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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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463-464
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Johann Göttlich Fichte.

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eine, keinesweges durch ein Bedürfniß des Le-bens, sondern durch bloße Wißbegier gegebeneAufgabe bearbeiret, leichl sie nehmend, nichtmir ganzem Gemüthe, sondern nur mit derEinbildungskraft sie erfassend, und lediglich indieser zu einem luftigen Leibe sie gestaltend.

Bei dem Reichthume des Stoffs, den das Al-terthum hinterlassen, bei der Leichtigkeit, mitder in dieser Weise sich arbeiten läßt, werdensie eine Fülle solcher Bilder in den Gesichtskreisder neuen Welt einführen. Diese schon in dieneue Form gestalteten Bilder der allen Welt,angekommen bei demjenigen Theile des Urstamms,der durch beibehaltene Sprache im Flusse ur-sprünglicher Bildung blieb, werden auch dessenAufmerksamkeit und Selbstthätigkeit reizen, sie,welche vielleicht, wenn sie in der alten Formgeblieben wären, unbeachtet, und unvernommenvor ihm vorübergegangen wären. Aber er wird,so gewiß er sie nur wirklich erfaßt, und nichtetwa nur sie weiter gibt von Hand in Hand,dieselben erfassen gemäß seiner Natur, nichtim bloßen Wissen eines fremden, sondern alsBestandtheil eines Lebens; und so sie aus demLeben der neuen Welt nicht nur ableiten, son- 25dern sie auch in dasselbe wiederum einführen,verkörpernd die vorher bloß luftigen Gestaltenzu gediegenen, und im wirklichen Lebens-Ete-mente haltbaren Leibern.

In dieser Verwandlung, die das Ausland 30selbst ihm zu geben niemals vermocht hätte, er-hält nun dieses es von ihnen zurück, und ver-mittelst dieses Durchganges allein wird eineFortbildung des Menschengeschlechts auf derBahn des Altcrthu'ins, eine Vereinigung der 35beiden Haupthälften, und ein regelmäßiger Fort-fluß der menschlichen Entwicklung möglich. Indieser neuen Ordnung der Dinge wird dasMutterland nicht eigentlich erfinden, sondern imkleinsten wie im größten, wird es immer be- 40kennen müssen, daß es durch irgend einen Winkdes Auslandes angeregt worden, welches Aus-land selbst wieder angeregt wurde durch dieAlten; aber das Mutterland wird ernsthaft neh-men und ins Leben einführen, was dort riur 45obenhin, und flüchtig entworfen wurde. Antreffenden und tiefgreifenden Beispielen diesesVerhältniß darzulegen, ist, wie schon obengesagt, hier nicht der Ort, und wir behalteneS- uns vor auf die künftige Rede. 50

Beide Theile der gemeinsamen Nation blie-ben auf diese Weise Eins, und nur in dieserTrennung und Einheit zugleich sind sie einPfropf-Reis auf dem Stamme der alterthüm-lichen Bildung, welche letztere außerdem durch 55die neue Zeit abgebrochen seyn, und die Mensch-heit ihren Weg von vorn wieder angefangenhaben würde. 2n diesen ihren, beim Ausgangs-punkte verschiedenen, am Ziele, zusammenlau-

Bestimmungen müssen nun beide Theile, 60, stch selbst, und den andern, erkennen, unddenselben gemäß einander benutzen; besondersaber jeder den andern zu erhallen, und in sei-ner Eigenthümlichkeit unverfälscht zu lassen, sichbequemen: wenn es mit allseitiger und vollstän- 65diger Bildung des Ganzen einen guten Fort-gang haben soll. Was diese Erkenntniß anbe-langt , so durfte dieselbe wohl vom Mutter-lande, als welchem zunächst der Sinn für die

Tiefe verliehen ist, ausgehen müssen. Wennaber in seiner Blindheit für solche Verhältnisse,und fortgerissen von oberflächlichem Scheine,das Ausland jemals darauf ausgehen sollte,5 sein Mutterland der Selbstständigkeit zu be-rauben, und es dadurch zu vernichten und auf-zunehmen in sich, so würde dasselbe, wenn ilMdieser Vorsatz gelänge, dadurch für sich selbstdie letzte Ader zerschneiden, durch die es bisher10 noch zusammenhing mit der Natur und demLeben, und es würde gänzlich anheim falle»dem geistigen Tode, der ohne dies im Fortqangeder Zeiten immer sichtbarer als sein Wesen sichoffenbart hat; sodann wäre der bisher noch ste-15 tig fortgegangene Fluß der Bildung unsersGeschlechte in der That beschlossen, und dieBarbarei müßte wieder beginnen, und ohneRettung fortschreiten, so lange, bis wir insge-sammt wieder in Höhlen lebten, wie die wilden20 Thiere und gleich ihnen uns unter einanderaufzehrten. Daß dieß wirklich also sey, undnothwendig also erfolgen müsse, kann freilichnur der Deutsche einsehen. und er allein solles auch: Dem Ausländer, der, da er keinefremde Bildung kennt, unbegrenztes Feld hatsich in der seinige» zu bewundern, muß es,und mag es immer erscheinen als eine abge-schmackte Lästerung der schlecht unterrichtetenUnwissenheit.

Das Ausland ist die Erde, aus welcherfruchtbare Dünste sich absondern, und sich em-porheben zu den Wolken, und durch welcheauch noch die in den Tartarus verwiesenen al-ten Götter zusammenhängen mit dem Umkreisedes Lebens. Das Mutterland ist der jene um-gebende ewige Himmel, an welchem die leichtenDünste sich verdichten zu Wolken, die, durchdes Donnerers aus anderer Welt stammendenBlitzstrahl geschwängert, herabfallen als befruch-tender Regen, der Himmel und Erde vereinige,und die im ersten einheimischen Gaben auch demSchooße der lctztern entkeimen läßt. Wollenneue Titanen abermals den Himmel erstürmen-Er wird für sie nicht Himmel seyn, denn Msind Erdgeborne; es wird ihnen bloß der An-blick und die Einwirkung des Himmels entrückwerden, und nur ihre Erde als eine kalte,stere und unfruchtbare Behausung ihnen zurln 'bleiben. Aber was vermöchte, sagt ein röM'scher Dichter, was vermöchte ein Typhöus, ot>eder gewaltige Mimas, oder Porphyrion in dc 'hender Stellung, oder RhötuS. oder der küsstSchleuderet: ausgeriffener Baumstämme,ladus, wenn sie sich stürzen gegen Pallas tönt'den Schild. Dieser selbige Schild ist es,ohne Zweifel auch uns decken wird, wen» wes verstehen, uns unter seinen Schutz -ugeben.

Dritte (sechste) Rede-

Darlegung der deutschen .Gnmdzügc >» dc>Geschichte.

Welche Haupt-Unterschiede sein würden 0 ^;en einem Volke, das in seiner ursprüng>prache sich fortgebildet, und einem sotsds eine fremde Sprache angenommen, >