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Johann Göttlich Fichte. 452
bei sich führt, den Hörer in Dunkel und Un- keine Vergleichung statt, und das erste hat vor
Verständlichkeit einzuhüllen; darauf an den da- dem letzten unendlichen Werth; darum sind alle
durch erregten blinden Glauben desselben sich unmittelbare Vergleichungen der Deutschen und
mir der nun nöthig gewordenen Erklärung zu der Nculateinischen Sprachen durchaus nichtig,
wenden, in dieser endlich Laster und Tugend also 5 und sind gezwungen von Dingen zu reden, diedurcheinander zu rühren, daß es kein leichtes der Rede nicht werth sind. Sollte vom innern
Geschäft ist, dieselben wieder zu sondern. Hätte Werthe der Deutschen Sprache die Rede ent-
man das, was jene drei ausländischen Worte stehen, so müßte wenigstens eine von gleichem
eigentlich wollen müssen, wenn sie überhaupt Range, eine ebenfalls ursprüngliche, als etwa
etwas wollen, dem Deutschen in seinen Worten, 10 die Griechische, den Kampfplatz betreten; unser
und in seinem sinnbildlichen Kreise also ausge-sprochen: Menschenfreundlichkeit, Leutseligkeit,Edelmuth, so hätte er uns verstanden; die ge-nannten Schlechtigkeiten aber hätten sich niemalsin jene Bezeichnungen einschicken lassen. ImUmfange Deutscher Rede entsteht eine solche Ein-hüllung in Unverständlichkeit und Dunkel, ent-weder aus Ungeschicktheit, oder aus böser Tücke;sie ist zu vermeiden, und die Uebersetzung inrechtes wahres Deutsch liegt als stets fertigesHülfsmittel bereit. In den nculateinischen Spra-chen aber ist diese Unverständlichkeit natürlichund ursprünglich, und sie ist durch gar keinMittel zu vermeiden, indem diese überhaupt nichtim Besitze irgend einer lebendigen Sprache,woran sie die todte prüfen könnten, sich befin-den, und, die Sache genau genommen, eineMuttersprache gar nicht haben.
Das an diesem einzelnen Beispiele dargelegte,was gar leicht durch den ganzen Umkreis derSprache sich würde hindurch führen lassen, undallenthalben also sich wieder finden würde, sollIhnen das bis hieber gesagte so klar machen,als es hier werden kann. Es ist vom übersinn-lichen Theile der Sprache die Rede, vom sinn-lichen zunächst und unmittelbar gar nicht. Dieserübersinnliche Theil ist in einer immerfort leben-dig gebliebenen Sprache sinnbildlich, zusammen-fassend bei jedem Schritte das ganze des sinn-lichen und geistigen, in der Sprache niederge-legten Lebens der Nation in vollendeter Einheit,um einen, ebenfalls nicht willkührlichen, sondernaus dem ganzen bisherigen Leben der Nationnothwendig hervorgehenden Begriff zu bezeichnen,aus welchem, und seiner Bezeichnung, ein scharfesAuge die ganze Bildungsgeschichte der Nationrückwärtsschreitend wieder müßte herstellen kön-nen. In einer todten Sprache aber, in derdieser Theil, als sie noch lebte, dasselbige war,wird er durch die Ertödtung zu einer zerrisse-nen Sammlung willkührlichcr, und durchausnicht weiter zu erklärender Zeichen eben so will-kührlicher Begriffe, wo mit beiden sich nichtsweiter anfangen läßt, als daß man sie eben lerne.
Somit ist unsre nächste Aufgabe, den un-terscheidenden Grundzug des Deutschen vor denandern Völkern Germanischer Abkunft zu finden,gelöst. Die Verschiedenheit ist sogleich bei derersten Trennung des gemeinschaftlichen Stammsentstanden, und besteht darin, daß der Deutscheeine bis zu ihrem ersten Ausströmen aus derNaturkraft lebendige Sprache redet, die übrigenGermanischen Stämme eine nur auf der Ober-fläche sich regende, in der Wurzel aber todteSprache. Allein in diesen Umstand, in dieLebendigkeit und in den Tod, setzen wir denUnterschied; keineswegs aber lassen wir uns einauf den übrigen innern Werth der DeutschenSprache. Zwischen Leben und Tod findet gar
gegenwärtiger Zweck aber liegt tief unter einersolchen Verglcichung.
Welchen unermeßlichen Einfluß auf die ganzemenschliche Entwicklung eines Volks die Be-15 schaffenheit seiner Sprache haben möge, derSprache, welche den Einzelnen bis in die ge-heimste Tiefe seines Gemüths bei Denken undWollen begleitet, unk beschränkt oder beflügelt,welche die gesammte Menschenmenge, die dieselbe20 redet, aus ihrem Gebiete zu einem einzigen ge-meinsamen Verstände verknüpft, welche der wahregegenseitige Durchströmungspunkt der Sinnen-welt und der der Geister ist, und die Endendieser beiden also in einander verschmilzt, daß25 gar nicht zu sagen ist, zu welcher von beidensie selber gehöre; wie verschieden die Folge die-ses Einflusses ausfallen möge, da, wo das Ver-hältniß ist, wie Leben und Tod, läßt sich i»>Allgemeinen errathen. Zunächst bietet sich dar,30 daß der Deutsche ein Mittel hat, seine leben-dige Sprache durch Vergleichung mit der abge-schloßncn Römischen Sprache, die von der sei-nigen im Fortgange der Sinnbildlichkeil garsehr abweicht, noch tiefer zu ergründen, wie35 hinwiederum jene auf demselben Wege klarerzu verstehen, welches dem Neulateiner, der iwGrunde in dem Umkreise derselben Einen Sprachegefallgen bleibt, nicht also möglich ist; daß derDeutsche, indem er die Römische Stammsprache40 lernt, die abgestammten gewissermaßen zugleichmit erhält, und falls er etwa die erste gründ-licher lernen sollte, denn der Ausländer, wel-ches er aus dem angeführten Grunde gar wohlvermag, er zugleich auch dieses Ausländers45 eigene Sprachen weit gründlicher verstehe» undweit eigenthümlicher besitzen lernt, denn jenerselbst, der sie redet; daß daher der Deutsche,wenn er sich nur aller seiner Vortheile bedient,den Ausländer immerfort übersehen, und ihn50 vollkommen, sogar besser, denn er sich selbst,verstehen, und ihn, nach seiner ganzen Aus-dehnung übersetzen kann; dagegen der Auslän-der, ohne eine höchst mühsame Erlernung derDeutschen Sprache, den wahren Deutschen nie-55 mals verstehen kann, und das ächt Deutscheohne Zweifel »»übersetzt lassen wird. Was indiesen Sprachen man nur vom Ausländer selbstlernen kann, sind meistens aus Langeweile undGrille entstandene neue Moden des Sprechens,60 und man ist sehr bescheiden, wenn man ausdiese Belehrungen eingeht. Meistens würde manstatt dessen ihnen zeigen können, wie sie devStammsprache und ihrem Verwandlunsgest^gemäß, sprechen sollten, und daß die neue Mobs65 nichts tauge, und gegen die althergebrachte guteSitte verstoße. - Jener Reichthum an Folge"überhaupt, so wie die besondere zuletzt erwähn"Folge ergeben sich, wie gesagt, von selbst. .
Unsere Absicht aber ist es diese Folaen >n°-