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Johann Göttlich Fichte.
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gesammt im Ganzen, nach ihrem Einheitsbande,und aus der Tiefe zu erfassen, um dadurch einegründliche Schilderung des Deutschen im Gegen-satze mit den übrigen Germanischen Stämmenzu geben. Ich gebe diese Folge» vorläufig inder Kürze also an: 1) Beim Wolke der leben-digen Sprache greift die Geistesbildung ein insLeben; beim Gegentheile geht geistige Bildungund Leben jedes seinen Gang für sich fort.2) Aus demselben Grunde ist es einem Volkeder ersten Art mit aller Geistesbildung rechtereigentlicher Ernst, und es will, daß dieselbe insLeben eingreife; dagegen einem von der letzter»Art diese vielmehr ein genialisches Spiel ist,mit dem sie nichts weiter wollen. Die letzter»haben Geist; die erster» haben zum Geiste auchnoch Gemüth, 5) Was aus dem zweiten folgt;die erster» haben redlichen Fleiß und Ernst inallen Dingen, und sind mühsam, dagegen dieletzter» sich im Geleite ihrer glücklichen Naturgehen lassen. 4) Was aus allem zusammenfolgt: In einer Nation von der ersten Art ist dasgroße Volk bildsam, und die Bildner einersolchen erproben ihre Entdeckungen an demVolke, und wollen auf dieses einstießen; da-gegen in einer Nation von der zweiten Art diegebildeten Stände vom Volke sich scheiden, unddes letzter» nicht weiter, denn als eines blindenWerkzeugs ihrer Pläne achten. Die weitereErörterung dieser angegebnen Merkmale be-halte ich der folgenden Stunde vor.
Zweite (fünfte) Rede.
Folgen aus der aufgestellte» Verschiedenheit.
Zum Behuf einer Schilderung der Eigen-thümlichkeit der Deutschen ist der Grund-Unter-schied zwischen diesen und den andern VölkernGermanischer Abkunft angegeben worden, daßdie erster» in dem ununterbrochenen Fortfluffeeiner aus wirklichem Leben sich fortentwickeln-den Ursprache geblieben, die letzter» aber eineihnen fremde Sprache angenommen, die unterihrem Einflüsse ertödter worden. Wir habenzu Ende der vorigen Stunde andre Erschei-nungen an diesen also verschiedenen Bolksstäm-Men angegeben, welche aus jenem Grund-Un-terschiede nothwendig erfolgen mußten; undwerden heule diese Erscheinungen weiter ent-wickeln, und fester auf ihrem gemeinsamenBoden begründen.
Eine Untersuchung, die sich der Gründlich-keit befleißiget, kann manches Streites, undder Erregung von mancherlei Scheelsucht sichüberheben. Wie wir ehemals, in der Unter-suchung, von der die gegenwärtige die Fort-setzung ist, thaten, so werden wir auch hierkhun. Wir werden Schritt vor Schritt ab-keiten, was aus dem aufgestellten Grund-Unter-schiede folgt, und nur darauf sehen, daß dieseAbleitung richtig sey. Ob nun die Verschie-denheit der Erscheinungen, die dieser Ableitunginfolge seyn sollte, in der wirklichen Erfahrungeintrete oder nicht, dies zu entscheiden, will ichwdiglich Ihnen, und jedem Beobachter über-essen. Zwar werde ich, was insbesondere dendeutschen betrifft, zu seiner Zeit darlegen, daß
er sich wirklich also gezeigt habe, wie er unsrerAbleitung zufolge seyn mußte. Was aber denGermanischen Ausländer betrifft, so werde ichnichts dagegen haben, wenn einer unter ihnen5 wirklich versteht, wovon eigentlich hier die Redesey, und wenn diesem hernach auch der Beweisgelingt, daß seine Landsleute eben auch dasselbegewesen seyen, was die Deutschen, und wenner sie von da» entgegengesetzten Zügen völlig10 loszusprechen vermag. ' Im allgemeinen wirdunsre Beschreibung auch in diesen gegentheiligenZügen keinesweges in das nachcheilige und grellehin zeichnen, was den Sieg leichter macht dennehrenvoll, sondern nur das nothwendig crfol-15 gende angeben, und dieses so ehrbar ausdrücken,als es mit der Wahrheit bestehen kann.
Die erste Folge von dem aufgestellten Grund-Unterschiede, die ich angab, war die: beim Volkeder lebendigen Sprache greife die Geistesbildung20 ein in das Leben; beim Gegentheile gehe geistigeBildung und Leben jedes für sich seinen Gangfort. Es wird nützlich seyn, zusörderst denSinn des aufgestellten Satzes tiefer zu erklären.Zusörderst, indem hier vom Leben, und von dem25 Eingreifen der geistigen Bildung in dasselbe ge-redet wird, so ist darunter zu verstehen dasursprüngliche Leben, und sein Fortfluß aus demQuell alles geistigen Lebens, aus Gott, die Fort-bildung der menschlichen Verhältnisse nach ihreml!0 Urbilde, und so die Erschaffung eines neuen,und vorher nie dagewesenen; keinesweges aberist die Rede von der bloßen Erhaltung jenerVerhältnisse auf der Stufe, wo sie schon stehen,gegen Herabsinken, und noch weniger, vom85 Nachhelfen einzelner Glieder, die hinter der all-gemeinen Ausbildung zurückgeblieben. Sodann,wenn von geistiger Bildung die Rede ist, so istdarunter zu allererst die Philosophie, — wiewir dies mit dem ausländischen Namen bezeichnen40 müssen, da die Deutschen sich den vorlängst vor-geschlagenen Deutschen Namen nicht haben ge-fallen lassen, — die Philosophie, sage ich, istzu allererst darunter zu verstehe»; denn diese istes, welche das ewige Urbild alles geistigen Lebens45 wissenschaftlich erfasset. Bon dieser und vonaller auf sie gegründeten Wissenschaft wird nungerühmt, daß beim Wolke der lebendigen Sprachesie einstieße in das Leben. Nun aber ist, in schein-barem Widersprüche mit dieser Behauptung oft-50 mals und auch von den unsern, gesagt worden,daß Philosophie, Wissenschaft, schöne Kunst unddergleichen, Selbstzwecke seyen, und dem Lebennicht dienten, und daß es Herabwürdigung der-selben sey, sie nach ihrer Nützlichkeit in diesem55, Dienste zu schätzen. Es ist hier der Ort, dieseAusdrücke näher zu bestimme», und vor allerMißdeutung zu verwahren. Sie sind wahr -infolgendem doppelten aber beschränkten Sinne;zusörderst, daß Wissenschaft oder Kunst dem60 Leben auf einer gewissen niedern Stufe, z. B.dem irdischen und sinnliche» Leben, oder der ge-meinen Erbaulichkeit, wie einige gedacht haben,nicht müsse dienen wollen; sodann, daß einEinzelner, zufolge seiner persönlichen Abgeschie-65 denheit vom Ganzen einer Geisterwelt, in diesenbesondern Zweigen des allgemeinen göttlichenLebens, völlig aufgehen könne, ohne eines außerihnen liegenden Antriebes zu bedürfen, und volleBefriedigung in ihnen finden könne. Keines-