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Johann Gottlieb Fichte.
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da bezeichnet. Das Sinnbild ist ihm klar, unddrückt ihm das Verhältniß des Begriffenen zumgeistigen Werkzeuge vollkommen verständlich aus,denn dieses Verhältniß wird ihm erklärt durchein anderes unmittelbar lebendiges Verhältniß 5zu seinem sinnlichen Werkzeuge. Diese alsoentstandene neue Bezeichnung, mit aller derneuen Klarheit, die durch diesen erweitertenGebrauch des Zeichens die sinnliche Erkenntnißselber bekommt, wird nun niedergelegt in der 10Sprache; und die mögliche künftige übersinn-liche Erkenntniß wird nun nach ihrem Verhält-nisse zu der ganzen in der gesammten Spracheniedergelegten übersinnlichen und sinnlichen Er-kenntniß bezeichnet; und so geht es ununterbro- 15chen fort; und so wird denn die unmittelbareKlarheit und Verständlichkeit der Sinnbilderniemals abgebrochen, sondern sie bleibt ein ste-tiger Fluß. — Ferner, da die Sprache nichtdurch Willkühr vermittelt, sondern als unmit- 20telbare Naturkraft aus dem verständigen Lebenausbricht, so hat eine ohne Abbruch nach die-sem Gesetze fortentwickelte Sprache auch dieKraft , unmittelbar einzugreifen in das Leben,und dasselbe anzuregen- Wie die unmittelbar 25gegenwärtigen Dinge den Menschen bewegen,so müssen auch die Worte einer solchen Spracheden bewegen, der sie versteht, denn auch siesind Dinge, keinesweges willkührliches Mach-werk. So zunächst im Sinnlichen. Nicht an- 50ders jedoch auch im Uebersinnlichen. Denn ob-wohl in Beziehung auf das letztere der stetigeFortgang der Naturbeobachlung durch freieBesinnung und Nachdenken unterbrochen wird,und hier gleichsam der unbildliche Gott ein- 35tritt; so versetzt dennoch die Bezeichnung durchdie Sprache das unbildliche auf der Stelle inden stetigen Zusammenhang des bildlichen zu-rück ; und so bleibt auch in dieser Rücksicht derstetige Fortgang der zuerst als Raturkrast aus- 40gebrochene» Sprache ununterbrochen, und estritt in den Fluß der Bezeichnung keine Will-kühr ein. Es kann darum auch dem übersinn-lichen Theile einer also stetig fortentwickeltenSprache seine Leben anregende Kraft auf den, 45der nur sein geistiges Werkzeug in Bewegungsetzt, nicht entgehen. Die Worte einer solchenSprache in allen ihren Theilen sind Leben, undschaffen Leben. — Machen wir auch in Rück-sicht der Entwicklung der Sprache für das über- 50sinnliche die Voraussetzung, daß das Volk dieserSprache in ununterbrochener Mittheilung ge-blieben, und daß, was einer gedacht und aus-gesprochen, bald an alle gekommen, so gilt, wasbisher im allgemeinen gesagt worden, für Alle, 55die diese Sprache reden. Allen, die nur denkenwollen, ist das in der Sprache niedergelegteSinnbild klar; allen, die da wirklich denken,ist es lebendig, und anregend ihr Leben.
So verhält es sich, sage ich, mit einer 60Sprache, die von dem ersten Laute an, der indemselben Volke ausbrach, ununterbrochen ausdem wirklichen gemeinsamen Leben dieses Volkssich entwickelt hat, und in die niemals ein Be-standtheil gekommen, der nicht eine wirklich er- 65lebte Anschauung dieses Volks, und eine mitallen übrigen Anschauungen desselben Volks imallseitig eingreifenden Zusammenhange stehendeAnschauung ausdrückte. Lasset dem Stamm-
volke dieser Sprache noch so vielLern Stammes, und anderer Sprache einver-leibt werden; wenn es diesen nur nicht ver-stattet wird, den Umkreis ihrer Anschauungenzu dem Standpunkte, von welchem von nunan die Sprache sich fortentwickle, zu erheben,so bleiben diese stumm in der Gemeine, undohne Einfluß auf die Sprache, so lange, bissie selbst in den Umkreis der Anschauungen desStammvolkes hineingekommen sind, und so bil-den nicht sie die Sprache, sondern die Sprachebildet sie.
Ganz das Gegentheil aber von allem bishergesagten erfolgt alsdann, wenn ein Volk, nistÄufgcbung seiner eignen Sprache eine fremde,für übersinnliche Bezeichnung schon sehr gebil-dete, annimmt; und zwar nicht also, daß essich der Einwirkung dieser fremden Spracheganz frei hingehe, und sich bescheide sprachloszu bleiben, so lange, bis es in den Kreis derAnschauungen dieser fremden Sprache hineinge-kommen; sondern also, daß es seinen eignenAnschauungskrcis der Sprache aufdringe, unddiese, von dem Standpunkte aus, wo sie die-selbe fanden, von nun an in diesem Anschou-ungskrcise sich fortbewegen müsse. In Abfielstdes sinnlichen Theils der Sprache zwar ist dieseBegebenheit ohne Folgen. In jedem Volkemüssen ja ohnedies die Kinder diesen Theil derSprache, gleich als ob die Zeichen willkührlichwären, lernen, und so die ganze früher« Sprach-entwicklung der Nation hierin nachholen; jedesZeichen aber in diesem sinnlichen Umkreise kanndurch die unmittelbare Ansicht, oder Berührungdes Bezeichneten vollkommen klar gemacht wer-den. Höchstens würde daraus folgen, daß doserste Geschlecht eines solchen seine Sprache än-dernden Volks als Männer wieder in die K»>-derjahre zurückzugehen genöthigt gewesen;den nachgebvrnrn aber und an den künftig^Geschlechtern war alles wieder in der allenOrdnung. Dagegen ist diese Veränderung vonden bedeutendsten Folgen in Rücksicht des über-sinnlichen Theils der Sprache. Dieser hat zwofür die ersten Eigenthümer der Sprache si -gemacht auf die bisher beschriebene Weift! l"die spätern Eroberer derselben aber enthält daSinnbild eine Vergleich»ng mit einer sinnl'chbAnschauung, die sie entweder schon längst, ohdie beiliegende geistige Ausbildung, überfprugen haben, oder die sie dermalen noch nielst ghabt haben, auch wohl niemals haben könn 'Das döchste, was sie Hiebei thun können ,daß sie das Sinnbild und die geistige Erdtung desselben sich erklären lassen, wodurch 'die flache und todte Geschichte einerBildung, keineswegs aber eigene Bildung ^halten, und Bilder bekommen, die für stst,^,unmittelbar klar, noch auch Lebenanregend I 'sondern völlig also willkührlich erscheinen wUN'.^wie der sinnliche Theil der Sprache, s"ist nun, durch diesen Eintritt der bloß"'schichte, als Erklären«, die Sprache indes ganzen Umkreises ihrer Sinnbildlichk"' „abgeschlossen, und ihr stetiger Fortfloß ^brochen; und obwohl über diesen Uuikrci diesaus sie nach ihrer Weise, und in ^dglich
von einem solchen Ausgangspunkte aus ' .
ist, diese Sprache wieder lebendig for