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Johann Gottlieb Fichte.
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bewundernd vor ihnen, und bekennt ihre eigeneOhnmacht.
Ich will diese Bürger der deutschen Reichs-städte des Mittelalters nicht vergleichen mitden andern ihnen gleichzeitigen Ständen, und 5nicht fragen, was indessen der Adel that, unddie Fürsten; aber in Vergleich mit den übrigenGermanischen Rationen, einige Striche Italiensabgerechnet, hinter welchen selbst jedoch in denschonen Künsten die Deutschen nicht zurückblie- 10den, in den nützlichen sie übertrafen, und ihreLehrer wurden, — diese abgerechnet waren nundiese deutschen Bürger die gebildeten, und jenedie Barbaren. Die Geschichte Deutschlands,deutscher Macht, deutscher Unternehmungen, Er- 15sindungen, Denkmale, Geistes, ist in diesem Zeit-raume lediglich die Geschichte dieser Städte, undalles übrige, als da sind Länderverpfändungen,und Wiedereinlösungen, und dergleichen, ist nichtdes Erwähnens werth. Auch ist dieser Zeit- 20Punkt der einzige in ver Deutschen Geschichte,in der diese Nation glänzend und ruhmvoll,und mit dem Range, der ihr als Stammvolkgebührt, dasteht: so wie ihre Blüthe durch dieHabsucht und Herrschsucht der Fürsten zerstört, 25und ihre Freiheit zertreten wird, sinkt das Ganzeallmählig immer tiefer herab, und geht entge-gen dem gegenwärtigen Zustande: wie aberDeutschland herabsinkc, sieht man das übrigeEuropa eben also sinken, in Rücksicht dessen, 30was das Wesen betrifft, und nicht den bloßenäußern Schein.
Der entscheidende Einfluß dieses in der Thatherrschenden Standes auf die Entwicklung derdeutschen Reichsvcrfaffung, auf die Kirchenver- 35besserung, und auf alles, was jemals die deut-sche Nation bezeichnete, und von ihr ausgingin das Ausland, ist allenthalben unverkennbar,und es läßt sich nachweisen, daß alles, was nochjetzt ehrwürdiges ist unter den Deutschen, in 40seiner Mitte entstanden ist.
Und mit welchem Geiste brachte hervor, undgenoß dieser Deutsche Stand diese Blüthe? Mitdem Geiste der Frömmigkeit, der Ehrbarkeit,der Bescheidenheit, des Gemcinsinnes. Für sich 45selbst bedurften sie wenig, für öffentliche Unter-nehmungen machten sie unermeßlichen Aufwand.Selten steht irgendwo ein einzelner Name her-vor, und zeichnet sich aus, weil alle gleichenSinnes waren, und gleicher Aufopferung für 50das Gemeinsame- Ganz unter denselben äu-ßern Bedingungen, wie in Deutschland, warenauch in Italien freie Städte entstanden. Manvergleiche die Geschichten beider; man halte diefortwährenden Unruhen, dir innern Zwiste., ja 55Kriege, den beständigen Wechsel der Verfassun-gen, und der Herrscher, in den ersten, gegena>e friedliche Ruhe, und Eintracht in den letz-Ifrn. Wie konnte kläcer sich aussprechen, daßein innerlicher Unterschied in den Gemüthern 60^er beiden Nationen gewesen seyn müsse? DieDeutsche Nation ist die einzige unter den Neu-e-uropäischen Rationen, die es an ihrem Bür-grrstande schon seit Jahrhunderten durch die^hat gezeigt hat, daß sie die republikanische 65Erfassung zu ertragen vermöge.
Unter den einzelnen, und besondern Mir-«n den Deutschen Geist wieder zu heben, würde
em sehr kräftiges sein, wenn wir eine be-
geisternde Geschichte der Deutschen aus diesemZeiträume hätten, die da National- und Volks-Buch würde, so wie Bibel, oder Gesangbuches sind, so lange, bis wir selbst wiederum et-was des Aufzeichnens werthes hervorbrächten.Nur müßte eine solche Geschichte nicht etwachronikenmäßig die Thaten und Ereignisse auf-zählen , sondern sie müßte uns, wunderbar er-greifend, und ohne unser eigenes Zuthun oderklares Bewußtsein, mitten hinein versetzen indas Leben jener Zeit, so daß wir selbst mitihnen zu gehen, zu stehen, zu beschließen, zuhandeln schienen, und dies nicht durch kindischeund tändelnde Erdichtung, wie es so viele hi-storische Romane gethan haben, sondern durchWahrheit; und aus diesem ihrem Leben müßtesie die Thaten und Ereignisse, als Belege des-selben, hervorblühen lassen. Ein solches Werkkönnte zwar nur die Frucht von ausgebreitetenKenntnissen seyn, und von Forschungen, dievielleicht noch niemals angestellt sind, aber dieAusstellung dieser Kenntnisse und Forschungenmüßte uns der Verfasser ersparen, und nurlediglich die gereifte Frucht uns vorlegen inder gegenwärtigen Sprache auf eine jedwedemDeutschen ohne Ausnahme verständliche Weise.Außer jenen historischen Kenntnissen würde einsolches Werk auch noch ein hohes Maß philo-sophischen Geistes erfordern, der eben so wenigsich zur Schau ausstellte; und vor allem eintreues und liebendes Gemüth.
Jene Zeit war der jugendliche Traum derNation in beschränkten Kreisen von künftigenThaten, Kämpfen, und Siegen: und die Weis-sagung, was sie einst bei vollendeter Kraft seynwürde. Verführerische Gesellschaft und die Lo-ckung der Eitelkeit hat die heranwachsende fort-gerissen in Kreise die nicht die ihrige» sind, undindem sie auch da glänzen wollte, steht sie damit Schmach bedeckt, und ringend sogar umihre Fortdauer. Aber ist sie denn wirklich ver-altet, und entkräftet? Hat ihr nicht auch seit-dem immerfort, und bis auf diesen- Lag, dieQuelle des ursprünglichen Lebens fortgequollen,wie keiner andern Nation? Können jene Weis-sagungen ihres jugendlichen Lebens, die durchdie Beschaffenheit der üvrigen Völker, und durchden Bildungsplan der ganzen Menschheit bestä-tigt werden, — können sie unerfüllt bleiben?Nimmermehr. Bringe man diese Nation nurzuförderst zurück von der falschen Richtung, diesie ergriffen, zeige man ihr in dem Spiegeljener ihrer Jugendträume, ihren wahren Hang,und ihre wahre Bestimmung, bis unter diesenBetrachtungen sich ihr die Kraft entfalte, dieseihre Bestimmung mächtig zu ergreifen. Möchtediese Aufforderung etwas dazu beitragen, daßrecht bald ein dazu ausgerüsteter deutscher Manndiese vorläufige Ausgabe löse!
Vierte (Siebente) Reve.
Noch tiefere Erfassung der Ursprünglichkeit, undDeutschhcif eines Bvlks.
Es sind in den vorigen Reden angegeben,und in der Geschichte nachgewiesen die Grund-züge der Deutschen, als eines Urvolks, und als