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Johann Göttlich Fichtr.
Außer diesen beiden aus dem Grund-Unter- selbst, und denkt und dichtet für ihn. In einerschiede erfolgenden Erscheinungen , daß geistige lebendigen Sprache aber, wenn nur in ihr wirk-Bildung ins Leben eingreife oder nicht, und lich gelebt wird, vermehren und verändern diedaß zwischen den gebildeten Ständen und dem Worte, und ihre Bedeutungen sich immerfort,Volke eine Scheidewand bestehe, oder nicht, 5 und eben dadurch werden neue Zusammenstel-führte ich noch die folgende an, daß das Volk lungen möglich, und die Sprache, die niemalsder lebendigen Sprache Fleiß und Ernst haben ist, sondern ewig fort wird, redet sich nichtund Mühe angewendet werde, in allen Dingen, selbst, sondern wer sie gebrauchen will, mußdagegen das der todten Sprache die geistige Be- eben selber nach seiner Weise, und schöpferischschäftigung mehr für ein genialisches Spiel halte, 10 für sei» Bedürfniß, sie reden. Ohne Zweifelund im Geleite seiner glücklichen Natur sich erfordert das letzte weit mehr Fleiß und Ue-gehcn lasse. Dieser Umstand ergibt aus dem düngen, denn das erste. Eben so gehen, wieoben Gesagten sich von selbst. Beim Volke der schon oben gesagt, die Untersuchungen des Volkslebendigen Sprache geht die Untersuchung aus einer lebendigen Sprache bis auf die Wurzelvon einem Bedürfnisse des Lebens, welches durch 15 der Ausströmung der Begriffe aus der geistigensie befriedigt werden soll, und erhält so alle die Natur selbst: dagegen die einer todten Sprachenöthigen Antriebe, die das Leben selbst bei sich nur einen fremden Begriff zu durchdringen, undführt. Bei dem der todten will sie weiter nichts, sich begreiflich zu machen suchen, und so in
denn die Zeit auf eine angenehme, und dem der That nur geschichtlich, und auslegend, jene
Sinne fürs Schöne angemessene Weise hinbrin- 20 ersten aber wahrhaft philosophisch sind. Es lie-gen , und sie hat ihren Zweck vollständig er- greift sich, daß eine Untersuchung von der letz-reichr, wenn sie dieß gethan hat. Bei den Aus- ten Art eher, und leichter abgeschlossen werdenländern ist das letzte fast nothwendig; beim möge, denn eine von der ersten.
Deutschen, wo diese Erscheinung sich einstellt, Nach allem wird der ausländische Genius
ist das Pochen auf Genie, und glückliche Natur, 25 die betretenen Heerbahnen des Alterthums miteine seiner unwürdige Ausländerci, die, so wie Blumen bestreuen, und der Lebensweisheit, diealle Ausländerei, aus der Sucht vornehm zu leicht ihm für Philosophie gelten wird, einthun, entsteht. Zwar wird in keinem Volke zierliches Gewand weben; dagegen wird der
der Welt ohne einen ursprünglichen Antrieb deutsche Geist neue Schachten eröffnen, und
im Menschen, der, als ein übersinnliches, mit 30 Licht und Lag einführen in ihre Abgründe, und
dem ausländischen Namen mit Recht Genius Felsmaffen von Gedanken schleudern, aus denengenannt wird, irgend etwas treffliches entstehen. die künftigen Zeitalter sich Wohnungen erbauen.
Aber dieser Antrieb für sich allein regt nur die Der ausländische Genius wird seyn ein liebli-
Einbildungskraft an, und entwirft in ihr über cher Sylphe, der mit leichtem Fluge über den
dem Boden schwebende, niemals vollkommen 35 seinem Boden von selbst entkeimten Blumenbestimmte Gestalten. Daß diese bis auf den hinschwebt, und sich niederläßt auf dieselben,Boden des wirklichen Lebens herab vollendet, ohne sie zu beugen, und ihren erquickenden
und bis zur Haltbarkeit in diesem bestimmt Thau in sich zieht; oder eine Biene, die aus
werden, dazu bedarf es des fleißigen, besonnenen denselben Blumen mit geschäftiger Kunst den
und nach einer festen Regel einhergehenden 40 Honig sammelt, und ihn in regelmäßig gebau-Denkens. Genialität liefert dem Fleiße den ten Zellen zierlich geordnet niederlegt; der deut-
Stoff zur Bearbeitung, und der letzte würde sche Geist ein Adler, der mit Gewalt seinen ge-
ohne die erste entweder nur das schon bearbei- wichtigen Leib emporreißt, und 'mit starkem,rete, oder nichts, zu bearbeiten haben. Der und vielgeübtcm Flügel viel Lust unter sich bringt,
Fleiß aber führet diesen Stoff, der ohne ihn 45 um sich näher zu heben der Sonne, deren All-ein leeres Spiel bleiben würde, ins Leben ein; schauung ihn entzückt.
und so vermögen beide nur in ihrer Verein!- Um alles bisher Gesagte in Einen Haupt-
gung etwas, getrennt aber sind sie nichtig. gesichtspunkt zusammenzufassen. In BeziehungNun kann überdieß im Volke einer todten auf die Bildungsgeschichte überhaupt eines Men-Sprache gar keine wahrhaft erschaffende Genia- 50 schengeschlechts, das historisch in ein Alterthumlität zum Ausbruche kommen, weil es ihnen am und in eine yeue Welt zerfallen ist, werden zurursprünglichen Bezeichnungsvermögen fehlt, son- ursprünglichen Fortbildung dieser neuen Weltdern sie können nur schon angehobenes fortbil- > im großen und ganzen die beiden beschriebenenden, und in die ganze schon vorhandene und Hauptstämme sich also verhallen. Der auslän-»ollendete Bezeichnung verflößen. 55 disch gewordene Theil der frischen Ration hat
Was insbesonderedie größere Mühe anbelangt, durch seine Annahme der Sprache des Alter-fv ist natürlich, daß diese auf das Volk der le- thums eine weit größere Verwandtschaft zu die-dendigen Sprache falle. Eine lebendige Sprache sem erhalten. Es wird diesem Theile anfangskann in Vergleichung mit einer andern auf weit leichter werden, die Sprache desselben auchkiner hohen Stufe der Bildung stehen, aber sie 60 in ihrer ersten und unveränderten Gestalt zukann niemals in sich selber diejenige Vollendung erfassen, in die Denkmale ihrer Bildung einzu-und Ausbildung erhalten, die eine todte Sprache dringen, und in dieselben ohngefähr so viel8»r leichtlich erhält. In der letzten ist der Um- frisches Leben zu bringen, daß sie sich an daslang der Wörter geschloffen, die möglichen schick- entstandene neue Leben anfügen können. Kurz,"chen Zusammenstellungen derselben werden all- 65 es wird von ihnen das Studium des klassischenshähiich guch erschöpft, und so muß der, der Alterthums über das neuere Europa ausgcgan-dlese Sprache reden will, sie eben reden, so wie gen seyn- Von den ungelöst gebliebenen Auf-ist; nachdem er dieses aber einmal gelernt gaben desselben begeistert, wird es dieselben fort-8dt, redet die Sprache in seinem Munde sich bearbeiten, aber freilich nur also, wie man