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Franz Volkmar Reinhard.
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Stirne des Bettlers, des zertretnen Sklaven,des Mönchs, und aller derer, die ihr Herzdurch unnatürliche Bande gefesselt haben, undihren Sinn durch Kunst hinaufschrauben, umder Klaue der Verzweiflung zu entwischen. DieKräfte meines Herzens wollen Raum, und derverantworte für ihr Wirken, der mir sie ge-geben hat.
„Du wirst mich wieder sehen," seufzte derGenius, und verschwand.
Faust rief: „Necken mich die Mährchen derAmme noch am Rande der Hölle? Sie sollenmich nicht abhalten, das Dunkel zu durchbre-chen. Ich will wissen, was der düstre Vorhangverbirgt, den eine tyrannische Hand vor unsreAugen gezogen hat. Hab' ich mich so gebildet,daß das Loos der Beschränktheit meine Kraftempört? Hab' ich die Flamme der Leidenschaftin meinem Busen angeblasen? Hab' ich denTrieb, immer zu wachsen, und nie stille zustehen, in mein Herz gelegt? Hab' ich meinenGeist so gestimmt, daß er sich nicht unterwer-fen, und die Verachtung nicht ertragen kann?Wie ich, der Topf, von fremder Hand gebildet,
soll darum einst gewaltsam zerschlagen werden,weil er dem niedrigen Gebrauche nicht entspricht,zu dem er ihn geformt zu haben scheint? Undimmer nur Gefäß, immer nur Werkzeug, im-5 mer Unterwerfung? wozu denn dieß widerspre-chende lautschreyende Gefühl von Freyheit undeigner Kraft dem Sklaven? Ewigkeit! Dauer!Schallt ein Sinn heraus? Was der Menschfühlt, genießt und faßt, nur das ist sein; alles10 übrige ist Erscheinung, die er nicht erklärenkann. Der Stier nutzt die Kraft seiner Hörnerund trotzt auf sie, der Hirsch seine Leichtigkeit,dem Jäger zu entfliehen; ist das, was denMenschen von ihnen unterscheidet, weniger sein?15 Ich hab' es lange genug mit den Menschen,und allem dem, was sie ersonnen, versucht;sie haben mich in Staub getreten. Schattenhabe ich für Wahrheit ergriffen, laß mich's nunmit dem Teufel versuchen!"
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Hier sprang er wild begeistert in den Kreishinein, und Klageröne seines Weibes, seinerKinder, seines Vaters erschollen m der Ferne:„Ach verloren! ewig verloren!"
Franz Volkmar Reinhard.
Der hohe sittliche Werth l
Die Gnade unsers Herrn, Jesu Christi, seymit Euch Allen; Amen.
Ich rechne es unter die bedenklichsten Zeichen'der Zeit, M. Z., daß man die Nothwendigkeitund den Werth der christlichen Arbeitsamkeit sohäufig verkennt, oder wohl gar läugnet. Esist kein ungegründetcr Lorwurf, den ich un-serm Zeitalter hiemit mache. Daß unsre Jugendalle Anstrengung scheut, und sich am liebstendem Müssiggang überläßt, ist freilich nichtsNeues; es liegt in der Natur des jugendlichenAlters, daß es die Nothwendigkeit, arbeiten zumüssen, für ein grosses Uebel hält. Aber daßman es zum Grundsatz gemacht hat, die Jugendso wenig als möglich zur Arbeit anzuhalten,ihr alles gleichsam rändelnd beyzubringen, unddos freye Spiel ihrer Kräfte auf keine Weisezu beschränken, das ist doch unlaugbar eine Er-findung unsers Zeitalters, eine Erfindung, durchwelche die Tugend der Arbeitsamkeit schon imKeime zerstört wird. Und wohin ist im ganzenUmfange des häuslichen und bürgerlichen Lebens°in Verhältniß, in welchem diese Tugend nichtWeit häufiger vermißt würde, wie sonst? Werzählt die Familien, denen es bald an einemthätigen Erwerber und Versorger, bald an eineröeschäftigen, Häuslichkeit und Ordnung lieben-den Mutter, bald an wohlerzognen, zu »utz-"chen Arbeiten gewöhnten Kindern, bald anwilligem, seine Schuldigkeit mit Eifer und Treuedeobachtendem Gesinde fehlt; wo alles besser
ier Arbeitsamkeit. Predigt.
stehen, alles glücklicher seyn müßte, wenn Jeder40 mit.emsiger Anstrengung das Seinige thäte?Und ist es in der grösser» Haushaltung ganzerLänder und Reiche anders? Stockt nicht überallder Gang der Geschäfte, bleiben nicht tausendwichtige Angelegenheiten unbefördert, fehlt es45 nicht den besten Anstalten blos darum an Er-folg, müssen die heilsamsten Entwürfe nichtblos darum aufgegeben werden, weil es inallen Theilen und auf allen Stuffen der bür-gerlichen Verfassung Menschen giebt, die nichts50 thun wollen: weil man sich auf den Eifer derer,welche zu nützlichen Unternehmungen die Händebieten sollen, so gut, wie gar nicht verlassenkann: weil alle Ermunterungen und Drohungen,alle Belohnungen und Strafen nicht hinreichend55 sind, die unläugbare Menge träger, pflichtver-geßner Menschen in Bewegung zu sezen, undzu ihrer Schuldigkeit anzuhalten?
Darüber, daß ich diesen unverkennbarenMangel an Arbeitsamkeit unter die bedenklichen60 Zeichen der Zeit rechne, kann ich mich leichtrechtfertigen, M. Z. Wo es an Arbeitsamkeitfehlt, fehlt es auch an wahrem christlichen Sinne.Christen können unmöglich müssig und trägeseyn. Die Ehrfurcht gegen Gott, die Liebe zu65 Jesu, ihrem Herrn, der Eifer, ihm ähnlich zuwerden, dringt sie zur treuesten Erfüllung allerihrer Pflichten, treibt sie, Gutes zu thun undnicht müde zu werden, nöthigt sie, zu wirken,weil es Tag ist, und mit dem Pfunde, das