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Johann Göttlich Fichte.
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mögen: so bleibt dock jener Bestandtheil dieScheidewand, an welcher der ursprüngliche Aus-gang der Sprache, als eine Naturkrafr, ausdem Leben, und die Rückkehr der wirklichenSpräche in das Leben, ohne Ausnahme sichbricht. Obwohl eine solche Sprache auf derOberfläche durch den Wind des Lebens bewegtwerden, und so den Schein eines Lebens vonsich geben mag, so hat sie doch tiefer einentodten Bestandtheil, und ist, durch den Eintrittdes neuen Anschauungskreises, und die Abbre-chung des alten, abgeschnitten von der leben-digen Wurzel.
Wir beleben das so eben gesagte durch einBeispiel; indem wir zum Behuf dieses Beispielsnoch beiläufig die Bemerkung machen, daß einesolche im Grunde todte und unverständlicheSprache sich auch sehr leicht verdrehen, und zuallen Beschönigungen des menschlichen Verder-bens mißbrauchen läßt, was in einer niemalserstorbenen nicht also möglich ist. Ich bedienemich als solchen Beispiels der drei berüchtigtenWorte Humanität, Popularität, Liberalität.Diese Worte, vor dem Deutschen, der keineandere Sprache gelernt hat, ausgesprochen, sindihm ein völlig leerer Schall, der an nichts ihmschon bekanntes durch Verwandtschaft des Lauteserinnert, und so aus dem Kreise seiner An-schauung, und aller möglichen Anschauung ihnvollkommen herausreißt. Reizt nun doch etwadas unbekannte Wort durch seinen fremden,vornehmen und wohltönenden Klang seine Auf-merksamkeit, und denkt er, was so hoch töne,müsse auch etwas hohes bedeuten; so muß ersich diese Bedeutung ganz von vorn herein, undals etwas ihm ganz neues, erklären lassen, undkann dieser Erklärung eben nur blind glauben,und wird so stillschweigend gewöhnt, etwas fürwirklich daseyend, und würdig . anzuerkennen,das er, sich selbst überlassen, vielleicht niemalsdes Erwähnens werth gefunden hätte. Manglaube nicht, daß es sich mit den neulateinischenVölkern, welche jene Worte, vermeintlich alsWorte ihrer Muttersprache aussprechen, vielanders verhalte. Ohne gelehrte Ergründungdes Alterthums und seiner wirklichen Sprache,verstehen sie die Wurzeln dieser Wörter eben sowenig, als der deutsche. Hätte man nun etwadem Deutschen statt des Worts Humanität dasWort Menschlichkeit, wie jenes wörtlich übersetztwerden muß, ausgesprochen, so hätte er unsohne weitere historische Erklärung verstanden;aber er hätte gesagt: da ist man nicht eben viel,wenn man ein Mensch ist, und kein wildes Thier.Also aber, wie wohl nie ein Römer gesagt hätte,würde der Deutsche sagen, deswegen, weil dieMenschheit überhaupt in seiner Sprache nur einsinnlicher Begriff geblieben, niemals aber wieb.n den Römern zum Sinnblide eines übers,na-schen geworden; indem unsere Vorfahren viel-^lcht lange vorher die einzelnen menschlichen Tu-genden bemerkt, und sinnbildlich in der Spracheabzeichnet, ehe sie darauf gefallen, dieselben ineinem Einheilsbegriffe, und zwar als Gegen-satz mit der thierischen Natur, zusammenzufassen,welches denn auch unsern Vorfahren den Römerngegenüber zu gar keinem Tadel gereicht. Wernun den Deutschen dennoch dieses fremde undkomische Sinnbild künstlich in die Sprache spielenKurz . rrok. A>. I».
wollte, der würde ihre sittliche Denkart offenbarHerunterstimmen, indem er ihnen als etwas vor-zügliches und lobenswürdiges hingäbe, was inder fremden Sprache auch wohl ein solches seyn5 mag, was er aber, nach der unaustilgbarenNatur seiner National-Einbildungskraft nurfaßt, als das bekannte, das gar nicht zu er-lassen ist. Es ließe sich vielleicht durch einenähere Untersuchung darthun, daß dergleichen10 Herabstimmungen der frühern sittlichen Denkartdurch unpassende und fremde Sinnbilder den ger-manischen Stämmen, die die Römische Spracheannahmen, schon zu Anfange begegnet; dochwird hier auf diesen Umstand nicht gerade das15 größte Gewicht gelegt.
Würde ich ferner dem Deutschen statt derWörter Popularität und Liberalität, die Aus-drücke Haschen nach Gunst beim großen Haufen,und, Entfernung vom Sklavensinn, wie jene20 wörtlich übersetzt werden müssen, sagen, so be-käme derselbe zufördcrst nicht einmal ein klaresund lebhaftes sinnliches Bild, dergleichen derfrühere Römer allerdings bekam. Dieser sahealle Tage die schmiegsame Höflichkeit des ehr-25 geizigen Kandidaten gegen alle Welt, so wie dieAusbrüche des Sklavensinns vor Augen, undjene Worte bildeten sie ihm wieder lebendig vor.Durch die Veränderung der Rcgierungsform unddie Einführung des Christenthums waren schon30 dem spätern Römer diese Schauspiele entrissen;wie denn überhaupt diesem, besonders durchdas fremdartige Christenthum, das er wederabzuwehren, noch sich einzuverleiben vermochte,die eigne Sprache guten Theils abzusterben an-35 sing im eignen Munde. Wie hätte diese, schonin der eignen Heimath halbtodte Sprache, leben-dig überliefert werden können an ein fremdesVolk? Wie sollte sie es jetzt können an unsDeutsche? Was ferner das in jenen beiden40 Ausdrücken liegende Sinnbild eines geistigen be-trifft, so liegt in der Popularität schon ursprüng-lich eine Schlechtigkeit, die durch das Verderbender Nation und ihrer Verfassung in ihrem Mundezur Tugend verdreht wurde. Der Deutsche geht45 in diese Verdrehung, so wie sie ihm nur inseiner eignen Sprache dargeboten wird, nimmerein. Zur Uebersetzung der Liberalität aber da-durch, daß ein Mensch keine Sklaven-Seele,oder, wenn es in die neue Sitte eingeführt50 wird, keine Lakayen-Denkart habe, antwortet erabermals, daß auch dies sehr wenig gesagt heiße.
Nun hat man aber noch ferner in diese,schon in ihrer reinen Gestalt bei den Römernauf einer tiefen Stufe der sittlichen Bildung55 entstandenen, oder geradezu eine Schlechtigkeitbezeichnenden Sinnbilder in der Fortentwicklungder neulateinischen Sprachen den Begriff vonMangel an Ernst über die gesellschaftlichen Ver-hältnisse, den des sich Wegwerfens, den der ge-00 müthlosen Lockerheit, hineingespielc, und die-selben auch in die Deutsche Sprache gebracht,um durch das Ansehen des Alterthums und desAuslandes, ganz in der Stille, und ohne daßjemand so recht deutlich merke, wovon die Rede65 sey, die letztgenannten Dinge auch unter uns inAnsehen zu bringen. Dies ist von jeher der Zweckund der Erfolg aller Einmischung gewesen; zu-förderst aus der unmittelbaren Verständlichkeitund Bestimmtheit, die jede ursprüngliche Sprache29