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Friedrich von Schiller.
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wurden von dem Grafen von Hohenlohe Trup-pen geworben, und ein Regiment Schotliänderunter der Anführung des Obersten Morganstand bereits im Solde der Republik, währenddaß man neue Subsidicn aus England und 5Frankreich erwartete. Vor Allem aber wurdendie Staaten von Holland und Seeland zu derschleunigsten Hülfleistung aufgefordert. Nach-dem aber die Feinde an beyden Ufern des Stromsfesten Fuß gefaßt hatten, und durch das Feuer 10aus ihren Schanzen die Schiffahrt gefährlichmachten, nachdem im Brabankischen ein Platznach dem andern in ihre Hände siel, und ihreReilerey alle Zugänge von der Landseitc sperrte,so stiegen endlich bey den Einwohnern Antwer- 15pens ernstliche Besorgnisse wegen der Zukunftaus. Die Stadt zahlte damals fünf und achr-zigrauscnd Seelen, und nach den angestelltenBerechnungen wurden zum Unterhalte dersel-ben jährlich dreymal hunderttausend Viertel -20oder Zentner Getreide erfordert. Einen solchenVorrarh aufzuschütten fehlte es beym Anfangeder Belagerung keineswegs weder an Lieferun-gen noch an Geld; denn trotz des feindlichenGeschützes wußten sich die secländischen Pro-viantschiffe mir eintretender Mceresfluth Bahnzu der Stadt zu machen. Es kam also bloßdarauf an, zu verhindern, daß nicht einzelnevon den reichern Bürgern diese Verrathe auf-kauften , und dann bey eintretendem Mangel g»sich zu Meistern des Preises machten. Ein ge-wisser Gianibelli aus Manrua, der sich in derStadt niedergelassen und ihr in der Folge dieserBelagerung sehr erhebliche Dienste leistete,that zu diesem Ende den Vorschlag, eine Auf- 55läge auf den hundertsten Pfennig zu mache»,und eine Gesellschaft rechtlicher Männer zu er-richten , welche für dieses Geld Getreide ein-kaufen , und wöchentlich liefern sollte. DieReichen sollten einstweilen dieses Geld vorschie- §«>sie», und dafür die eingekauften Vorräthe gleich-sam als zu einem Pfande in ihren Magazinenaufbewahren, auch an dem Gewinne ihre» An-theil erhalten. Aber dieser Vorschlag wollteden reichern Einwohnern nicht gefallen, welche 45einmal beschlossen halten, von der allgemeinenBedrängniß Vortheil zu ziehen. Vielmehr hiel-ten sie dafür, daß man einem Jeden befehlensolle, sich für sich selbst auf zwey Jahre langlnit dem nöthigen Proviant zu versehen; ein 5«Vorschlag, wobey sie sehr gut für sich, abersehr schlecht für die ärmer» Einwohner sorg-ten, die sich nicht einmal auf so viele Monatevorsehen konnten. Sie erreichten dadurch zwarkie Absicht, diese Letzlern entweder ganz aus 55der Stadt zu jagen, oder von sich abhängig zuMache,,; als sie sich aber nachher besannen, daß>n der Zeit der Noth ihr Eigenthum nicht re-spektier werden dürfte, so fanden sie rathsam,üch mit dem Einkaufe nicht zu beeilen.
Der Magistrat der Stadt, um ein Uebeliu verhüten, das nur Einzelne gedrückt ha.
den
würde, erwählte dafür ein anderes, wel-
dx,„ Ganzen gefährlich wurde. Seeländi>che Unternehmer hatten eine ansehnliche Flotte 65Mt Proviant befrachtet, welche sich glücklichurch dch Kanonen der Feinde schlug und i»Antwerpen landete. Die Hoffnung eines höher»ewinns hatte die Kaufleute zu dieser gewag-
ten Spekulation ermuntert; in dieser Erwar-tung aber fanden sie sich getäuscht, als sie an-kamen, indem der Magistrat von Antwerpenum eben diese Zeit ein Edikt ergehen ließ, wo-durch der Preis aller Lebensmittel beträchtlichherabgesetzt wurde. Um zugleich zu verhindern,daß Einzelne nicht die ganze Ladung aufkau-fen, und, um sie nachher desto theurer loszu-schlagen, in ihren Magazinen aufschütten möch-ten, so verordnete er, daß Alles aus freyerHand von den Schissen verkauft werden sollte.Die Unternehmer, durch diese Vorkehrungenum den ganzen Gewinn ihrer Fahrt betrogen,spannten hurtig die Segel auf, und verließenAntwerpen mit dem größten Theile ihrer La-dung, welche hingereicht haben würde, dieStadt mehrere Monate lang zu ernähren.
Diese Vernachlässigung der nächsten undnatürlichsten Rettungsmittel wird nur dadurchbegreiflich, daß man eine ganze Sperrung derScheide damals noch für völlig unmöglich hielt,und also den äußersten Fall im Ernste gar nichtfürchtete. Als daher die Nachricht einlief, daßder Herzog die Absicht habe, eine Brücke überdie Scheide zu schlagen, so verspottete man inAntwerpen allgemein diesen chimärischen Ein-fall! Man stellte zwischen der Republik unddem Strome eine stolze Lergleichung an, undmeinte, daß der eine so wenig als die anderedas spanische Joch auf sich leiden würde. „EinStrom, der zweitausend vierhundert Fußbreitund wenn er auch nur sein eignes Wasser hat,über fcchszig Fuß tief ist, der aber, wenn ihndie Mceresfluth hebt, noch um 12 Fuß zu stei-gen pflegt — ein solcher Strom, hieß es, solltesich durch ein elendes Psahlwcrk beherrschenlassen? Wo würde man Baumstämme herneh-men, hoch genug, um bis aus den Grund zureichen und über die Fläche emporzuragen?Und ein Werk dieser Art sollte im Winter zuStande kommen, wo die Fluth ganze Inselnund Gebirge von Eis, gegen welche kaum stei-nerne Mauern halten, an das schwache Gebälketreiben und es wie Glas zersplittern wird?Oder gedächte der Herzog, eine Brücke vonSchiffen zu erbauen, woher wollte er diese neh-men und auf welchem Wege sie in seine Ler-schanzungen bringen? Nothwendig müßten sieAntwerpen vorbeypaffireir, wo eine Flotte be-reit stehe, sie entweder aufzufangen oder inGrund zu bohren."
Aber indem man in der Stadt die Unge-reimtheit seiner Unternehmung bewies, haueder Herzog von Parma sie vollendet. Sobalddie Basteye» St. Maria und St. Philipp er-richtet waren, welche die Arbeiter und den Baudurch ihr Geschütz decken konnten, so wurdevon beyden entgegenstehenden Ufern aus einGerüste in den Strom hineingebaut, wozu mandie Mäste von den größten Schiffen gebrauchte.Durch die kunstreiche Anordnung des Gebälkeswußte man dem Ganzen eine solche Haltungzu geben, daß es, wie nachher der Erfolg be-wies, dem gewaltsamen Andränge des Eises zuwiderstehen vermochte. Dieses Gebälke, welchesfest und sicher auf dem Grunde des Wassersruhte, und noch in ziemlicher Höhe daraus her-vorragte, war mit Planken bedeckt, welche einebequeme Straße formirten. Sie war so breit,