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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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Johann Göttlich Fichtc.

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der vorigen Rede auseinander gesetzt. Wirsagten bei dieser Gelegenheit: was das Aus-land betreffe, so wollten wir dem eignen Ur-theile jedweden Beobachters die Entscheidungüberlassen, ob in demselben diejenigen Erschei-nungen wirklich eintreten, die, zufolge unsrerBehauptungen darin eintreten müßten; wasaber die Deutschen betrifft, machten wir unsanheischig darzulegen, daß diese sich wirklichalso geäußert, wie unsern Behauptungen zu-folge das Volk einer Ursprache sich äußern müsse.Wir gehen heule an die Erfüllung unsers Ver-sprechens, und zwar legen wir das zu erwei-sende zunächst dao an der letzten großen, undin gewissem Sinne, vollendeten Welt-That desdeutschen Volkes, an der kirchlichen Reformation.

Das aus Asien stammende, und durch seineVerderbung erst recht asiatisch gewordene, nurstumme Ergebung und blinden Glauben pre-digende Christenthum war schon für die Römeretwas fremdartiges, und ausländisches; es wurdeniemals von ihnen wahrhaft durchdrungen, undangeeignet, und theilte ihr Wesen in zwei nichtan einander paffende Hälften; wobei jedoch dieAnfügüng des fremden Theils durch den gnge-stammten schwermüthigen Aberglauben vermit-telt wurde. An den eingewanderten Germa-niern erhielt diese Religion Zöglinge, in denenkeine frühere Berstandcsbildung ihr hinderlichwar, aber auch kein angestammter Aberglaubesie begünstigte, und so wurde sie denn an die-selben gebracht, als ein zum Römer, das sienun einmal seyn wollten, eben auch gehörigesStück, ohne sonderlichen Einfluß auf ihr Leben.Daß diese christlichen Erzieher von der Alrrö-mischen Bildung,'und dem Sprachverständnisse,als dem Behälter derselben, nicht mehr an dieseNeubekehrlen kommen ließen, als mir ihren Ab-sichten sich vertrug, versteht sich von selbst;und auch hierin liegt ein Grund des Verfallsund der Ertödtung der Römischen Sprache inihrem Munde. Als späterhin die achten undunverfälschten Denkmale der alten Bildung indie Hände dieser Völker fielen, und dadurch derTrieb, selbstthätig zu denken und zu begreifen,in ihnen angeregt wurde, so mußte, da ihnentheils dieser Trieb neu und frisch war, theilskein angestammtes Erschrecken vor den Götternihm das Gegengewicht hielt, der Widersprucheines blinden Glaubens, und der sonderbarenDinge, welche im Verlaufe der Zeilen zu Ge-genständen desselben geworden waren, dieselbe»weit härter treffen, denn sogar die Römer, alsan diese zuerst das Christenthum kam. Ein-leuchten des vollkommnen Widerspruchs ausdemjenigen, woran man bisher treuherzig ge-glaubt hat, erregt Lachen; die, welche das Räth-sel gelöst halten, lachten, und spotteten, unddie Priester selbst, die es ebenfalls gelöst hatten,lachten mit, gesichert dadurch, daß nur sehrwenigen der Zugang zur alrerlhümlichen Bil-dung, als dem Lösungsmittel des Zaubers, of-fen stehe. Ich deute hiemit vorzüglich auf Ita-lien, als den damaligen Hauplsitz der Neurö-wischen Bildung, hinter welchem die übrigenNeurömischen Stämme in jeder Rücksicht nochsehr weit zurück waren-

Sie lachten des Truges, denn es war keinErnst in ihnen, den er erbittert hätte; sie wur-Knrz, xrvs, Lil. II.

den durch diesen ausschließenden Besitz einer un-gemeinen Erkenntniß um so sicherer ein vor-nehmer upd gebildeter Stand, und mochten eswohl leiden, daß der große Haufe, für den siekein Gemüth hatten, dem Truge ferner Preisgegeben, und so auch für ihre Zwecke folgsa-mer erhalten bliebe. Also nun, daß das Volkbetrogen werde, der Vornehmere den Betrugnütze, und sein lache, konnte es fortbestehen;und es würde wahrscheinlich, wenn i» der neuenZeit nichts vorhanden gewesen wäre, außerNeu-Römer, also forlbestanden haben bis ansEnde der Lage.

Sie sehen hier einen klaren Beleg zu dem,was früher über die Fortsetzung der allen Bil-dung durch die neue, und über den Antheil,den die Neu-Römer daran zu haben vermögen,gesagt wurde. Die neue Klarheit ging ausvon den Alten, sie siel zuerst in den Mittel-punkt der neurömischen Bildung, sie wurdedaselbst nur zu einer Verstandes - Einsicht aus-gebildet, ohne das Leben zu ergreifen, und an-ders zu gestalten.

Nicht länger aber konnte der bisherige Zu-stand der Dinge bestehen, sobald dieses Lichtin ein im wahrem Ernste und bis auf das Le-ben herab religiöses Gemüth fiel, und, wenndieses Gemüth von einem Volk umgeben war,dem es seine ernstere Ansicht der Sache leichtmittheilen konnte, und dieses Volk Häupterfand, welche auf sein entschiedenes Bedürfnißetwas gaben. So tief auch das Christenthumheradsinken mochte, so bleibt doch immer in ihmein Grundbestandtheil, in dem Wahrheit ist,und der ein Leben, das nur wirkliches undselbstftändiges.Leben ist, sicher anregt; die Frage,was sollen wir thun, damit wir selig werden.War diese Frage auf einen erstorbenen Bodengefallen, wo es entweder überhaupt an seinenOrt gestellt blieb, ob wohl so etwas, wie Se-ligkeit im Ernste möglich sey, oder, wenn auchdas erste angenommen worden wäre, dennochgar kein fester und entschiedener Wille, selbstauch selig zu werden, vorhanden war, so hatteauf diesem Boden die Religion gleich anfangsnicht eingegriffen in Leben, und Willen, sondernsie war nur als ein schwankender und blasserSchatten im Gedächtnisse, und in der Einbil-dungskraft behängen geblieben: und so mußtennatürlich auch alle fernere Aufklärungen üleerden Zustand der vorhandenen Religion-begriffegleichfalls ohne Einfluß auf das Leben bleiben.War hingegen jene Frage in einen ursprünglichlebendigen Boden gefallen, so daß im Ernstegeglaubt wurde, es gebe eine Seligkeit, undder feste Wille da war, selig zu werden, unddie von der bisherigen Religion angegebenenMittel zur Seligkeit mit innigem Glauben,und redlichem Ernste in dieser Absicht gebrauchtworden waren, so mußte, wenn in diesen Bo-den, der gerade durch sei» Ernstnchmen demLichte über die Beschaffenheit dieser Mittel sichlänger verschloß, dieses Licht zuletzt dennochfiel, ein gräßliches Entsetzen sich erzeugen vordem Betrüge um das Heil der Seele, und dietreibende Unruhe, dieses Heil auf andere Weisezu retten, und was als in ewiges Verderbenstürzend erschien, konnte nicht scherzhaft ge-nommen werden. Ferner konnte der Einzelne.

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