Her-

Egmont war einer der ersten, die den

zog von Alba bey seinem Eintritt >» r ^ ^bürg begrüßten. Als ihn letzterer von

kommen sah, sagte er zu denen,

die neben

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