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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
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Friedrich von Schiller.

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aber mit sehr ungleichem Glücke; denn so vielStröme Bluts es den Barbaren gekostet hatte,ewige Königreiche in Europa zu gründen, soviel kostete es jetzt ihren christlichen Nachkom-men, einige Städte und Burgen in Syrien zuerobern, die sie zwey Jahrhunderte daraus ausimmer verlieren sollten.

Die Thorheit und Raserey, welche den Ent-wurf der Kreuzzüge erzeugten, und die Gewalt-thätigkeiten , welche die Ausführung desselbenbegleitet haben, können ein Auge, das die Ge-genwart begränzt, nicht wohl einladen, sich da-bey zu verweilen. Betrachten wir aber dieseBegebenheit im Zusammenhang mit den Jahr-hunderten , die ihr vorher gingen, und mit de-nen, die daraus folgten, so erscheint sie uns inihrer Entstehung zu natürlich, um unsere Ver-wunderung zu erregen, und zu wohlthätig inihren Folgen, um unser Mißfallen nicht in einganz andres Gefühl aufzulösen. Sieht manauf ihre Ursachen, so ist diese Expedition derChristen nach dem heiligen Lande ein so unge-künsteltes, ja ein so nothwendiges Erzeugnißihres Jahrhunderts, daß ein ganz Ununlcrrich-leier, dem man die historischen Prämissen dieserBegebenheit ausführlich vor Augen gelegt hätte,von selbst darauf verfallen müßte. Sieht manauf ihre Wirkungen, so erkennt man in ihr denersten merklichen Schritt, wodurch der Aber-glaube selbst die Uebel anfing zu verbessern, dieer dem menschlichen Geschlecht Jahrhundertelang zugefügt hatte, und es ist vielleicht keinhistorisches Problem, das die Zeit reiner auf-gelöst hätte, als dieses, keines, worüber sich derGenius, der den Faden der Weltgeschichtespinnt, befriedigender gegen die Vernunft desMenschen gerechtfertigt hätte.

Aus der unnatürlichen und entnervendenRuhe, in welche das alte Rom alle Völker,denen es sich zur Herrscherinn aufdrang, ver-senkte, aus der weichlichen Sklavcrey, worines die thätigsten Kräfte einer zahlreiche» Men-schenwelt erstickte, sehen wir das menschlicheGeschlecht durch die gesetzlose stürmische Freyheitdes Mitrelalters wandern, um endlich in derglücklichen Mitte zwischen beyden Aeußcrstcnauszuruhen, und Freyheit mit Ordnung, Ruhemit Thätigkeit, Mannigfaltigkeit mit Ueberein-stimmung wohlthätig zu verbinden.

Die Frage kann wohl schwerlich seyn, obder Glücksstand, dessen wir uns erfreuen, dessenAnnäherung wir wenigstens mit Sicherheit er-kennen, gegen den blühenden Zustand, worinsich das Menschengeschlecht sonst jemals befun-den, für einen Gewinn zu achten sey, und obwir uns gegen die schönsten Zeiten Roms undGriechenlands auch wirklich verbessert haben.Griechenland und Rom konnten höchstens vor-treffliche Römer, vortreffliche Griechen erzeu-gen, die Nation, auch in ihrer schönsten Epo-che, erhob sich nie zu vortrefflichen Menschen.Eine barbarische Wüste war dem Alhenienserdie übrige Wen außer Griechenland, und manweiß, daß er dieses bey seiner Glückseligkeit sehrmit in Anschlag brachte. Die Römer warendurch ihren eigenen Arm bestraft, da sie aufdem ganzen großen Schauplatz ihrer Herrschaftnichts mehr übrig gelassen hatten, als römischeBürger und römische Sklaven, «einer von un-

sern Staaten hat ei» römisches Bürgerrechtauszutheilen; dafür aber besitzen wir ein Gut,das, wenn er Römer bleiben wollte, kein Rö-mer kennen durfte — und wir besitzen es von5 einer Hand, die keinem raubte, was sie Einemgab, und was sie Einmal gab, nie zurücknimmt,wir haben Menschensreyheit; ein Gut, das —wie sehr verschieden von dem Bürgerrecht desRömers! - an Werthe zunimmt, je größer die1» Anzahl derer wird, die es mit uns theilen,das, von keiner wandelbaren Form der Ver-fassung, von keiner Siaatserschütlerung abhän-gig, auf dem festen Grunde der Vernunft undBilligkeit ruhet.

15 Der Gewinn ist also offenbar, und dir Frageist bloß diese: War kein näherer Weg zu die-sem Ziele? Konnte sich diese heilsame Verände-rung nicht weniger gewaltsam aus dem römi-schen Staat entwickeln, und mußte das Men-gt» schengeschlecht nothwendig die traurige Zeitstrcckevom vierte» bis zum sechszehnle» Jahrhundertdurchlaufen?

Die Vernunft kann in einer anarchischenWelt nicht aushalten. Stets nach Ueberein-25 stimmung strebend, läuft sie lieber Gefahr, dieOrdnung unglücklich zu vertheidigen, als mitGleichgültigkeit zu entbehren.

War die Völkerwanderung und das Mittel-alter, das darauf folgte, eine nothwendige Be-30 dingung unsrer bessern Zeiten?

Asien kann uns einige Aufschlüsse darübergeben. Warum blühten hinter dem HcerzugeAlexanders keine griechischen Frcystaalen auf-Warum sehen wir Sina, zu einer traurigen35 Dauer verdammt, in ewiger Kindheit altern -Weil Alexander mit Menschlichkeit erobert hatte,weil die kleine Schaar seiner Griechen unterden Millionen des großen Königs verschwand,weil sich vie Horden der Mantschu in dem un40 geheuern Sina unbemerkbar verloren.

die Menschen hatten sie unterjocht, die Gesetzund die Sitten, die Religion und der S'aawaren Sieger geblieben. Für despotisch lssherrschte Staaten ist keine Rettung, als '45 dem Untergang. Schonende Eroberer fssmihnen nur Pflanzvölker zu, nähren den siemKörper, und können nichts, als seine Krauchverewigen. Sollte das verpestete Landden gesunden Sieger vergiften, sollte M50 Deutsche in Gallien nicht zum Römer versass'mcrn, wie der Grieche zu Babulon in e'Perser ausartete, so mußte die Form zsss ,,

chen werden, die seinem Nachahmungsgeist

jährlich werden konnte, und er mußte aus55 neuen Schauplatz, den er jetzt betrat, in lBetracht der stärkere Theil bleiben.

Die scyrhische Wüste öffnet sich,cin rauhes Geschlecht über den Occiden ^Mit Blut ist seine Bahn bezeichnet. ^

00 sinken hinter ihm in Asche, mit gle'merzertritt es die Werke der Menschenhaidie Früchte des Ackers; Pest und Hunge . abernach, was Schwert und Feuer vergäße' 'Lebe» geht nur unter, damit besseres re gfl-05 seiner Stelle keime. Wir wollen ih'ss diechen nicht nachzählen, die es aufhauiStädte nicht, die es in die Asche legre- ^e"»er werden sie hervorgehen unter den -vder Freyheit, und ein besserer Stanm