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Friedrich von Schiller.
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keil jenes Suchens, von der Nothwendigkeitdes eignen Hervorbringens u. s. f. Aber läßtsich das ganze Leben Wilhelms, so wie es indem Roman vor uns liegt, wirklich auch voll-kommen unter diesem Begriffe fassen und er- 5schöpfen? Wird durch diese Formel alles ver-ständlich? Und kann er nun bloß dadurch, daßsich das Vaterherz bey ihm erklärt, wie amSchluß des siebenten Buchs geschieht, losgespro-chen werden? Was ich also hier wünschte, 10wäre dieses, daß die Beziehung aller einzelnenGlieder des Romans auf jenen philosophischenBegriff noch etwas klarer gemacht würde. IchMöchte lagen, die Fabel ist vollkommen wahr,auch die Moral der Fabel ist vollkommen wahr; 15aber das Verhältniß der einen zu der andernspringt noch nicht deutlich genug in die Augen.
Ich weiß nicht, ob ich mich bey diesen bey-den Erinnerungen recht habe verständlich machenkönnen; die Frage greift ins Ganze, und so 20ist es schwer, sie am Einzelnen gehörig darzu-legen. Ein Wink ist aber hier auch schon genug.
Ehe Sie mir das Exemplar der Lernen sen-den , so haben Sie doch die Güte, darin geradeauszustrcichen, was Sie heraus wünschen, und 25zu unterstreichen, was Sie geändert wünschen.
Ich kann dann eher meine Maßregeln nehmen,was noch zu thun ist.
Möchte doch für die kleinen lieblichen Ge-dichte , die Sie noch zum Almanach geben woll- 30den, und zu dem i» petto habenden Gedichtvon Mignon noch Stimmung und Zeit sich fin-den ! Der Glanz des Almanachs beruht eigent-lich ganz auf Ihren Beyträgen. Ich lebe undwebe jetzt wieder in der> Kritik, um mir den 35Meister recht klar zu machen, und kann nichtviel mehr für den Almanach thun. Dann kom-men die Wochen meiner Frau, die der poeti-schen Stimmung nicht günstig seyn werden.
Sie empfiehlt sich Ihnen herzlich. Leben Sie 40recht wohl. Sonntag Abends hoffe ich Ihnenwieder etwas zu sagen.
Sch.
Wollten Sie wohl so gütig seyn und mirden fünften Band der große» Muratorischen 45Sammlung aus der Bibliothek in W. ver-schaffen ?
18. (184.> Göthe an Schiller.
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Indem ich Ihnen, auf einem besondernBlait, die einzelnen Stellen verzeichne, die ich(ldch Ihren Bemerkungen zu ändern und zumppliren gedenke, so habe ich Ihnen für Ihren 55Mutige» Brief den höchsten Dank zu sagen, in-dem Sie mich, durch die in demselben enthal-te» Erinnerungen, nöthigen, auf die eigent-^e Vollendung des Ganzen aufmerksam zutch. Ich bitte Sie nicht abzulassen, um, ich ooMöchte wohl sagen, mich aus meinen eignenGänzen hinaus zu treiben. Der Fehler, den?me mic Recht bemerken, kommt aus meinerGerste» Natur, aus einem gewissen realistischen
durch den ich meine Existenz, meine 65Handlungen, meine Schriften den Mcnlche»aus den Augen zu rücken behaglich finde. Soerde ich immer gerne incogniro reisen, dasgeringere Kleid vor dem bessern wählen, und
in der Unterredung mit Fremden oder Halbbe-kannten den unbedeutendern Gegenstand oderdoch den weniger bedeutenden Ausdruck vorzie-hen , mich leichtsinniger betragen als ich bin,und mich so, ich möchte sagen, zwischen michselbst und zwischen meine eigene Erscheinungstellen. Sie wissen recht gut, theils wie es ist,theils wie es zusammenhängt.
Nach dieser allgemeinen Beichte will ich gernzur besondern übergehen: daß ich ohne IhrenAntrieb und Anstoß, wider besser Wissen undGewissen, mich auch dieser Eigenheit bey diesemRoman hätte hingehen lassen, welches denndoch, bey dem ungeheuern Aufwand der daraufgemacht ist, unverzeihlich gewesen wäre, daalles das was gefordert werden kann, theils soleicht zu erkennen, theils so bequem zu machen ist.
So läßt sich, wenn die frühe, Aufmerksam-keit des Abbes auf Wilhelmen rein ausgespro-chen wird, ein ganz eigenes Licht und geistigerSchein über das Ganze werfen, und doch habeich es versäumt x kaum daß ich mich entschlie-ßen konnte, durch Wernern, etwas zu Gunstenseines Aeußerlichen zu sagen.
Ich hatte den Lehrbrief im siebenten Buchabgebrochen, in dem man bis jetzt nur wenigeDenksprüche über Kunst und Kunstsinn liest.Die zweyte Hälfte sollte bedeutende Worte überLeben und Lcbenssinn enthalten, und ich hattedie schönste Gelegenheit, durch einen mündli-chen Kommentar des Abbü's, die Ereignisseüberhaupt, besonders aber die durch die Mächtedes Thurms herbcygeführten Ereignisse zu er-klären und zu legitimiren, und so jene Maschi-nerie von dem Verdacht eines kalten Romanbe-dürfnisses zu retten und ihr einen ästhetischenWerth zu geben, oder vielmehr ihren ästheti-schen Werth in'S Licht zu stellen. - Sie sehen,daß ich mir Ihren Bemerkungen völlig einstim-mig bin.
Es ist keine Frage, daß die scheinbaren, vonmir ausgesprochenen Resultate viel beschränktersind als der Inhalt des Werks, und ich kommemir vor wie einer, der, nachdem er viele undgroße Zahlen übereinander gestellt, endlich muth-willig selbst Additionsfehler machte, um die letzteSumme, Gott weiß aus was für einer Grille,zu verringern.
Ich bin Ihnen, wie für so vieles, auch da-für den lebhaftesten Dank schuldig, daß Sie,noch zur rechten Zeit, auf eine so entschiedeneArt, diese perverse Manier zur Sprache brin-gen , und ich werde gewiß, insofern es mir mög-lich ist, Ihren gerechten Wünschen entgegengehn Ich darf den Inhalt Ihres Briefes nurselbst an die schicklichen Orte vertheilen, so istder Sache, schon geholfen. Und sollte mir's jabegegnen, wie denn die menschlichen Verkehrt-heilen unüberwindliche Hindernisse sind, daßmir doch die letzten bedeutenden Worte nichtaus der Brust wollten, so werde ich Sie bitten,zuletzt mit einigen kecken Pinselstrichen das nochselbst hinzuzufügen, was ich, durch die sonder-barste Naturnothwendigkeit gebunden, nicht aus-zusprcchen vermag. Fahren Sie diese Wochenoch fort mich zu erinnern und zu beleben, ichwill indeß für Cellini und wo möglich für denAlmanach sorgen.
Weimar den 9. Juli 1796. G.