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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
443-444
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Johann Gottlieb Fichte.

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regenden Gegenstand Begriffe im Umlaufe, dievon den unsrigen sehr abweichen, und welchezu berichtigen, und alle, von solchen, die keinengeübten Sinn für ein Ganzes haben, aus ein-zelnen Fällen beizubringenden Einwürfe zu wi-derlegen, die Grenze unsrer Zeit, und unsersPlans bei weitem überschreiten würde. Denletzter» muß ich mich begnügen das in dieserRücksicht zu sagende, das in meinem qesamm-ken Denken nicht so einzeln und abgerissen, undnicht ohne Begründung bis in die Tiefe desWissens, dastehen dürfte, wie es hier sich gibt,nur als Gegenstand ihres weitern Nachdenkenshinzulegen. Ganz übergehen durfte ich es,noch abgerechnet die für das Ganze nicht zuerlassende Gründlichkeit, auch schon nicht in Rück-sicht der wichtigen Folgen daraus, die sich imspätern Verlaufe unsrer Reden ergeben werden,und die ganz eigentlich zu unserm nächsten Vor-haben gehören.

Der zu allererst, und unmittelbar der Be-trachtung sich darbietende Unterschied zwischenden Schicksalen der Deutschen und der übrigenaus derselben Wurzel erzeugten Stämme ist der,daß die ersten in den ursprünglichen Wohnsitzendes Stammvolks blieben, die letzten in andereSitze auswanderten, die ersten die ursprüngli-che Sprache des Stammvolks'behielten und fort-bildeten , die letzten eine fremde Sprache an-nahmen, und dieselbe allmählig nach ihrer Weiseumgestalteten. Aus dieser frühesten Verschie-denheit müssen erst die später erfolgten, z. B.daß im ursprünglichen Vaterlands, angemessenGermanischer Ursicte, ein Slaatenbund untereinem beschränkten Oberhaupte blieb, in denfremden Ländern mehr auf bisherige RömischeWeise, die Verfassung in Monarchien überging,u. dgl. erklärt werden, keineswegs aber in um-gekehrter Ordnung.

Von den angegebenen Veränderungen istnun die erste, die Veränderung der Heimath,ganz unbedeutend. Der Mensch wird leichtunter jedem Himmelsstriche einheimisch, und dieVolkseigenthümlichkeit, weit entfernt durch denWohnort sehr verändert zu werden, beherrschtvielmehr diesen, und verändert ihn nach sich.Auch ist die Verschiedenheit der Natureinflüssein dem von Germaniern bewohnten Himmels-striche nicht sehr groß. Eben so wenig wolleman auf den Umstand ein Gewicht legen, daßin den eroberten Ländern die Germanische Ab-stammung mit den frühern Bewohnern vermischtworden; denn Sieger und Herrscher, und Bild-ner des aus der Vermischung entstehenden neuenVolks waren doch nur die Germanen. Ueber-dieß erfolgte dieselbe Mischung, die im Aus-lande mit Galliern, Kanlabriern u. s. w. ge-schah, im Mutterlands mit Slaven wohl nichtin geringerer Ausdehnung; so daß es keinemder aus Germaniern entstandenen Völker heutzu Tage leicht fallen dürfte, eine größere Rein-heit seiner Abstammung vor den übrigen dar-zuthun.

Bedeutender aber, und wie ich dafür halte,einen vollkommnen Gegensatz zwischen den Deut-schen, und den übrigen Völkern GermanischerAbkunft begründend, ist die zweite Veränderung,die der Sprache; und kommt es dabei, welchesich gleich zu Anfange bestimmt aussprechen will,

weder auf die besondre Beschaffenheit derjenigenSprache an, welche von diesem Stamme beibe-halten, noch auf die der andern, welche von je-nem andern Stamme angenommen wird, sau-bern allein darauf, daß dort eigenes behalten,hier fremdes angenommen wird; noch kommtes an auf die vorige Abstammung derer, dieeine ursprüngliche Sprache fortsprechen, sondernnur darauf, daß diese Sprache ohne Unterbre-chung fort gesprochen werde, indem weit mehrdie Menschen von der Sprache gebildet werden,denn die Sprache von den Menschen.

Um die Folgen eines solchen Unterschiedesin der Völkererzeugung, und die bestimmteArt des Gegensatzes in den Nationalzügen, dieaus dieser Verschiedenheit nothwendig erfolgt,klar zu machen, so weit es hier möglich undnöthig ist, muß ich Sie zu einer Betrachtungüber das Wesen der Sprache überhaupt ein-laden.

Die Sprache überhaupt, und besonders dieBezeichnung der Gegenstände in derselben durchdas Lautwerde» der Sprachwerkzeuge hängtkeineswegs von willkührlichen Beschlüssen undVerabredungen ab, sondern es gibt zuvörderstein Grundgesetz, nach welchem jedweder Begriffin den menschlichen Sprachwerkzeugcn zu die-sem, und keinem andern Laute wird. So mitdie Gegenstände sich in den Sinnenwerkzeugendes Einzelnen mit dieser bestimmten Fig/',Farbe u. s. w. abbilden, so bilden sie sich >mWerkzeuge des gesellschaftlichen Menschen, >"der Sprache, mit diesem bestimmten Laute ab-Nicht eigentlich redet der Mensch, sondern >"ihm redet die menschliche Natur, und verkündi-get sich andern seines Gleichen. Und so müßteman sage» : die Sprache ist eine einzige unddurchaus nothwendige.

Nun mag zwar, welches das zweite ist, l»eSprache in dieser ihrer Einheit für den Men-schen schlechtweg, als solchen, niemals, »istnirgend hervorgebrochen seyn, sondern allent-halben weiter geändert und gebildet durch d>eWirkungen, welche der Himmelsstrich, und häu-figerer, oder seltenerer Gebrauch, auf die Spraeh-Werkzeuge, und die Aufeinanderfolge der beob-achteten und bezeichneten Gegenstände, auf dieAufeinanderfolge der Bezeichnung hatten. Je-doch findet auch hierin nicht Willkühr oder Oh"*gefähr, sondern strenges Gesetz statt; und es unothwendig, daß in einem durch die erwähnte"Bedingungen also bestimmten Sprachwerkzeuge,nicht die Eine und reine Menschensprache, st"'dern daß eine Abweichung davon, und z>""^daß gerade diese bestimmte Abweichung davohervorbreche. , ,

Nenne man die unter denselben äußernflüssen auf das Sprachwcrkzeug stehenden , i'stsammenlebenden, und in fortgesetzter Mitthf'lung ihre Sprache fortbildenden Menschen /'Volk, so muß man sagen: die Sprache dielVolks ist nothwendig so wie sie ist, und r»eveigentlich dieses Volk spricht seine Erkennt"aus, sondern seine Erkenntniß selbst sprichtaus aus demselben. ^

Bei allen im Fortgangs der Sprache durcvdieselben oben erwähnten Umstände erfolgtVeränderungen bleibt ununterbrochen diese ^setzmäßigkeit; und zwar für alle, die in »n»

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