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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
375-376
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Friedrich von Schiller.

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fach und schön in sich selbst zusammen, und mirwenigem ist so viel ausgerichtet. Ich gestehe, ichfürchtete mich anfangs, daß wegen der langenZwischenzeit, die zwischen dem ersten Wurfeund der letzten Hand verstrichen seyn muß, einekleine Ungleichheit, wenn auch nur des Alters,sichtbar seyn möchte. Aber davon ist auch nichteine Spur zu sehen. Die kühnen poetischenStellen, die aus der stillen Fluth des Ganzenwie einzelne Blitze vorschlagen, machen einetreffliche Wirkung, erheben und füllen das Ge-müth. Ueber die schöne Charakteristik will ichheute noch nichts sagen. Eben so wenig vonder lebendigen und bis zum Greifen treffendenNatur, die in allen Schilderungen herrscht,und die Ihnen überhaupt in keinem Produkteversagen kann. Bon der Treue des Gemähldeseiner theatralischen Wirthschaft und Liebschaft,kann ich mir vieler Kvmpelpnz urtheilen, in-dem ich mir beyden besser bekannt bin, als ichzu wünschen Ursache habe. Die Apologie desHandels ist herrlich und in einem großen Sinn.Aber daß Sie neben dieser die Steigung desHaupthelden noch mit einem gewissen Ruhmbehaupten konnten, ist gewiß keiner der gering-sten Siege, welche die Form über die Materieerrang. Doch ich sollte mich gar nicht in dasInnere einlassen, weil ich es in diesem Augen-blicke nicht weiter durchführen kann.

Alles empfiehlt sich Ihnen aus's Beste undfreut sich über Ihre versprochene Hieherkunfrlehr. Schiller.

2. l33.) Göthe an Schiller.

Sie haben mir durch das gute Zeugniß, dasSie dem ersten Buche meines Romans geben,sehr wohlgethan. Nach den sonderbaren Schick-salen , welche diese Produktion von innen undaußen gehabt hat, wäre es kein Wunder wennich ganz und gar konfus darüber würde. Ichhabe mich zuletzt bloß an meine Idee gehaltenund will mich freuen wenn sie mich aus diesemLabyrinthe Herausleiter.

Behalten Sie das erste Buch so lange Siewollen, indeß kommt das zweyte, und das drillelesen Sie im Manuskripte: so finden Sie mehrStandpunkte zum Urtheil. Ich wünsche, daßIhr Genuß sich mir den folgenden Büchern nichtmindere, sondern mehre. Da ich nebst derIhrigen auch Hrn. von Humboldts Stimmehabe, werde ich desto fleißiger und unverdros-sener fortarbeiten- — — — — — — — —

Leben Sie recht wohl. Ich hoffe daß es mirso wohl werden soll das neue Jahr mit Ihnenanzufangen.

Weimar den 10. Dezember 1704. G.

3. s40.) Schiller an Göthe-

Jena den 7. Januar 1705.

Für das überschwre Exemplar des Romansempfangen Sie meinen besten Dank. Ich kanndas Gefühl, das mich beym Lesen dieser Schrift,und zwar im zunehmenden Grade, je weiterich darin komme, durchdringi und besitzt, nichtbesser als durch eine süße und innige Behag-

lichkeit, durch ein Gefühl geistlicher und leibli-cher Gesundheit ausdrücken, und ich wollte da-für bürgen, daß es dasselbe bey allen Lesern imGanzen seyn muß.

5 Ich erkläre mir dieses Wohlseyn von derdurchgängig darin herrschenden ruhigen Klar-heit, Glätte und Durchsichtigkeit, die auch nichtdas geringste zurückläßt, was das Gemüth un-befriedigt und unruhig läßt, und die Bewegung10 desselben nicht weiter treibt als nöthig ist, umein fröhliches Leben in dem Menschen anzufa-chen und zu erhalten. Ueber das Einzelne sageich Ihnen nichts, bis ich das drille Buch gele-sen habe, dem ich mit Sehnsucht entgegensche-15 Ich kann Ihnen nicht ausdrücken, wie pein-lich mir das Gefühl oft ist, von einem Produktdieser Art in das philosophische Wesen hinein-zusehen. Dort ist alles so heiter, so lebendig,so harmonisch ausgelöst und so menschlich wahr,20 hier alles so strenge, so rigid und abstrakt, undso höchst unnatürlich, weil alle Natur nur Syn-lhesls und alle Philosophie Antilhesis ist. Zwardarf ich mir das Zeugniß geben, in meine»Spekulationen der Natur so treu geblieben z»25 seyn, als sich mit dem Begriff der Analysisverträgt; ja vielleicht bin ich ihr treuer geblie-ben als unsere Kantianer für erlaubt und fürmöglich hielten. Aber dennoch fühle ich nichtweniger lebhaft den unendlichen Abstand zwischen30 dem Leben und dem Raisonncment — und kannmich nicht enthalten in einem solchen melancho-. lischen Augenblick für einen Mangel in meinerNatur auszulegen, was ich in einer heiternStunde bloß für eine natürliche Eigenschaft der35 Sache ansehen muß. So viel ist indeß gewiß,der Dichter ist der einzige wahre Mensch, undder beste Philosoph ist nur eine Karrikaturgegen ihn.

Daß ich voll Erwartung bin,' zu wissen,40 was Sie zu meiner Metaphysik des Schöne»sagen, darf ich Ihnen nicht erst versichern. Wiedas Schöne selbst aus dem ganzen Mensche»genommen ist, so ist diese meine Analysis des-selben aus meiner ganzen Menschheit herausge-45 nominell, und es muß mir allzuviel daran lie-gen, zu wissen, wie diese mit der Ihrigensammenstimmt.

Ihr Hierseyn wirb eine Quelle von Gei-stes- und Hcrzensnahrung für mich seyn. lbe-50 sonders sehne ich mich auch darnach, gewisseDichterwerke in Gemeinschaft mit Ihnen zu ist'nießcn. .

Sie versprachen mir, mich bey GelegenhU'Ihre Epigramme hören zu lassen. Es >v»e55 eine große Freude mehr für mich, wenn tuestbey Ihrem jetzigen Aufenthalt ig Jena anginist-da es doch problematisch ist, wie bald ichW. kommen kann.

Meyern bitte ich recht freundschaftlich '»'s-«0 zu empfehlen. Alles freut sich bey uns » lIhre beydcrseitige Ankunft herzlich und nien>amehr als Ihr " k

aufrichtigster Berehrer und Ftt»Schiller. ., ^

05 Eben da ich schließen will erhalle "willkommene Fortsetzung Meisters. TausDank dafür!