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Franz Volkmar Reinhard.
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ihnen anvertraut ist, neue Pfunde zu gewinnen.Wird unser Zeitalter abgeneigter, pflichtmäßigeArbeitsamkeit zu beweisen, so wird es auchgleichgültiger gegen wahre christliche Frömmig-keit; beide Dinge sind auf keine Weise trennbar. 5Und worauf deutet sie hin, diese überhandneh-mende Arbeitsscheu? Daß der Hang zur Un-gebundenheit immer stärker wird; daß man sichder Neigung zur Zerstreuung und zum sinn-lichen Vergnügen immer freyer überläßt; daß 10man sich von der rechrmässigen Bahn, zu wich-tigen Vortheilen zu gelangen, von der Bahnder Anstrengung und des Fleisses, immer weiterentfernt; daß man immer rathsamer findet, durchBetrug zu erhäschen, durch Niederträchtigkeitzu erschleichen, und durch Gewalt an sich zureissen, was man zu erwerben und zu ver-dienen keine Lust hat; daß sich mit einem Worte,die Denkungsart des Zeitalters immer mehr ver-schlimmert: das ist es, was durch den immergrösser werdenden Widerwillen gegen Anstren-gung und Arbeitsamkeit gleichsam beurkundetwird, was in Jedem, dem Sittlichkeit undMenschenwohl am Herzen liegt, die bangstenBesorgnisse erwecke» muß.
Mehr darf ich wohl nicht sagen, M. Br.,um die Betrachtung einzuleiten, zu der ich dasin unserm Evangelio aufgestellte Beyspiel dieß-mal benutzen werde. Nein, man könnte es un-möglich mit so großer Gleichgültigkeit wahr-nehmen, daß die pflichtmäßige Arbeitsamkeit sosichtbar unter uns abstimmt; man könnte die wich-tigen Vorwände, womit der Geist der Zeitendie immer herrschender werdende Unthätigkeitzu beschönigen sucht, unmöglich so gutwilliggelten lassen; man könnte unmöglich in seineneignen Angelegenheiten so fahrlässig und unthä-tig seyn, als es unzählige Menschen wirklichsind: wenn man den unschätzbaren Werth derchristlichen Arbeitsamkeit gehörig kennte und em-pfände. Ihn will ich also heute ins Licht setzen;ich will es klar zu machen suchen, daß ihr ohneArbeitsamkeit weder sicher gegen drohende Ge-fahren, noch glücklich bey dem Gebrauch eurerKräfte, noch tugendhaft nach den Vorschriftendes Evangelii, noch vorbereitet zum Ucbergangin eine beßre Welt seyn könnet. Möge der,der uns unsre Kräfte nicht umsonst verliehenhat, und den unnützen Knecht, welcher sie un-gebraucht ließ, einst mit unerbittlicher Strengerichten wird, uns fühlen lassen, wie nothwen-dig und recht, wie edel und groß es ist, daßwir mit seinem Sohne Jesu, und belebt vondem Geiste desselben sagen lernen: mein Va-ter wirket bisher, und ich wirke auch.
Zu ihm flehen wir in stiller Andacht.
Evangel. Luc. V. v. 1—11.
Reichlich belohnt, und auf eine außerordent-liche Art geehrt, sehet ihr in dem vorgelesenenEvangelio die Berufstreue und ArbeitsamkeitPetri und seiner Freunde, M. Z. Mit Be-dacht war Jesus in den Fischcrkahn des fleißigenPetri getreten, um aus demselben das am Uferdes Sees stehende Volk zu belehren; er wollteden thätigen Mann, der die ganze Nacht ge-arbeitet und nichts gefangen hatte, durch einendesto reichern Fischzug entschädigen und damitbeweisen, redliche Berufstreue führe über kurzoder lang zu wichtigen Vortheilen. Doch dieß
-war nur ein Nebenzweck Jesu; der Thätigkeit,dem Eifer für Schuldigkeit und Pflicht, welchenPetrus und seine Freunde durch ihre Arbeit-samkeit zu erkennen gegeben hatten, war etwasnoch. weit Beßres und Höheres zugedacht;fürchte dich nicht, sagte Jesus dem übereine» so reichen Fang erstaunten Pctro, fürchtedich nicht; denn von nun an wirst duMenschen sahen. Zu weit wichtigern Ge-schäften, als sie bisher getrieben hatten, zu demerhabensten Beruf, der einem Menschen aufErden zu Theil werden kann, wurden diesefleißigen Männer von nun an bestimmt; beyihnen wurde der Grundsatz in Ausübung ge-15 bracht, wer über Weniges treu sey,werde über Viel gesetzt werde»; diepflichtmässige Arbeitsamkeit ist nie mehr geehrtworden, als hier. Aber nirgends fällt es auchmehr in die Augen, wie groß und unschätzbar20 ihr Werth ist, und in welcher nahen unzer-trennlichen Verbindung sie mit unsrer ganzenBestimmung steht, als gleichfalls hier: und ichwerde den tiefen Sinn und die grosse Bedeu-tung der Geschichte, die unser Evangelium er-25 zählt, nicht besser entwickeln können, als wennich den hohen sittlichen Werth der Ar-beitsamkeit recht geflissentlich ins Licht setze.
Einer Erklärung der Arbeitsamkeit bedarf esnicht. Daß ich, wenn ich die Arbcitsam-30 keit nenne, von dem eifrigen Bestreben rede,alle die Handlungen, zu welchen Anstrengunggehört, und zu welchen wir vermöge der Um-stände, und nach der Beschaffenheit unsers Be-rufs eine Verbindlichkeit haben, so gut als35 möglich zu verrichten, wisset ihr alle. Ebenso bekannt ist es euch, daß die Arbeitsamkeitnur dann eine Tugend ist, wenn uns nicht einblinder Antrieb unsrer Natur, nicht der Lcigen-nutz und die Begierde nach irdischen Vortheilen,40 sondern der Entschluß, unsre Pflicht zu thun,dazu bestimmt; wenn sie die edle Frucht eineslebendigen Glaubens an Gott und Jesum, undeiner damit verknüpften herzlichen Gottes- undMenschenliebe ist. In der That bin ich auch45 izt gar nicht gesonnen, euch die äusserlichenVortheile bemerklich zu machen, welche die Ar-beitsamkeit hervorzubringen pflegt; nicht dadurchwill ich sie euch als wichtig vorstellen, daß ichauf den Gewinn hinzeige, den sie giebt, daß50 ich euch den Einfluß beschreibe, den sie verschafft,daß ich euch an die Ehre, an die Werthschätzungund. Liebe erinnre, die sie sich bey Andern er-wirbt. Blos ihren sittlichen Werth will icheuch anschaulich machen; welchen grossen und55 ausgebreiteten Einfluß sie auf die Bildung undBesserung eures Geistes und Herzens hat; wiewenig ihr sie entbehren könnet, wenn ihr wahreChristen seyn und eurer Bestimmung auf ErdenGenüge leisten wollet, das will ich euch izt60 zeigen. Einen hohen sittlichen Werth hat näm-lich die Arbeitsamkeit theils als Berwah-rungs Mittel; theils als Kraftübung;theils als Tugend; theils endlich als Vor-bereitung zu etwas Bessern; und65 Höher». Lasset mich dieß ausführlicher dar-lhun.
Bey der grossen Gebrechlichkeit unsrer Na-tur, und bey den vielen Versuchungen z">nBösen, denen wir ausgesezt sind, hat schon