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Johann Gottlieb Fichte.
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in eurem Werke von einer in eurer Berechnung,und Anordnung gar nicht eingetretenen unddurch euren Mechanismus gar nicht gebundenenKraft ausgehe, die ohne Zweifel, ohne euer Zu-thun, nach ihren eignen euch unbekannten Ge- 5setzen, wirkt, wie sie kann. In jedem der bei-den Fälle müßt ihr euch als Stümper, undohnmächtige Prahler bekennen. '
Dies hat man denn auch gefühlt, und indiesem Lehrgebäude, das, auf seinen Zwang rech- 10nend, um die übrigen Bürger unbesorgt seynkann, wenigstens den Fürsten, von welchem alle,gesellschaftliche Bewegung ausgeht, durch aller-lei gute Lcbrc unter Unterweisung erziehenwollen. Aber, wie will man sich denn versichern, 15daß man auf eine der Erziehung zum Fürstenüberhaupt fähige Natur treffen werde; oder,falls man auch dieses Glück hätte, daß dieser,den kein Mensch nöthigen kann, gefällig, undgeneigt sepn werde, Zucht annehmen zu wollen? 20Eine solche Ansicht der Staatskunst ist nun,ob sie auf ausländischem oder deutschem Bodenangetroffen werde, immer Ausländerei. Es istjedoch hiebe! zur Ehre deutschen Geblüts, undGemüths anzumerken, daß, so gute Künstler 25wir auch in der bloßen Lehre dieser Zwangs-berechnungcn seyn mochten, wir dennoch, wennes zur Ausübung kam, durch das dunkle Ge-fühl , es müsse nicht also seyn, gar sehr gehemmtwurden, und in diesem Stücke gegen das Aus- 30land zurückblicken. Sollten wir also auch ge-nöthigt werden, die uns zugedachte Wohlthatfremder Formen, und Gesetze anzunehmen, sowollen wir uns dabei wenigstens nicht über dieGebühr schämen, als ob unser Witz unfähig ge- 35wesen wäre, diese Höhen der Gesetzgebung auchzu erschwingen. Da, wenn wir bloß die Federin der Hand haben, wir auch hierin keiner Na-tion nachstehen, so möchten für das Leben wirwohl gefühlt haben, daß auch dieß noch nicht 4vdas Rechte sey, und so lieber das Alke habenstehen lassen wollen, bis das Vollkommne anuns käme, anstatt bloß die alte Mode mit einerneuen eben so hinfälligen Mode zu vertauschen.
Anders die ächt deutsche Staatskunst. Auch 45sie will Festigkeit, Sicherheit, und Unabhängig-keit von der blinden und schwankenden Natur,und ist hierin mit dem Auslande ganz einver-standen. Nur will sie nicht, wie diese, ein festesund gewisses Ding, als das erste, durch wel- 50ches der Geist, als das zweite Glied, erst ge-wiß gemacht werde, sondern sie will gleich vonvorn herein, und als das allererste und einigeGlied, einen festen und gewissen Geist. Dieserist für sie die aus sich selbst lebende, und ewig 55bewegliche Triebfeder, die das Leben der Gesell-schaft ordnen und fortbewegen wird. Sie be- ,greift, daß sie diesen Geist nicht durch Stras-reden an die schon verwahrloste Erwachsen-heit, sondern nur durch Erziehung des noch 60unverdorbenen JugendalterS hervorbringen kön-ne; und zwar will sie mir dieser Erziehungsichnicht, wie das Ausland, an die schroffe Spitze,den Fürsten, sondern sie will sich mir derselbenan die breiie Fläche, an die Nation wenden, 65indem ja ohne Zweifel auch der Fürst zu diesergehören wird. So wie der Staat an den Per-sonen seiner erwachsenen Bürger die fortgesetzteErziehung des Menschengeschlechts ist, so müsse,
meint diese Staatskunst, der künftige Bürgerselbst erst zur Empfänglichkeit jener höherenErziehung herauferzogen werden. Hierdurchwird nun diese deutsche und allerneueste Sraats-kunst wiederum die allerältcste; denn auch diesebei den Griechen gründete das Bürgcrthum ausdie Erziehung, und bildete Bürger, wie diefolgenden Zeitalter sie nicht wieder gesehen ha-ben. In der Form dasselbe, in dem Gehaltemit nicht engherzigem, und ausschließendem,sondern allgemeinem und weltbürgerlichem Geiste,wird hinführe, der Deutsche tdun. '
Derselbe Geist des Auslandes herrscht beider großen Mehrzahl der unsriaen auch in ihrerAnsicht des gesummten Lebens eines Menschen-geschlechts , und der Geschichte, als dem Bildejenes Lebens. Eine Nation, die eine geschlos-sene und erstorbenc Grundlage ihrer Sprachehat, kann es, wie wir zu einer andern Zeit ge-zeigt haben, in allen Redekünsten nur bis züeiner gewissen von jener Grundlage verstattetenStufe der Ausbildung bringen, und sie wirdein goldenes Zeitalter erleben. Ohne die größteBescheidenheit und Selbstverleugnung kann einesolche Nation von dem ganzen Geschlechte nichtfüglich höher denken, denn sie selbst sich kennt:sie muß daher voraussetzen, daß es auch sätdieses ein letztes, höchstes, und niemals zu über-treffendes Ziel der Ausbildung geben werbt.So wie das Thiergeschlecht der Biber, oder Bie-nen noch jetzo also baut, wie es vor Jahrtau-senden gebaut hat, und in diesem langen Zeit-räume in der Kunst keine Fortschritte gemachthat, eben so wird es nach diesen sich mir demThiergeschlechte, Mensch genannt, in allen Zwei-gen seiner Ausbildung verhallen. Diese Zweige-Lriebe und Fähigkeiten werden sich erschöpfendübersehen, ja vielleicht an ein paar Gliedmaßensogar dem Auge darlegen lassen, und die höchst"Entwicklung einer jeden wird angegeben werdenkönnen. Vielleicht wird das Menschengeschlechtdarin noch weit übler daran sein, als das Bj-der- oder Bienengeschlecht, daß das letztere,es zwar nichts zulernt, dennoch auch in seineKunst nicht zurückkommt, der Mensch' aber,wenn er auch einmal den Gipfel erreichte, >M "derum zurückgeschlcudert wird, und nun JaM-hunderte oder Lausende sich anstrengen m»g-um wiederum in den Punkt hinein zu gerathen-in welchem man ihn lieber gleich hätte lanjsollen. Dergleichen Scheitelpunkte seinerdüng und goldene Zeitalter wird, diese»Folge, das Menschengeschlecht ohne Zweifel »»schon erreicht haben; diese in der Gefaßt»aufzusuchen, und nach ihnen alle Bestrebung^der Menschheit zu beurtheilen, und auf sie sie «rückzusühren, wird ibr eifrigstes BestrebenNach ihnen ist die Geschichte längst stetig, ^ist schon mehrmals fertig gewesen; nach mgeschieht nichts neues unter der Sonnesie haben unter und über der Sonne dendes ewigen Fortlebcns ausgetilgt, und 'annur den immer wiederkehrenden Tod sich 'verholen und mehrere male setzen. . her
Es ist bekannt-, daß diese Philosoph" „Geschichte vom Auslande aus an uns gern'ist, wiewohl sie dermalen auch in diest". ^n-hallet, und fast ausschließend deutsches j-n,khum geworden ist. Aus dieser tiefern