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Friedrich von Schiller.
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Zustand seiner Brücke den Feinden ein Geheim-niß zu seyn, und war es gleich nicht möglich,das Werk vieler Monate in wenigen Stundenwiederherzustellen, so war schon vieles gewon-nen, wenn man auch nur den Schein davonzu erhallen wußte. Alles mußte daher Handans Werk legen, die Trümmer wegzuschaffen,die umgestürzten Balken wieder aufzurichten,die zerbrochenen zu ersetzen, die Lücken mitSchiffen auszufüllen. Der Herzog selbst ent-zog sich der Arbeit nicht, und seinem Beyspielfolgten alle Offiziere. Der gemeine Mann,durch diese Popularität angefeuert, that seinAeußerstes; die ganze Nacht durch wurde dieArbeit fortgesetzt, unter dem beständigen Lärmder Trompeten und Trommeln, welche längsder ganzen Brücke vertheilt waren, um dasGeräusch der Werkleute zu übertönen. Mit An-bruch des Tages waren von der Verwüstungder Nacht wenige Spuren mehr zu sehen, undobgleich die Brücke nur dem Scheine nachwiederhergestellt war, so täuschte doch dieserAnblick die Kundschafter und der Angriff un-terblieb. Mittlerweile gewann der Herzog Frist,die Ausbesserung gründlich zu machen, ja so-gar in der Struktur der Brücke einige wesent-liche Veränderungen anzubringen. Um sie vorkünftigen Unfällen ähnlicher Art zu verwahren,wurde ein Theil der Schiffbrücke beweglich ge-macht, so, daß derselbe im Nothfalle wegge-nommen und den Brandern der Durchzug ge-öffnet werden konnte. Den Verlust, welchener an Mannschaft erlitten, ersetzte der Herzogdurch Garnisonen aus den benachbarten Plätzenund durch ein deutsches Regiment, das ihm ge-rade zu rechter Zeit aus Geldern zugeführtwurde. Er besetzte die Stellen der gebliebenenOffiziere, wobey der spanische Fähndrich, derihm das Leben gerettet, nicht vergessen wurde.
Die Antwerper, nachdem sie den glücklichenErfolg ihres Minenschiffes in Erfahrung ge-bracht, huldigten nun dem Erfinder desselbeneben so leidenschaftlich, als sie ihn kurz vorhergemißhandelt hatten, und forderten sein Geniezu neuen Versuchen auf. Gianibelli erhieltnun wirklich eine Anzahl von Playten, wie ersie anfangs, aber vergeblich, verlangt hatte,und diese rüstete er auf eine solche Art aus,daß sie mit unwiderstehlicher Gewalt an dieBrücke schlugen und solche auch wirklich zumzweytenmaleauseinandersprengten. Diesmal aberwar der Wind der seeländischen Flotte entge-gen , daß sie nicht auslaufen konnte, und so er-hielt der Herzog zum zweytenmale die nöthigeFrist, den Schaden auszubessern. Der Archi-wed von Antwerpen ließ sich durch alle dieseFehlschlüge keineswegs irre machen. Er rüsteteaufs Neue zwey große Fahrzeuge aus, welchewit eisernen Haken und ähnlichen Jnstrumen-ten bewaffnet waren, um die Brücke mit Ge-walt zu durchrennen. Aber wie es nunmehraazu kam, solche auslaufen zu lassen, fand sichNiemand, der sie besteigen wollte, der Künst-mußte also darauf denken, seinen Maschinenvon selbst eine solche Richtung zu geben, daßue auch ohne Steuermann die Mitte des Was-strs hielten, und nicht, wie die vorigen, vondem Winde dem Ufer zugetrieben würden. Ei-"rr von seinen Arbeiter», ein Deutscher, verfiel
hier auf eine sonderbare Erfindung, wenn mansie anders dem Strada nacherzählen darf. Erbrachte ein Segel unter dem Schiffe an,welches eben so von dem Wasser, wie die ge-wöhnlichen Segel von dem Winde angeschwelltwerden, und auf diese Art das Schiff mit derganzen Gewalt des Stromes forttreibe» könnte.Der Erfolg lehrte auch, daß er richtig gerech-net hatte, denn dieses Schiff mit verkehrtenSegeln folgte nicht nur in strenger Richtungder eigentlichen Mitte des Stroms, sondernrannte auch mit solcher Heftigkeit gegen dieBrücke, daß es dem Feinde nicht Zeit ließ, diesezu eröffnen, und sie wirklich auseinandersprengte.Aber alle die Erfolge halfen der Stadt zu nichts,weil sie auf Gerathewohl unternommen unddurch keine hinlängliche Macht unterstützt wur-den. Von einem neuen Minenschiffe, welchesGianibelli nach Art des ersten, das so gut ope-rirt hatte, zubereitete und mit viertausendPfund Schießpulver anfüllte, wurde gar keinGebrauch gemacht, weil es den Antwerpernnunmehr einfiel, auf einem andern Wege ihreRettung zu suchen.
Abgeschreckt durch so viele mißlungene Ver-suche, die Schiffahrt auf dem Strome mit Ge-walt wieder frey zu machen, dachte man end-lich darauf, den Strom ganz und gar zu ent-behren. Man erinnerte sich an das Beyspielder Stadt Leiden, welche zehn Jahre vorhervon den Spaniern belagert, in einer zur rech-ten Zeit bewirkten Ueberschwemmung der Felderihre Rettung gefunden hatte, und dieses Bey-spiel beschloß man nachzuahmen. Zwischen Lillound Stabroek, im Lande Bergen, streckt sicheine große, etwas abhängige Ebene bis nachAntwerpen hin, welche nur durch zahlreich«Dämme und Gegendämme gegen die eindrin-genden Wasser der Osterschelde geschützt wird.Es kostete weiter nichts, als diese Dämme zuschleifen, so war die ganze Ebene Meer undkonnte mit flachen Schiffen bis fast unter dieMauern von Antwerpen befahren werdenGlückte dieser Versuch, so mochte der Herzogvon Parma immerhin die Scheide vermittelstseiner Schiffbrücke hüten; man hatte sich einenneuen Strom aus dem Stegreif geschaffen, derim Nothfalle die nämlichen Dienste leistete.Eben dieß war es auch, was der Prinz vonOranien gleich beym Anfange der Belagerungangerathen und St. Aldegonde ernstlich zu be-fördern gesucht hakte, aber ohne Erfolg, weileinige Bürger nicht zu bewegen gewesen waren,ihr Feld aufzuopfern. Zu diesem letzten Ret-tungsmittel kam man in der jetzigen Bedräng-niß zurück, aber die Umstände hatten sich un-terdessen gar sehr geändert.
Jene Ebene nämlich durchschneidet ein brei-ter und hoher Damm, der von dem anliegen-den Schlosse Cowenstein den Namen führt undsich von dem Dorfe Stabroek in Bergen, dreyMeilen lang, bis an die Scheide erstreckt, mitderen großem Damm er sich ohnweit Ordamvereinigt. Ueber diesen Damm hinweg konn-ten auch bey noch so hoher Fluth keine Schiffefahren, und vergebens leitete man'das Meerin die Felder, so lange ein solcher Damm imWege stand, der die seeländischen Fahrzeug hin-derte , in die Ebene vor Antwerpen herabzu-
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