Johann Gottlieb Fichte.
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des Auslandes, wie es scheint, als die eben soleicht zu habende ihrer Landsleuke, darum, weilihnen das erste vornehmer dünkte — und dieseKöpfe suchten, so gut es gehen wollte, sichselber davon zu überzeugen; wo aber selbststän- 5digcr deutscher Geist sich regte, da genügte dasSinnliche nicht, sondern es entstand die Aufgabe,das, freilich nicht aus fremdes Ansehen zu glau-bende, Uebersinnliche in der Vernunft selbst aus-zusuchen, und so erst eigentliche Philosophie zu 10erschaffen, indem man, wie es seyn sollte, dasfreie Denken zur Quelle unabhängiger Wahr-heit machte. Dahin strebte Leibnitz. im Kampfemit jener ausländischen Philosophie: dieß er-reichte der eigentliche Stifter der neuen deut- 15schen Philosophie, nicht ohne das Geständniß,durch eine Aeußerung des Auslandes, die in-zwischen tiefer genommen worden, als sie ge-meint gewesen, angeregt worden zu seyn. Seit-dem ist unter uns die Aufgabe vollständig ge- 20löst, und die Philosophie vollendet worden,welches man indessen sich begnügen muß, zusage», bis ein Zeitalter kommt, das es begreift.Dies vorausgesetzt, so wäre abermals durch An-regung des durch das Neurömische Ausland hin- 25durch gegangenen Alterthums im DeutschenMutterlands die Schöpfung eines vorher durch-aus nicht dagewesene» neuen erfolgt.
Unter den Augen der Zeitgenossen hat dasAusland eine andere Aufgabe der Vernunft und 30der Philosophie an die neue Welt, die Errich-tung des vollkommnen Staats, leicht, und mit feu-riger Kühnheit ergriffen, und kurz darauf dieselbealso fallen lassen, daß es durch seinen jetzigenZustand genöthiget ist, den bloßen Gedanken der 35Aufgabe als ein Verbrechen zu verdammen, undalles anwenden müßte, um, wenn es könntejene Bestrebungen aus den Jahrbüchern seinerGeschichte auszutilgen. Der Grund dieses Er-folgs liegt am Lage: Der vernunftgemäße 40Staat läßt sich nicht durch künstliche Vorkeh-rungen aus jedem vorhandenen Stoffe aufbauen,sondern die Nation muß zu demselben erst ge-bildet und herauferzogen werden-. Nur dieje-nige Nation, welche zuvörderst die Aufgabe der 45Erziehung zum vollkommenen Menschen, durchdie wirkliche Ausübung, gelost haben wird,wird sodann auch jene des vollkommenen Staatslösen.
Auch die zuletzt genannte Aufgabe der Er- 50ziehung ist seit unserer Kirchenverbesserung vomAuslande geistvoll, aber im Sinne seiner Phi-losophie, mehrmals in Anregung gebracht wor-den, und diese Anregungen haben unter unsfürs erste Nachlretcr und Uebertreiber gefun- 55den. Bis zu welchem Punkte endlich in un-sern Lagen abermals deutsches Gemüth dieseSache gebracht, werden wir zu seiner Zeit aus-führlicher berichten.
Sie haben an dem Gesagten eine klare Ue- 60verficht der gesammten Bildungsgeschichte derneuen Welt, und des sich immer gleich bleiben-den Verhältnisses der verschiedenen Bestandtheileder letzten zur ersten. Wahre Religion, in derForm des Christenthums, war der Keim der 65neuen Welt, und ihre Gesammt-Ausgabe die,diese Religion in die vorhandene Bildung desAlterthums zu Verstößen, und die letzte dadurchzu vergeistigen und zu heiligen. Der erste
Schrill auf diesem Wege war, das die Freiheitraubende äußere Ansehen der Form dieser Re-ligion von ihr abzuscheiden, , und auch in sie dasfreie Denken des Alterthums einzuführen. Esregte an zu diesem Schritte das Ausland, derDeutsche that ihn. Der zweite, der eigentlichdie Fortsetzung und Vollendung des ersten ist,der, diese Religion, und mit ihr alle Weisheitin uns selber aufzufinden. Auch ihn vorberei-tete das Ausland, und vollzog der Deutsche.Der dermalen in der ewigen Zeit an der Ta-gesordnung sich befindende Fortschritt ist dievollkommene Erziehung der Nation zum Men-schen. Ohnedies wird die gewonnene Philoso-phie nie ausgedehnte Verständlichkeit, vielweni-ger noch allgemeine Anwendbarkeit im Lebenfinden; so wie hinwiederum ohne Philosophiedie Erriehungskunst niemals zu vollständigerKlarheit in sich selbst gelangen wird. Beidegreifen daher in einander, und sind, eins ohnedas andere, unvollständig und unbrauchbar.Schon allein darum, weil der Deutsche bisheralle Schrille der Bildung zur Vollendung ge-bracht, und er eigentlich dazu aufbewahrt wor-den ist in der neuen Welt, kommt ihm dasselbeauch mir der Erziehung zu; wie aber diese ein-mal in Ordnung gebracht ist, wird es sich mitden übrigen Angelegenheiten der Menschheitleicht ergeben.
In diesem Verhältnisse also hat wirklichdie Deutsche Nation zur Fortbildung des mensch-lichen Geschlechts in der neuen Zeit bisher ge-standen. Noch ist über eine schon zweimal fallengelassene Bemerkung über den naturgemäßenHergang, den diese Ration Hiebei genommen,daß nämlich in Deutschland alle Bildung vornVolke ausgegangen, mehr Licht zu verbreiten.Daß die Angelegenheit der Kirchen-Verb^sserungzuerst an das Volk gebracht worden, und alleindadurch, daß es desselben Angelegenheit gewor-den, gelungen sey, haben wir schon ersehen-Aber es ist ferner darzuthun, daß dieser einzelneFall nicht Ausnahme, sondern daß er die Regel-gewesen.
Die im Mutterlande zurückgebliebenen Deut-schen hatten alle Tugenden, die ehemals aufihrem Boden zu Hause waren, beibehalten,Treue, Biederkeit, Ehre, Einfalt; aber siehatten von Bildung zu einem höhern und gei-stigen Leben nicht mehr erhalten, als das da-malige Christenthum, und seine Lehrer, an zer-streut wohnende Menschen bringen konnten-Dies war wenig, und sie standen so gegen ih" >ausgewanderten Stammverwandten zurück, undwaren in der That zwar brav und bieder, aberdennoch halb Barbaren, Es entstanden unterihnen indessen Städte, die durch Glieder au»dem Volke errichtet wurden. In diesen ent-wickelte sich schnell jeder Zweig des gebildete"Lebens zur schönsten Blüthe. In ihnen en^standen, zwar auf Kleines berechnete, dennotyaber treffliche bürgerliche Verfassungen, "NEinrichtungen, und von ihnen aus verbreitetesich ein Bild von Ordnung und eine Liebe der-selben erst über das übrige Land. Ihr ausge-breiteter Handel half die Welt entdecken- Ä"Bund fürchteten Könige. Die Denkmäler ih"rBaukunst dauern noch, haben der Zerstör»"«von Jahrhunderten getrotzt, die Nachwelt stey