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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
381-382
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Friedrich von Schiller.

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schafc ist mit der er umgeht. Sie erhallen nochöwey Bände dieses wunderlichen Werks. — —Leben Sie recht wohl mir den Ihrigen undgrüßen Humboldts.

W. d. 18. Juni >795. Göthe..

9. (87.) Schiller an Göthe.

Den 17. Aug. 1795.

Ich nahm Ihre neuliche Zusage nach demBuchstaben und rechnete darauf, Sie morgen,als den Dienstag, gewiß hier zu sehen: dieß'll Ursache, daß ich den,Meister so lange be-hielt , und Ihnen auch nichts darüber schrieb,^ehr hätte ich gewünscht mit Ihnen über dasfünfte Buch mündlich zu sprechen, weil manÜch in einem Brief nicht auf alles besinnt, undin solchen Sachen der Dialog unentbehrlich ist.Air däuchl, daß Sie den Gegenstand von kei-ner glücklichern Seite hätten fassen könne»,als die Art ist wie Sie den stillen Verkehr derPerson mit deip Heiligen in sich eröffnen. Die-ses Verhältniß ist zart und fein, und der Gang,l>ei> Sie es nehmen lassen, äußerst übereinstim-mend mir der Natur.

Der Uebergang von der Religion überhauptiu der christlichen, durch die Erfahrung der^ünde, ist meisterhaft gedacht. Ueberhaupt sind

leitenden Ideen des Ganzen trefflich, nur,lurchre ich, etwas zu leise angedeutet. Auch'"'st ich Ihnen nicht dafür stehen, daß nichtManchen Lesern vorkommen wird, als wenn dieGeschichte stille stände. Hätte sich manches nä-^er zusammenrücken, anderes kürzer fassen, hin-gegen einige Haupiideen mehr ausbreiten lassen,la würde es vielleicht nicht übel gewesen seyn.

! Bestreben durch Vermeidung der trivialen

^erminolvgie der Andacht, ihren Gegenstand°a purisieiren und gleichsam wieder ehrlich zuZachen, ist mir nicht entgangen; aber einigegellen habe ich doch angestrichen, an denen,m ich furchte, ein christliches Gemüth eine zu"unsinnige Behandlung tadeln könnte.

Dieß wenige über das, was Sie gesagtdd angedeutet. Dieser Gegenstand ist aber' einer solchen Art, daß man auch über das

Mas nicht gesagt ist, zu sprechen versucht wird.°^Mar ist dieses Buch noch nicht geschloffen, und^ weiß also nicht, was etwa noch nachkom-bn kann, aber die Erscheinung des Oheimsein^ sflner gesunden Vernunft scheint mir doch"e Krise herveyzuführen. Ist dieses, so scheint^ die Materie doch zu schnell abgethan: dennü^dauchr, daß über das Eigenthümliche christ-Mcc Religion und christlicher Religiousschwär-' "ey noch zu wenig gesagt sey; daß dasjenige,^as diese Religion einer schönen Seele seynnn, »der vielmehr was eine schöne Seele da-machen kann, »och nicht genug angedeutettu' 2ch finde i» der christlichen Religion vir-strn ^ ^ Anlage zu dem Höchsten und Edel-sili>.' die verschiedenen Erscheinungen der-Mid^ üeben scheinen mir bloß deßwegen sossi^g und abgeschmackt, weil sie verfehlte Dar-»N dieses Höchsten sind. Halt man sich

thun ^ Mßinitlichen Eharakterzug des Christen-i Swn^' ^ allen monotheistischen Reli-unterscheidet, so liegt er in.nichts an-

derem als in der Aufhebung des Gesetzes, desKantischen Imperativs, an dessen Stelle dasChristenthum eine freie Steigung gesetzt habenwill. Es ist also, in seiner reinen Form, Dar-5 stellung schöner Sittlichkeit oder der Mensch-werdung des Heiligen, und in diesem Sinn dieeinzige ästhetische Religion; daher ich es mirauch erkläre, warum diese Religion bey derweiblichen Natur so viel Glück gemacht, und10 nur in Weibern noch in einer gewissen erträg-lichen Form angetroffen wird. Doch ich magin einem Brief über diese kitzliche Materie nichtsweiter vorbringen, und bemerke bloß noch, daßich diese Saite hätte mögen ein wenig anklin-15 gen hören. — — — — — — — — — —Leben Sie recht wohl. Ich sehne mich, Siebald zu sehen, und unsern Freund Meyer.

Schiller.

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10. (89.j Göthe an Schiller.

. An dem Hymnus, der hierbey folgt, habeich soviel gethan, als die Kürze der Zeit und25 die Zerstreuung, in der ich mich befinde, er-lauben wolle». Den Beschluß der Geschichteund den Uebergang zum Mährchen übersendeich baldmöglichst, ich glaube aber nicht, daß eseinen gedruckten Bogen ausfüllen ' wird. Zu30 dem Mährchen selbst habe ich guten Muth; esunterhält mich und wird also doch auch wohleinigermaßen für andere unterhaltend seyst.

Ihr Zeugniß, daß ich mit meinem sieben-ten Buche wenigstens glücklich vor der Klippe35 vorbeygeschifft bin, ist mir von großem Werthe,und Ihre weiter» Bemerkungen über diese Ma-terie haben mich sehr erfreut und ermuntert.Da die Freundin des sechsten Buchs aus derErscheinung des Oheims sich nur so viel zueig-40 net, als in ihren Kram taugt, und ich diechristliche Religion in ihrem reinsten Sinne erstim achten Buche in einer folgenden Generationerscheinen lasse, auch ganz mit dem, was Siedarüber schreiben, einverstanden bin, so werden45 Sie wohl am Ende nichts wesentliches vermis-sen, besonders wenn wir die Materie noch ein-mal durchsprechen.

Freylich bin ich sehr leise aufgetreten, undhabe vielleicht dadurch, daß ich jede Art von50 Dogmalisiren vermeiden und meine Absichtenvöllig verbergen wollte, den Effekt aufs großePublikum etwas geschwächt; es ist schwer insolchen Fällen den Mittelweg zu halten.

Leben Sie recht wohl; Meyer grüßt Sie55 vielmals. Sagen Sie der lieben Frau, daß Siemeine symbolischen Nadeln gesund brauchen undverlieren möge. Nächstens mehr.

Weimar den 18. Aug. 1795.

G.

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11. (17ll.j Göthe an Schiller.

Hier schicke ich endlich das große Werk und65 kann mich kaum freuen, daß eö so weit ist;denn von einem so langen Wege kommt manimmer ermüdet an. Ich habe es auch nur ein-mal durchsehen können, und Sie werden alsonoch manches zu supplire» haben. Es muß