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Friedrich von Schiller.
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ist der Geschlechtscharakter des Menschen, unddie Vernunft selbst ist nur die ewige Regel des-selben. Vernünftig handelt die ganze Natur;sein Prärogativ ist blos, daß er mit Bewußt-seyn und Willen vernünftig handelt. Alle an-dere Dinge müssen; der Mensch ist das Wesen,welches will.
Eben deßwegen ist des Menschen nichts sounwürdig, als Gewalt zu erleiden, denn Ge-walt hebt ihn auf. Wer sie uns anthut, machtuns nichts Geringeres als die Menschheit strei-tig; wer sie feigerweise erleidet, wirft seineMenschheit hinweg. Aber dieser Anspruch aufabsolute Befreyung von Allem, was Gewaltist, scheint ein Wesen vorauszusetzen, welchesMacht genug besitzt, jede andere Macht vonsich abzutreiben. Findet er sich in einem We-sen, welches im Reich der Kräfte nicht denobersten Rang behauptet, so entsteht darausein unglücklicher Widerspruch zwischen dem Triebund dem Vermögen.
In diesem Falle befindet sich der Mensch.Umgeben von zahllosen Kräften, die alle ihmüberlegen sind, und den Meister über ihn spie-len, macht er durch seine Natur Anspruch, vonkeiner Gewalt zu erleiden. Durch seinen Ver-stand zwar steigert er künstlicherweise seine na-türlichen Kräfte, und bis auf einen gewissenPunkt gelingt es ihm wirklich, physisch überalles Physische Herr zu werden- Gegen Alles,sagt das Sprüchwort, gibt es Mittel, nur nichtgegen den Tod. Aber diese einzige Ausnahme,wenn sie das wirklich im strengsten Sinne ist,würde den ganzen Begriff des Menschen auf-heben. Nimmermehr kann er das Wesen seyn,welches will, wenn es auch nur Einen Fallgibt, wo er schlechterdings muß, was er nichtwill. Dieses einzige Schreckliche, was er nurwuß und nicht will, wird wie ein Gespenst ihnbegleiten, und ihn, wie auch wirklich bey denmehrsten Menschen der Fall ist, den blindenSchrecknissen der Phantasie zur Beute überlie-fern; seine gerühmte Freyheil ist absolut Nichts,wenn er auch nur in einem einzigen Punktegebunden ist. Die Kultur soll den Menschenin Freyheit setzen und ihm dazu behülflich sey»,seinen ganzen Begriff zu erfüllen. Sie soll ihnalso fähig machen, seinen Willen zu behaupten,denn der Mensch ist das Wesen, welches will.
Dies ist auf zweyerlei Weise möglich. Ent-weder realistisch, wenn der Mensch der GewaltGewalt entgegensetzt, wenn er als Natur dieNatur beherrscht, oder idealistisch , wenn er ausder Natur heraustritt und so, in Rücksicht aufstch, den Begriff der Gewalt vernichtet. Wasthm zu dem ersten verhelft, heißt physische Kul-tur. Der Mensch bildet seinen Verstand undstine sinnlichen Kräfte aus, um die Naturkräfte»ach ihre,, eigenen Gesetzen, entweder zu Werk-zeugen seines Willens zu machen, oder sich vorihren Wirkungen, die er nicht lenken kann, inSicherheit zu setzen. Aber die Kräfte der Na-tur lassen sich nur bis auf einen gewissen Punktbeherrschen oder abwehren; über diesen Punkt
hinaus entziehen sie sich der Macht des Men-schen und unterwerfen ihn der ihrigen.
Jetzt also wäre es um seine Freyheit gethan,wenn er keiner andern als physischen Kultur5 fähig wäre. Er soll aber ohne Ausnahme Menschseyn, also in keinem Fall etwas gegen seinenWillen erleiden. Kann er also den physischenKräften keine verhältnißmäßige physische Kraftmehr entgegen setzen, so bleibt ihm, um keine10 Gewalt zu erleiden, nichts Anderes übrig, als:ein Verhältniß, welches ihm so nachtheilig ist,ganz und gar aufzuheben, und eine Gewalt,die er der That nach erleiden muß, dem Be-griffe nach zu vernichten. Eine Gewalt dem15 Begriffe nach vernichten, heißt aber nichts an-ders, als. sich derselben freywillig unterwerfen.Die Kultur, die ihn dazu geschickt macht, heißtdie moralische.
Der moralisch gebildete Mensch, und nur20 dieser, ist ganz frey. Entweder er ist der Na-tur als Macht überlegen, oder er ist einstimmigmit derselben. Nichts, was sie an ihm ausübt,ist Gewalt, denn eh es bis zu ihm kommt, istes schon seine eigene Handlung geworden, und25 die dynamische Natur erreicht ihn selbst nie,weil er sich von Allem, was sie erreichen kann,freylhätig scheidet. Diese Sinnesart aber, welchedie Moral unter dem Begriff der Resignationin die Nothwendigkeit und die Religion unter30 dem Begriff der Ergebung in den göttlichenRathschluß lehrt, erfordert, wenn sie ein Werkder freyen Wahl und Ueberlegung seyn soll,schon eine größere Klarheit des Denkens undeine höhere Energie des Willens, als dem Men-35 schen im handelnden Leben eigen zu seyn pflegt.Glücklicherweise aber ist nicht bloß in seiner ra-tionalen Natur eine moralische Anlage, welchedurch den Verstand entwickelt" werden kann, son-dern selbst in seiner sinnlich vernünftigen, d. h.40 menschlichen Natur eine ästhetische Tendenz dazuvorhanden, welche durch gewisse sinnliche Gegen-stände geweckt, und durch Läuterung seinerGefühle zu diesem idealistischen Schwung desGemüths kulcivirt werden kann. Von dieser,45 ihrem Begriff und Wesen nach, zwar idealisti-stischen Anlage, die aber auch selbst der Realistin seinem Leben deutlich genug an den Taglegt, obgleich er sie in seinem System nichtzugibt t), werde ich gegenwärtig handeln.
50 Zwar reichen schon die entwickelten Gefühlefür Schönheit dazu hin, uns bis auf einen ge-wissen Grad von der Natur als einer Machtunabhängig zu machen. Ein Gemüth, welchessich so weit veredelt hat, um mehr von den55 Formen als dem Stoff der Dinge gerührt zu
werden, und ohne alle Rücksicht auf Besitz, aus
der bloßen Reflexion über die Erscheinungsweiseein freyes Wohlgefallen zu schöpfen, ein solchesGemüth trägt in sich selbst eine innere unver-
60 lierbare Fülle des Lebens, und weil es nicht
nöthig hat, sich die Gegenstände zuzueignen, indenen es lebt, so ist es auch nicht in Gefahr,derselben beraubt zu werden. Aber endlich willdoch auch der Schein einen Körper haben, an
>> Wir überhaupt nichts wahrhaft idealistisch heiße» kann, als was der vollkommene Realist wirklich unbc»wß» ausübt, und nur durch eine Jnconscaucnz längnet.