512
511
Franz Volkmar Reinhard.
mählig deine Retterin und Befreierin werden. keiten anstrenge: zu welcher Uebung und Voll-Entschuldiget euch nicht, wer ihr auch seyn, kommenheit werdet ihr es dann durch Fleißwelche Leidenschaft ihr auch empfinden^ möget, und Arbeitsamkeit bringen; wie richtig wirdentschuldiget euch nicht mit dem Dorwand, es euer Blick, wie treffend eure Beurtheilung, wiesey euch nicht möglich, ihr Widerstand zu leisten. 5 nachdrucksvoll und sicher eure Art zu handelnEurer Trägheit, eurem schimpflichen Hinbrüten, werden; wie weit, wie unendlich weit werdeteurer feigen Nachgiebigkeit könnet ihr Gränzen ihr bey dem Gebrauch eurer Kräfte jene trägensetzen, so bald'ihr ernstlich wollet; von dem Geschöpfe, jene verächtlichen Müssiggänger über-Müssiggang, in welchen ihr versunken seyd, treffen, die eben darum, weil sie nie mit Ueber-euch loszureissen, und zu euren Geschäften zu- 10 legung gewirkt haben, überall unnütz sind,rückzukehren, das müsset ihr in eurer Gewalt überall Fehler auf Fehler häufen? Aber wiehaben; und ihr seyd gerettet, so bald ihr von viel ist für eure Besserung, für eure ganzedieser Gewalt Gebrauch machet; ihr werdet euch sittliche Bildung gewonnen, wenn ihr eureeure Freyheit um so gewisser erkämpfen, je an- Kräfte mit Ueberlegung zu äuffern wisset! nurgestrengrer und fleissiger ihr euch gemeinnützigen 15 dann werdet ihr jene Aufmerksamkeit auf GottArbeiten widmet. und eure Pflicht, nur dann werdet ihr jene
Es ist viel, was ich von dem sittlichen Behutsamkeit und Vorsicht, nur dann werdetWerthe der Arbeitsamkeit bisher gesagt habe; ihr jene Regelmässigkeit in eurem ganzen Thunaber immer nur wenig in Vergleichung mit beweisen können, die zu einer wahren Frem-dem, was ich davon sagen muß. Denn nicht 20 migkeit und Tugend erforderlich ist; der Arbeit-blos als Verwahrungsmiltel, auch als Kraft- same hat den Pfad der wahren Besserung schonÜbung ist sie von der größten Wichtigkeit für betreten, und es wird dem, dessen Beystandunsre geistige Bildung und Besserung; sie ge- und Gnade zu einer wahren Sinnesänderungwöhnt uns nämlich zu einer überleg- unentbehrlich ist, leicht werden, das gute Werkken und ordnungsmässigen Thätigkeit. 25 in ihm anzufangen und zu befördern.
Männer, die ein gemeines Geschäft betrieben, Denn auch zu einer ordnungsmässi-
gewöhnliche Fischer hatte Jesus in unserm Evan- gen Thätigkeit gewöhnt die Arbeitsamkeit;gelio vor sich. Aber sie waren arbeitsam; sie sie übt unsre Kräfte auf eine Art, die für unsre
lagen ihrem Berufe mit treuem Eifer ob; und sittliche Bildung höchst wichtig ist. Ihr könnet
diese Thätigkeit hatte ihre Kräfte geweckt, hatte 30 sehr geschäftig seyn, könnet mit der größtenihre Aufmerksamkeit und ihr Nachdenken geübt, Lebhaftigkeit wirken, und euch in einer immer-hatte ihr Gefühl für Wahrheit und Zweckmässig- währenden Bewegung und Anstrengung besin-keit geschärft, hatte ihnen mit einem Worte den: handelt ihr ohne Ordnung und Regel,einen Grad der Bildung gegeben, der sie fähig fallet ihr bald auf dieß, bald auf jenes, ist
machte, Begleiter Jesu zu werden, und zu 35 weder Plan, noch Zusammenhang in eurem
wichtigern Dingen überzugehen. Euer Beruf Thun, wie seyd ihr dann zu bedauern; in welchebestehe, worinn er wolle: ist er pflichtmässig Verwirrung werdet ihr gerathen, welche Stö-und gemeinnützig, er wird dieselbe Wirkung rungcu werdet ihr anrichten, wohin ihr euchbey euch haben; nicht blos in Bewegung wird wendet, wie unbesonnen und wild werden dieer eure Kräfte setzen, mit Ueberlegung wird er 40 Ausbrüchc eurer Kraft oft werden, wie unver-sie euch brauchen, absichtsvoll und weise wird antwortlich werdet ihr eure Anstrengungen ver-er sie euch anwenden lehre». Welches Geschäft schwenden, wie häufig werdet ihr gerade dasist so niedrig, oder so einfach, oder so cinför- vernachlässige», was Pflicht für euch war, undmig und leicht, daß sich nicht darüber denken, etwas Fremdes und Unnützes betreiben; wiedaß es sich nicht auf mancherley Art verrichten, 45 unglücklich werdet ihr euch selbst und Anderedaß es sich nicht verbessern und vollkommncr durch euer unruhiges, zweckloses Stürmen ma-
machen, daß es sich nicht mit neuen Vortheilen chen! An Ordnung und Regel müsse» unsre
und Erleichterungen ausüben liesse, daß es nicht Kräfte gewöhnt seyn, M. Br., wenn wir siewenigstens einen gewissen Grad der Aufmerk- » äusser» und brauchen wollen, wie es vernünf-samkeit forderte, und den Geist bey einer ge- 50 tigen Menschen und wahren Christen geziemt;wissen Munterkeit erhielte? Und liegt den wir müssen genau wissen, was wir wollen, undMeisten unter euch, wenn ihr das Eurige red-, nie ohne Plan und Absicht wirken. Werdetlich shun, wenn ihr alles leisten wollet, was arbeitsam, und alles wird sich von selbst finden,von euch erwartet wird, nicht mancherley ob; Der Arbeitsame weiß, was er zu thun hat;wird euch also euer Fleiß nicht auf mehr als eine 55 er folgt also nicht augenblicklichen Einfällen,Art nöthigen, auf eine zweckmäßige Verbindung sondern den gemeßnen Vorschriften seines Bc-eurer Geschäfte und auf wirksame Beförderungs- rufs; der Arbeitsame weiß, wie viel er zu thunMittel derselben zu denken; werdet ihr nicht hat; er zerstreuet sich also nicht in fremde Dinge,
aufgelegt zu neuen Versuchen werden, und fast um desto sichrer das zu leisten, was ihm ob-
täglich nützliche Erfahrungen einsammeln; wer- 60 liegt. Der Arbeitsame weiß, daß er eine ge-ben sich eure Kräfte nicht allmählig stärken und wisse Folge beobachten, daß er seine Zeit ver-immer mehr Fertigkeit und Geschicklichkeit er- , »einstig eintheilen, daß er alles genau abmessenlangen; wird es euch nicht immer geläufiger und mit einander verknüpfen muß, wenn er
werden, alles mit vernünftiger Ueberlegung zu seine Schuldigkeit thun will; er wirft sich also
thun, und auf die zweckmässigste Art einzurich- 65 nicht unbesonnen von einem Geschäft ins andre,ten? Sind es vollends Geschäfte von Wichtig- fängt nicht Vielerlei) zugleich an, ohne etwas
keit, was ihr zu besorgen habt; lassen sie sich zu vollenden- es ist überlegte Fortschreitung in
gar nicht ausführen, ohne daß euer Geist seine allem, was er verrichtet. Der Arbeitsame weißbesten Kräfte brauche und seine edelsten Fähig- es endlich, daß eine gleichförmige, ausdauernde