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Friedrich von Schiller.
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Egmont halte anfangs Lust bezeugt, vondem Schaffet eine Anrede an das Volk zu hal-ten. Als ihm aber der Bischof vorstellte, daßer entweder nicht gehört werden, oder, wenndieß auch geschähe, bey der gegenwärtigen ge- 5fährlichen Stimmung des Volkes leicht zu Ge-waltthätigkeiten Anlaß geben könnte, die seineFreunde nur ins Verderben stürzen würden,so ließ er dieses Vorhaben fahren. Er gingeinige Augenblicke lang mit edelm Anstande auf 10dem Gerüste auf und nieder, und beklagte, daßes ihm nicht vergönnt sey, für seinen Königund sein Vaterland einen rühmlichern Tod zusterben. Bis auf den letzten Augenblick hatteer sich noch nicht überreden können, daß es dem 15Könige mit diesem strengen Verfahren Ernstsey, und daß man es weiter, als bis zum blo-ßen Schrecken der Exekution treiben würde.
Wie der entscheidende Augenblick herannahte,wo er das letzte Sakrament empfangen sollte, 20wie er harrend herumsah und noch immer nichtserfolgte, so wandte er sich an Julian Romero,und fragte ihn noch einmal, ob keine Begna-digung für ihn zu hoffen sey? Julian Romerozog die Schultern, sah zur Erde und schwieg. 25Da biß er die Zähne zusammen, warf sei-nen Mantel und Nachlrock nieder, kniete aufdas Kissen und schickte sich zum letzten Gebetan. Der Bischof ließ ihn das Crucifix küssenund gab ihm die letzte Oelung, worauf ihm 30der Graf ein Zeichen gab, ihn zu verlassen.
Er zog alsdann eine seidene Mütze über dieAugen und erwartete den Streich — Ueber denLeichnam und das fließende Blut wurde so-gleich ein schwarzes Tuch geworfen. 35
Ganz Brüssel, das sich um das Schaffstdrängte, fühlte den lödtlichen Streich mit.Laute Thränen unterbrachen die fürchterlichsteStille. Der Herzog, der der Hinrichtung auseinem Fenster zusah, wischte sich die Augen. 40
Bald darauf brachte man den Grafen vonHovrn. Dieser von einer heftigern Gemüths-art, als sein Freund, und durch mehr Gründezum Haffe gegen den König gereizt, hatte dasUrtheil mit weniger Gelassenheit empfangen,ob eS gleich gegen ihn in einem geringern Gradeunrecht war. Er hatte sich harte Aeußerun-gen gegen den König erlaubt, und mit Mühehatte ihn der Bischof dahin vermocht, von sei-nen letzten Augenblicken einen bessern Gebrauchzu machen, als sie in Verwünschungen gegenseine Feinde zu verlieren. Endlich sammelte ersich doch und legte dem Bischöfe seine Beichteab, die er ihm anfangs verweigern wollte.
Unter der nämlichen Begleitung, wie seinFreund, bestieg er das Gerüste. Im Vorüber-gehen begrüßte er viele aus seiner Bekannt-schaft; er war ungebunden, wie Egmont, inschwarzem Wamms und Mantel, eine mailän-dische Mütze von eben der Farbe auf dem Kopse-AlS er oben war, warf er die Augen auf denLeichnam, der unter dem Tuche lag, und fragteeinen der Umstehenden, ob es der Körper seinesFreundes seh? Da man ihm dieses bejahet hatte,sagte er einige Worte spanisch, warf seinenMantel von sich, und kniete auf das Kissen. -Alles schrie laut auf, als er den lödtlichenStreich empfing.
Beyde Köpfe wurden auf die Stangen ge»steckt, die über dem Gerüste aufgepflanzt waren,wo sie bis nach 3 Uhr Nachmittags blieben,alsdann herabgenommen und mit den beydenKörpern i» bleiernen Särgen beygesetzt wurden.
Die Gegenwart so vieler Auflaurer undHenker, als das Schaffst umgaben, konnte dieBürger von Brüssel nicht abhalten, ihre Schnupf»tücher in das herabströmende Blut zu tauche»und diese theure Reliquie mit nach Hause S»nehmen.
III. Belagerung von Antwerpen durch den Prinzen von Parmain den Jahren 1584 und 1585.
Es ist ein anziehendes Schauspiel, denmenschlichen Erfindungsgeist mit einem mächti- 50gen Elemente im Kampfe zu erblicken, undSchwierigkeiten, welche gemeinen Fähigkeitenunübersteiglich sind, durch Klugheit, Entschlos-senheit und einen standhaften Willen besiegt zusehen. Weniger anziehend, aber desto beleh- 55render ist das Schauspiel des Gegentheils, woder Mangel jener Eigenschaften alle Anstren-gungen des Genies vereitelt, alle Gunst derZufälle fruchtlos macht, und, weil er ihn nichtzu benutzen weiß, einen schon entschiedenen Er- 60folg vernichtet. Beyspiele von beydem liefertuns die berühmte Blokade der Stadt Antwer-pen durch die Spanier beym Ablauf des sechs-zehnten Jahrhunderts, welche dieser blühendenHandelsstadt ihren Wohlstand unwiderbringlich 05raubte, dem Feldherr» hingegen, der sie unter-nahm und ausführte, einen unsterblichen Na-men erwarb.
Zwölf Iahte schon dauerte der Krieg, durch
welchen die nördlichen Provinzen Belgiens amfangs bloß ihre Glaubensfreyheit und stä»"^sehen Privilegien gegen die Eingriffe desnischen Statthalters, zuletzt aber die Unabhamgigkeit ihres Staats von der spanischen Krozu behaupten strebten. Nie völlig Sieger, aauch nie ganz besiegt, ermüdeten sie die sp»sehe Tapferkeit durch langwierige Kricgsope^lionen auf einem ungünstigen Boden, undschöpften den Herren beyder Indien, sti
selbst Bettler hießen und es zum Theil wer ^waren. Zwar hatte sich der Gcnlische ^wieder aufgelöst, der die sämmtlichen, ^
katholischen als protestantischen, Niederlan ^
einen gemeinschaftlichen, und, wenn erBestand haben können, unüberwindlichen ^per verband; aber anstatt dieser unsicher»unnatürlichen Verbindung waren die »or ^
Provinzen im Jahr 1570 in eine desto e-Union zu Utrecht getreten, von der sten ^längere Dauer erwarten ließ, da sie du ev