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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
325-326
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Friedrich von Schiller.

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mont, der es gehört hatte, stand betreten stillund erblaßte. Als ihn aber der Herzog miterheitertem Gesicht bewillkommtc, war dieseWarnung sogleich vergessen. Er machte demHerzog ein Geschenk mit zwey schönen Pferden,um seine Freundschaft zu gewinnen.

Zwey so entgegengesetzte Charaktere, wie Eg-mont und Alba, konnten nie Freunde seyn.Aber eine frühe Eifersucht im Kriegsruhm hattedem Herzog schon langst eine stille Feindschaftgegen Egmont eingeflößt, die durch einige un-bedeutende Kleinigkeiten genährt wurde. Eg-mont hatte ihm einmal beim Würfelspiel meh-mere tausend Goldgulden abgenommen — eineBeleidigung, die der karge Spanier nie ver-zeihen konnte. Ein andermal wurde er vondem Grafen bei einem Scheibenschießen in Brüs-sel auf den Wettkampf herausgefordert undüberwunden. Ganz Brüssel bezeugte laut seineFreude, und frohlockte, daß der Flamänderüber den Spanier Meister geworden sey. SolcheKleinigkeiten vergessen sich unter Menschen nie,die im Großen gegen einander stoßen; undAlba konnte so wenig vergeben als sein König.

Die ersten Tage seiner Anwesenheit inBrüssel verhielt sich der Herzog ganz ruhig;er mußte den Adel erst sicher machen, um allediejenigen herbeizulocken, um die es ihm zuthun war. Der Graf von Hoorn hatte es fürrathsam gehalten, nicht beim Empfange zu seyn.Aber die Versicherungen, die ihm Egmont vonden guten Gesinnungen des neuen Statthal-ters gab, machten ihm Muth, daß er in kurzerZeit auch herbeykam. Der Graf von Hoog-straten fehlte allein noch, dem unter einem Ge-schäftsvorwand befohlen wurde, in Brüssel zuerscheinen. Ein glücklicher Zufall bewahrte ihnvor seinem Verderben.

Zu lange wollte indessen der Herzog diesenwichtigen Schritt nicht verschieben. Das Ge-heimniß konnte verlauten, und seine Opferentwischten ihm. Der Tag wurde also ange-setzt, wo man sich der beiden Grafen von HoornUnd von Egmont versichern wollte. Zu glei-cher Zeit sollten ihre Sccretärc verhaftet, undihre Briefschaften in Verwahrung genommenwerden. Der spanische Gouverneur in Ant-werpen, Graf von Lodrona, halte Befehl, sich«n dem nämlichen Lage des Bürgermeisters zubemächtigen, und sobald es geschehen, dem Her-iog durch eine Estafette Nachricht davon zugeben.

An diesem Tage wurden die Grafen vonDiannsfeld, von Hoorn, von Egmont, von^arlaimont, von Arschot u. a. nebst den Söh-nen des Herzogs und den vornehmsten spani-schen Offizieren, unter dem Verwände einerAußerordentlichen Berathschlagung, im Kuilem-T^ugischen Hause, wo des Herzogs Quartierwar, versammelt. Der Herzog unterhielt sichwtt ihnen über den Plan einer Citadelle, diedr in Antwerpen wollte anlegen lassen, undluchte die Sitzung so sehr als möglich zu ver-ungern, weil er keinen Schritt thun wollte,h er wußte, wie sein Anschlag in Antwerpen^gefallen sey. Um dieses mit desto wenigerErdacht zu thun, ließ er sich von dem Kriegs-uunicister Paciotko, den er aus Italien mit-» bracht, den Riß zu der Festung vorlegen,

und die Ritter ihr Gutachten davon sagen.Endlich als der Courier von Antwerpen mitgünstigen Zeitungen eingetroffen, entließ er dasConseil. Egmont wollte sich nun »it dem2 Sohne des Herzogs hinwegbegeben, als ihm derHauprmann von der Leibwache des Herzogs,Sancho von Avila, in den Weg trat, und zugleicher Zeit eine Schaar spanischer Soldatensichtbar wurde, die ihm Flucht und Vertheidi-gt) gung unmöglich machten. Der Offizier forderteihm den Degen ab, den er mit vieler Fassungauslieferte. „Dieser Stahl , sagte er , hat dieSache des Königs schon einigemal nicht ohneGlück vertheidigt."

)5 In der nämlichen Stunde wurde auch derGraf von Hoorn in einem andern Theil desPallastes gefangen genommen. Hoorn fragte,wie es mit Egmont stünde? Man sagte ihm,daß dieser in eben dem Augenblick auch in Ver-20 hast genommen' würde, worauf er sich ohneWiderstand ergab. „Von ihm hab' ich michleiten lassen, rief er aus; es ist billig, daß ichEin Schicksal mit ihm theile."

Während dieß in dem Kuilemburgischen25 Hause vorging, stand ein spanisches Regimentvor demselben unter dem Gewehr.

Beide Grafen wurden einige Wochen nachihrer Verhaftung unter einer Escorte von 3000spanischen Soldaten nach Gent geschafft, wo sie30 länger als acht Monate in der Citadelle ver-wahrt wurden. Ihr Prozeß wurde in allerForm von dem Rathe der Zwölfe, den derHerzog zu Untersuchungen über die vergange-nen Unruhen in Brüssel niedergesetzt hatte,35 vorgenommen, und der Gcncralprokurator, Jo-hann du Bois, mußte die Anklage aufsetzen.Die, welche gegen Egmont gerichtet war, ent-hielt neunzig verschiedene Klagpunkte, undsechzig die andere, welche den Grafen von Hoorn40 anging. Es würde zu weitläufig seyn, sie hieranzuführen; auch sind oben schon einige Mu-ster davon gegeben worden? Jede noch so un-schuldige Handlung, jede Unterlassung wurdeaus dem Gesichtspunkte betrachtet, den man45 gleich im Eingänge festgesetzt hatte, „daß beydeGrafen, in Verbindung mit dem Prinzen vonOranien, getrachtet haben sollten, das könig-liche Ansehen in den Niederlanden über denHaufen zu werfen, und sich selbst die Regierung50 des Landes in die Hände zu spielen." Gran-vclla's Vertreibung, Egmonts Absendung nachMadrid, die Konföderation der Geusen, dieBewilligungen, welche sie in ihren Statthalter-schaften den Protestanten ertheilt — Alles die-55 ses mußte nun in Hinsicht auf jenen Plan ge-schehen seyn, Alles Zusammenhang haben- Dienichtsbedeutendstcn Kleinigkeiten wurden dadurchwichtig, und eine vergiftete die andere. Nach-dem .man zur Vorsorge die meisten Artikel60 schon' einzeln als Verbrechen beleidigter Maje-stät behandelt hatte, so konnte man um soleichter aus allen zusammen dieses Urtheil her-ausbringen-

Jedem der beyden Gefangenen wurde die65 Anklage zugeschickt, mit dem Bedeuten, binnenfünf Tagen darauf zu antworten. Nachdemsie dieses gethan, erlaubte man ihnen, Defen-soren und Prokuratoren anzunehmen, denenfreyer Zutritt zu ihnen verstattet wurde. Da