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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
359-360
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Friedrich von Schiller.

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steigen. Das Schicksal der Stadt beruhte als»darauf, daß dieser Cowensteinische Damm ge-schleift oder durchstochen wurde; aber eben, weilder Herzog von Parma dieses voraussah, sohatte er gleich bey Eröffnung der Blocadc vo»demselben Besitz genommen, und keine Anstal-ten gespart, ihn bis aufs Aeußerste zu behaup-ten. Bey dem Dorfe Stabroek stand der Grafvon Mannsfeld mit dem größern Theile derArmee gelagert, und unterhielt durch eben die-sen Cowensteinschen Damm die Kommunikationmit der Brücke, dem Hauptquartier und denspanischen Magazinen zu Kalos. So bildetedie Armee von Stabroek in Brabant bis nachBever» in Flandern eine zusammenhängendeLinie, welche von der Scheide zwar durchschnit-ten, aber nicht unterbrochen wurde, und ohneeine blutige Schlacht nicht zerrissen werdenkonnte. Auf dem Damme selbst waren in ge-höriger Entfernung von einander fünf verschie-dene Batterien errichtet, und die tapferstenOfficiere der Armee führten darüber das Kom-mando. Ja, weil der Herzog von Parma nichtzweifeln konnte, daß nunmehr die ganze Wuthdes KriegS sich hieher ziehen würde, so über-ließ er dem Grafen von Mannsfeld die Bewa-chung der Brücke, und entschloß sich, in eignerPerson diesen wichtigen Posten zu vertheidi-gen. Jetzt also erblickte man einen ganz neuenKrieg und auf einem ganz andern Schauplätze-Die Niederländer hatten an mehrcrn Stel-len, oberhalb und unterhalb Lillo, den Dammdurchstochen, welcher dem brabankischen Uferder Scheide folgt, und wo sich kurz zuvor grüneFluren zeigten, da erschien jetzt ein neues Ele-ment, da sah man Fahrzeuge wimmeln undMastbäumc ragen. Eine sceländische Flolre,von dem Grafen Hohenlohe angeführt, schifftein die überschwemmten Felder, und machte wie-derholte Bewegungen gegen den Cowenstcini-schcn Damm, jedoch ohne ihn im Ernste anzu-greifen ; während daß eine andere in der Scheidesich zeigte, und bald dieses, bald jenes Ufer miteiner Landung, bald die Schiffbrücke mit einemSturme bedrohte. Mehrere Lage trieb mandieses Spiel mit dem Feinde, der ungewiß,wo er den Angriff zu erwarten habe, durch an-haltende Wachsamkeit erschöpft, und durch sooft getäuschte Furcht allmählig sicher werdensollte. Die Anlwerpcr hatten dem Grafen Ho-henlohe versprochen, den Angriff auf den Dammvon der Sladt aus mit einer Flotille zu un-terstützen; drey Feuerzeichen von dem Haupt-thurme sollten die Loosung seyn, daß diese sichauf dem Wege befinde. AIs nun in einer fin-stern Nacht die erwartet»» Fcuersäulen wirklichüber Antwerpen aufstiegen, so ließ Graf Ho-henlohe sogleich fünfhundert seiner Truppenzwischen zwey feindlichen Rcdouten den Dammerklettern, welche die spanischen Wachen theilsschlafend überfielen, theils, wo sie sich zur Wehrsetzten, niedermachten. In Kurzem hatte manauf dem Damme festen Fuß gefaßt, und warschon un Begriffe, die übrige Mannschaft, zwey-lausend an der Zahl, nachzubringen, als dieSpanier in den nächsten Redouten in Bewegungkamen, uud von dem schmale» Terrain begün-stigt, auf den dichtgedrängten Feind eine» ver-zweifelten Angriff thaten, und da nun zugleich

das Geschütz anfing, von den nächsten Batte-rien auf die anrückende Flotte zu spielen, unddie Landung der übrigen Truppen unmöglichmachte, von der Sladt aus aber kein Beystand5 sich sehen ließ, so wurden die Seeländer nacheinem kurzen Gefechte überwältigt und vondem schon eroberten Damme wieder herunter-gestürzt. Die siegenden Spanier jagten ihnenmitten durch das Wasser bis zu den Schiffen10 nach, versenkten mehrere von diesen, und zwan-gen die übrigen, mit einem großen Verlustesich zurückzuziehen. Graf Hohenlohe wälzte dieSchuld dieser Niederlage auf die Einwohnervon Antwerpen, die durch ein falsches Signal15 ihn betrogen hätten, und gewiß lag es nur ander schlechten Uebereinstimmuirg ihrer beydcr-seitigen Operationen, daß dieser Versuch keinbesseres Ende nahm.

Endlich aber beschloß man, einen planmä-2« ßigen Angriff mit vereinigten Kräften auf denFeind zu thun, und durch einen Hauptsturm,sowohl auf den Damm, als auf die Brücke,die Belagerung zu endigen. Der sechszchnte Mai15,85 war zu Ausführung dieses Anschlags be-25 stimmt, und von beyden Theilen wurde dasAeußerste aufgewendet, diesen Tag entscheidendzu machen. Die Holländer und Seelanderbrachten, in Vereinigung mit den Antwerpern,über zweyhundert Schiffe zusammen, welche zu50 bemannen sie ihre Städte und Citadellen vonTruppen entblößten, und mit dieser Machtwollten sie von zwey entgegengesetzten Seitenden Covcnsteinschen Damm bestürmen. Augleicher Zeit sollte die Scheldebrücke durch neue35 Maschinen von GianibeUi's Erfindung ange-griffen und dadurch der Herzog von Parmaverhindert werden, den Damm zu entsetzen.

Alexander, von der ihm drohenden Ge-fahr unterrichtet, sparte auf seiner Seite nichts,40 derselben nachdrücklich zu begegnen Er hafte,gleich nach Eroberung des Dammes, an fünfverschiedenen Orten, Redouten darauf erbauenlassen, und das Kommando darüber den erfah-rensten Offizieren der Armee übergeben. D>e45 erste derselben, welche die Kreuzschanze hieß,wurde an der Stelle errichtet, wo der Cowen-steinische Damm in den großen Wall der Schadesich einsenkt und mit diesem die Figur eintKreuzes bildet; über diese wurde der Spame50 Mondragon zum Befehlshaber gesetzt. Taufe»Schritte von derselben wurde in der Nähe °Schlosses Cowenstein die St. Jakobs-Schah!aufgeführt, und dem Kommando des Cam>vo» Monte übergeben. Auf diese folgte in S .55 cher Entfernung die St. Georgs-Schanze, "tausend Schritte von dieser die Pfahl-Schau^unter Gamboa's Befehlen, welche vonPfahlwerke, auf dem sie ruhte, den Naführte. Am äußersten Ende des Dam '60 ohnweit Stabroek, lag eine fünfte Bastey,rin der Graf von Mannsfeld, nebstItaliener, Capizucchi, den Befehl füh^- cherdiese Forts ließ der Herzog' jetzt mit o > ^Artillerie und Mannschaft verstärken, uno ^65 überdies, an beyden Seiten des Dammes ^längs der ganzen Richtung desselben ^einschlagen, sowohl um den Wall ,dadurey ^fester, als den Schanzgräbern., die *u»stechen würden, die Arbeit schwerer zu