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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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Johann Gottlieb Fichte.

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gar kein Ziel sich gesetzt hat, sondern alles,und das höchste, was man hienieden verlierenkann, das Leben, daran setzt, giebt den Wi-derstand nie auf, und siegt, so der Gegner einbegrenzteres Ziel hat, ohne Zweifel. Ein Volk,das da fähig ist, sey es auch nur in seinenhöchsten Stellvertretern, und Anführern, dasGesicht aus der Geisterwelt, Selbstständigkeit,fest ins Auge zu fassen, und von der Liebedafür ergriffen zu werden, wie unsre ältestenVorfahren, siegt gewiß über ein «solches, dasnur zum Werkzeuge fremder Herrschsucht, undzu Unterjochung selbstständigcr Völker gebrauchtwird, wie die Römischen Heere; denn die erster,,haben alles zu verlieren, die letzter» bloß einigeszu gewinnen. Ueber die Denkart aber, die denKrieg als ein Glücksspiel ansieht, um zeitlichenGewinn oder Verlust, und bei der schon, ehesie das Spiel anfängt, feststeht, bis zu welcherSumme sie auf die Karten setzen wolle, siegtsogar eine Grille. Denken Sie Sich z. B. einenMahomet, — nicht den wirklichen der Geschichte,über welchen ich kein Urtheil zu haben bekenne,sondern den eines bekannten französischen Dich-ters, — der sich einmal fest in den Kopf gesetzthabe, er sey eine der ungcmeinen Naturen, dieda berufen sind, das dunkle, das gemeine Er-denvolk zu leiten, und dem, zufolge dieser erstenVoraussetzung, alle seine Einfälle, so dürftigund so beschränkt sie auch in der Thal seynmögen, dieweil es die seinigen sind, nothwen-dig erscheinen müssen, als große und erhabeneund beseligende Ideen, und alles, was den-selben sich widersetzt, als dunkles gemeines Volk,Feinde ihres eignen Wohls, übelgesinnte undhaffenswürdige; der nun, um diesen seinen Ei-gendünkel vor sich selbst als göttlichen Ruf zurechtfertigen, und ganz aufgegangen in diesemGedanken mit all seinem Leben, alles daransetzen muß, und nicht ruhen kann, bis er alles,das nicht eben so groß von ihm denken will,denn er selbst, zertreten hat, und bis aus derganzen Mitwelt sein eigner Glaube an seinegöttliche Sendung ihm zurückstrale; ich willnicht sagen, wie es ihm ergehen würde, fallswirklich ein geistiges Gesicht, das da wahr istund klar in sich selbst, gegen ihn in die Kampf-bahn trete, aber jenen beschränkten Glücksspie-lern gewinnt er es sicher ab, denn er setzt alles,gegen sie, die nicht alles setzen; sie treibt keinGeist, ihn aber treibt allerdings ein schwärme-rischer Geist, — der seines gewaltigen und kräf-tigen Eigendünkels.

Aus allem geht hervor, daß der Staat, alsbloßes Regiment des im gewöhnlichen friedli-chen Gange fortschreitenden menschlichen Lebens,nichts erstes, und für sich selbst seyendes, son-dern daß er bloß das Mittel ist für den höhernZweck der ewig gleichmäßig fortgehenden Aus-bildung des rein menschlichen in dieser Nation;baß es allein das Gesicht, und die Liebe dieserrwigeu Fortbildung ist, welche immerfort auch>n ruhigen Zeitläuften die höhere Aufsicht über'die Staatsverwaltung führen soll, und welche,wo die Selbstständigkeit des Volks in Gefahr

allein dieselbe zu retten vermag. Bei denDeutschen, unter denen, als einem ursprüng-lichen Volke, diese Vaterlandsliebe möglich, uud,v>e wir fest zu wissen glauben, bis jetzt auch wirk-

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lich war, konnte dieselbe bis jetzt mit einer hohenZuversicht auf die Sicherheit ihrer wichtigsten Ange-legenheit rechnen. Wie nur noch bei den Griechenin der alten Zeit, war bei ihnen der Staat unddie Nation sogar von einander gesondert, undjedes für sich dargestellt, der erste in den be-sondern deutschen Reichen und Fürstenthümern,die letzte sichtbar im Reichsverbande, unsichtbar,nicht zufolge eines niedergeschriebenen aber einesin aller Gemüther lebenden Rechtes geltend, undin ihren Folgen allenthalben in das Auge sprin-gend, in einer Menge von Gewohnheiten, undEinrichtungen. So weit die deutsche Zungereichte, konnte jeder, dem im Bezirke derselbendas Licht anbrach, sich doppelt betrachten alsBürger, theils seines Geburtsstaates, dessenFürsorge er zunächst empfohlen war, theils desganzen gemeinsamen Vaterlandes Deutscher Ra-tion. Jedem war es verstattet, über die ganzeOberfläche dieses Vaterlandes hin sich diejenigeBildung, die am meisten Verwandtschaft zuseinem Geiste hatte, oder den demselben ange-messensten Wirkungskreis aufzusuchen, und dasTalent wuchs nicht hinein in seine Stelle, wieein Baum, sondern es war ihm erlaubt, die-selbe zu suchen. Wer durch die Richtung, dieseine Bildung nahm, mit seiner nächsten Um-gebung entzweit wurde, fand leicht anderwärtswillige Aufnahme, fand neue Freunde statt derVerlornen, fand Zeit und Ruhe, um sich näherzu erklären, vielleicht die erzürnten selbst zugewinnen und zu versöhnen, und so das Ganzezu einigen. Kein deutschgeborner Fürst hat esje über sich vermocht, seinen Unterthanen dasVaterland innerhalb der Berge, oder Flüsse, woer regierte, abzustecken, und dieselben zu be-trachten, als gebunden an die Erdscholle. EineWahrheit, die an einem Orte nicht laut werdendurfte, durfte es an einem andern, an welchemvielleicht im Gegentheile diejenigen verboten wa-ren, die dort erlaubt wurden; und so fand denn,bei manchen Einseitigkeiten und Engherzigkeitender besondern Staaten, dennoch in Deutschland,dieses als ein Ganzes genommen, die höchsteFreiheir der Erforschung und der Mittheilungstatt, die jemals ein Volk besessen; und diehöhere Bildung war und blieb allenthalben derErfolg aus der Wechselwirkung der Bürger allerdeutschen Staaten, und diese höhere Bildungkam denn in dieser Gestalt auch allmählig-herabzum größer,, Volke, das somit immer fortfuhrsich selber durch sich selbst im Großen, undGanzen zu erziehen. Dieses wesentliche Unter-pfand der Fortdauer einer deutschen Nation,schmälerte, wie gesagt, kein am Ruder der Re-gierung sitzendes deutsches Gemüth; und wennauch in Absicht andrer ursprünglichen Entschei-dungen nicht immer geschehen seyn sollte, wasdie höhere deutsche Vaterlandsliebe wünschenmußte, so ist wenigstens der Angelegenheit des-selben nicht geradezu entgegen gehandelt worden,man hat nicht gesucht, jene Liebe zu unter-graben, sie auszurotten, und eine entgegenge-setzte Liebe an ihre Stelle zu bringen.

Wenn nun aber etwa die ursprüngliche Lei-tung sowohl jener höhern Bildung, als derNationalmacht, die allein für jene und ihreFortdauer als Zweck gebraucht werden darf,die Verwendung deutschen Gutes, und deutschen32

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