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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
327-328
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Friedrich von Schiller.

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sie des Verbrechens der beleidigten Majestätangeklagt waren, so war es keinem ihrer Freundeerlaubt, sie zu sehen. Graf Egmont bedientesich einks Herrn von Landas und einiger ge-schickten Rechtsgelehrte» aus Brüffel.

Ihr erster Schritt war, gegen das Gericht»u protestiren, das über sie sprechen sollte, dasie als Ritter des goldenen Vließes nur vondem Könige selbst, als dem Großmeister diesesOrdens, gerichtet werden könnten. Aber dieseProtestation wurde verworfen, und darauf ge-drungen , daß sie ihre Zeugen vorbringen soll-ten , widrigenfalls man i» contumaciam gegensie fortfahren würde. Egmont hatte aus 82Punkte mit den befriedigendsten Gründen geant-wortet; auch der Graf von Hoorn beantworteteseine Anklage Punkt für Punkt. Klagschriftund Rechtfertigung sind noch vorhanden; jedesunbefangene Tribunal würde sie auf eine solcheVertheidigung freigesprochen haben- Der Fis-kal drang auf ihre Zeugnisse, und Herzog Albaließ wiederholte Dekrete an sie ergehen, damitzu eilen. Sie zögerten von einer Woche zurandern, indem sie ihre Protestarionen gegen dieUnrechrmäßigkeic des Gerichts erneuerten. End-lich setzte ihnen der Herzog noch einen Terminvon neun Tagen, ihre Zeugnisse vorzubringen;nachdem sie auch diese halten verstreichen lassen,wurden sie für überwiesen und aller Vertheidi-gung verlustig erklärt.

Während daß dieser Prozeß betrieben wurde,verhielten sich die Verwandten und Freundeder beiden Grafen nicht müßig. Egmonts Ge-mahlin, eine geborne Herzogin von Bayern,wandte sich mit Bittschriften an die deutschenReichssürstcn, an den Kaiser, an den Königvon Spanien; so auch die Gräfin von Hoorn,die Mutter des Gefangenen, die mir den erstenfürstlichen Familien Deutschlands in Freund-schaft oder Verwandtschaft stand. Alle prote-stirlen laut gegen dieses gesetzwidrige Verfah-ren und wollten . die deutsche Reichsfreyheit,worauf der Graf von Hoorn, als Reichsgraf,noch besondern Anspruch machte, die niederlän-dische Freyheit, und die Privilegien des Ordensvom goldenen Vließe dagegen gellend machen.Die Gräfin von Egmont brachte fast alle Höfefür ihren Gemahl in Bewegung; der Königvon Spanien und sein Statthalter wurden vonJnterceffionen belagert, die von einem zum an-dern gewiesen und von beyden verspottet wur-den. Die Gräfin von Hoorn sammelte von allenRittern des Vließes aus Spanien, Deutschland,Italien, Certisicate zusammen, die Privilegiendes Ordens dadurch zu erweisen. Alba wiessie zurück, indem er erklärte, daß sie in demjetzigen Falle keine Kraft hätten. „Die Ver-brechen , deren man die Grasen beschuldige, seyenin Angelegenheiten der niederländischen Provin-zen begangen, und er, der Herzog, vordemKönige über alle niederländische Angelegenheitenzum alleinigen Richter gesetzt.«

Vier Monate halte man dem Fiskal zu sei-ner Klagschrifr eingeräumt, und fünfe wurdenden beyden Grafen zu ihrer Vertheidigung ge-geben. ?iber anstatt Zeit und Mühe durchHerbeyschaffung ihrer Zeugnisse, die ihnen we-nig genützt haben wurden, zu verlieren, verlo-ren sie sie lieber durch Protestationen gegen ihre

Richter, die ihnen noch weniger nützten. Durchjene hätten sie doch wahrscheinlich das letzteUrtheil verzögert, und i» der Zeit, die sie da-durch gewannen, hätten die kräftigen Vcrwen-5 düngen ihrer Freunde vielleicht doch noch vonWirkung seyn können; durch ihr hartnäckigesBeharren auf Verwerfung des Gerichts gabensie dem Herzoge die Gelegenheit an die Hand,den Prozeß zu verkürzen; Nach Ablauf des10 letzten äußersten Termins, am 1. Junius 1568 ,erklärte sie der Rath der Zwölfe für schuldig,und am 4. dieses Monats folgte das letzte Ur-theil gegen sie.

Die Hinrichtung von 25 edeln Niederlän-15 dern, welche binnen drey Tagen auf dem Marktezu Brüssel enthauptet wurden, war das schreck-liche Vorspiel von dem Schicksale, welches beydeGrafen erwartete. Johann Casembrot vonBeckerzeel, Sekretär bey dem Grafen von Eg-20 mont, war einer dieser Unglücklichen, welcherfür seine Treue gegen seinen Herrn, die er auchauf der Folter standhaft behauptete, und fürseinen Eifer im Dienste des Königs, den er ge-gen die Bilderstürmer bewiesen, diesen Lohn er-25 hielt. Die übrigen waren entweder bey demgeusischen Aufstande mit den Waffen in derHand gefangen, oder wegen ihres ehemaligenAntheils an der Bittschrift des Adels als Hoch-verrächer eingezogen und verurtheilt worden.50 Der Herzog hatte Ursache, mit Vollstreckungder Sentenz zu eilen. Graf Ludwig von Nas-sau hatte dem Grafen von Aremberg bey demKloster Heiligerlee in Gröningen ein Treffengeliefert, und das Glück gehabt, ihn zu über-35 winden. Gleich nach dem Siege war er vorGröningen gerückt, welches er belagert hielt-Das Glück seiner Waffen hatte den Muth sti-nes Anhangs erhoben, und der Prinz von Ora-nicn, sein Bruder, war mit einem Heere nahe,40 ihn zu unterstützen. Alles dieß machte die Ge-genwart des Herzogs in diesen entlegenen Pro-vinzen nothwendig; aber ehe das Schickst"zweyer so wichtiger Gefangene» entschieden war,durfte er es nicht wagen, Brüssel zu verlasse"'45 Die ganze Ration war ihnen mit einer enthu-siastischen Ergebenheit zugethan, die durch ihrunglückliches Schicksal nicht wenig vermehr^war. Auch der streng katholische Theil gönnstdem Herzoge den Triumph nicht, zwey so wsck'50 tige Männer zu unterdrücken. Ein einigeVortheil, den die Waffen der Rebellen übtihn davontrugen, oder auch nur das bloß e 'dichtete Gerücht davon in Brüssel, war genug'eine Revolution in dieser Stadt zu bewirke '55 wodurch beyde Grafen in Freyheit gesetzt mü -den. Dazu kam, daß der Bittschriften und-aterceffionen, die von Seiten der deutschen Reichsürstcn bey ihm sowohl, als bey dem Kö" sin Spanien einliefen, täglich mehr wurden,

60 daß Kaiser Maximilian II. selbst der Gr^von Egmont versichern ließ: „sie habe st" ,,Leben ihres Gemahls nichts zu besorgen ,chc wichtige Verwendungen den König e"doch zum Vortheil der Gefangenen umst""

65 konnten. Ja, der König konnte vielleichk, ^Vertrauen auf die Schnelligkeit stines ,umHalters, den Vorstellungen so vieler Fürsten »Schein nachgeben, und das Todesurthcildie Gefangenen aufheben, weil ex sich vor