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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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Seite
513-514
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Franz Lölkmar Reinhard.

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Anstrengung nöthig ist, wenn er alles glücklichzu Stande dringen will; er wird also nichthitzig anfangen und bald wieder nachlassen, nichteine Zeit lang stürmen und dann wieder nichtsthu»; er wird mir festem, sich immer gleichemSchritt sein Ziel erreichen. Es muß euch vonselbst einleuchten, wie vorbereitet zu einer wah-ren gründlichen Besserung unser Herz ist, wennwir unsere Kräfte so zu brauchen wissen. Nein,dann kann er uns nicht mehr lästig werden,jener Ernst, mit welchem die Pflicht uns ge-bietet,- ohnehin an Ordnung und Regel gewöhnt,werden wir willig die Ordnung annehmen, dieder Wille Gottes uns vorschreibt; werden dieVorschrift und Leitung, die uns die bloße Klug-heit gab, gern mit einer höhern vertauschen,und uns den Sinn unsers Herrn eigen mache»,dem es Genuß und Speise war, den Willen deßzu thun, der ihn gesandt halte, und zu vollen-den sein Werk. Unschätzbar, M. Br., unschätz-bar für unsere ganze sittliche Verfassung ist dieArbeitsamkeit als Kraftübung, sie gibt unsernFähigkeiten die Entwicklung, und gewöhnt siean die Ordnung, die zum Wachsthum in christ-licher Weisheit und Frömmigkeit unentbehrlich ist.

Nicht umsonst habe ich gesagt, auch alsTugend habe sie einen hohen Werth; sie be-hauptet nämlich als Selbstbeherrschung und alsStandhafligkeit in der Reihe unsrer Lugendeneine sehr wichtige Stelle. ,

Arbeitsamkeit ist Selbstbeherrschung, das istunstreitig. Man muß seine Trägheit überwin-den, man muß seine Abneigung besiegen, manmuß seiner Gemächlichkeit entsagen, man mußHunger und Durst, Frost und Hitze, Mangelan Ruhe und an Bequemlichkeit ertragen, manmuß alle seine Neigungen, selbst die liebsten,bändigen können, wenn man Arbeitsamkeit undanhaltenden Fleiß beweisen will. Wir habendie ganze Nacht gearbeitet, ruft der fleißigePetrus im Evangelio; und wie viele durchwachteNächte werdet ihr zählen, wie viele unter An-strengung und ?Mühe verlebte Tage werdet ihrberechnen, wie viele Fälle, wo es euch sauer,blutsauer wurde, eure Schuldigkeit zu thun,wo ihr mit einem widerspenstigen, kranken Kör-per zu kämpfen hattet und fast unterläget, wer-det ihr nennen können, ihr alle, die ihr euchden Ruhm thätiger Männer und geschäftigerMütter errungen habt, die ihr es aus Erfah-rung wisset, was dazu gehört, arbeitsam undfleißig zu sein? Aber erwäget es auch, welchenVorzug ihr euch eben dadurch verschafft habt-Ihr habt es also dahin gebracht, euch selbstgebieten zu könne» ; unter allen euern Neigun-' gen ist keine, der ihr nicht jede, noch so sehn-lich gewünschte Befriedigung versagen könntet,so bald es nöthig ist; ihr seyd gewohnt, euchnicht eher den Schmeicheleien der Ruhe undden Süffigkeiren des Genusses zu überlassen, alsdis euer Tagewerk vollendet ist- Welche Vor-übung zu den Anstrengungen und Opfern, diedas Evangelium Jesu von euch fordert! Nein,chr werdet es weder befremdend, noch unmög-lich finden, daß ihr das Fleisch kreutzigen sollet,sammt den Lüsten und Begierden. E6 wirdkeine harte Rede für euch seyn, daß ihn, was"och hinterstelliger Zeit im Fleisch ist, nicht derMenschen Lüsten, sondern dem Wille» Gottes

Kurz, eres. Sli. II.

leben sollet. Ihr werdet keinen Anstoß daranfinden, wenn euch der Herr selbst zuruft; sodeine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haueihn ab und wirf ihn von dir: es ist dir besser,5 daß du zum Leben lahm oder ein Krüppel ein-gehest, denn daß du zwei Hände oder zwei.Füße habest, und werdest in das ewige Festergeworfen. Verbinder sich mit der Stärke, wel-che euch die Arbeitsamkeit über euch selbst gibt,IN jenes neue innere Leben, das euch das Evan-gelium Jesu verleiht, jene straft von oben, dieeuch durch die Gnade Gottes zu Theil wird:so wird euch nichts zu groß, nichts zu schwerwerden; so werdet ihr mit dem Apostel sagen15 können: ich vermag alles durch den, der michmächtig macht, Christus.

Zumal da die Arbeitsamkeit auch als Stand-hafligkeit eine so wichtige Stelle in der Reiheunserer Tugenden behauptet. Ohne festes, männ-20 liches Ausdauer,;, ohne geduldiges Ueberwin-den aller Hindernisse und Schwierigkeiten istdie christliche Besserung schlechterdings nichtmöglich. In Geduld muß man Frucht bringen,wie der Herr selbst es ausdrückt. Geduld ist25 euch noth, ruft sein Apostel, auf daß ihr denWillen Gottes thut; und nur denen versprichter Preis und Ehre und unvergängliches Wesen,die mit Geduld in guten Werken trachten nachdem ewigen Leben. Anders kann es auch nicht30 seyn. Die Schwierigkeiten sind unzählbar, mirdenen ihr kämpfen, die Hindernisse sind mäch-tig, die ihr heben, die Uebel sind hartnäckig,die ihr besiegen, der Fehler und Schwachheitensind viel, die ihr ablegen und verbessern müsset,35 wenn ihr neue Menschen werden, wenn ihrwachsen und zunehmen wollet in allem Guten.Seid ihr arbeitsam, so ist euch die Standhaf--tigkeit und das Ausdauer,,, das zu eurer Bes-serung so unentbehrlich ist, in den Angelegen-en heilen des Lebens bereits eigen, so seid ihr schongewohnt, euch durch Schwierigkeiten nicht ab-schrecken §u lassen, und auf dem, was ihr zuthun habt, mit festem Sinne zu beharren, bises zu Stande gebracht ist. Wie leicht werdet45 ihr unter dem Beistande Gottes diese Beharr-lichkeit auf die Angelegenheiten eures Geistesübertragen: wie weit männlicher und standhaf-ter werdet ihr da kämpfen, wo es das höchsteKleinod und die Krone des Lebens gilt; wie5V nachdrucksvoll wird sich der Ernst, der nichteher nachläßt, als bis er seinen Zweck erreichthat, da beweisen, wo es um den erhabenstenEndzweck zu thun ist, und eine höhere Unter-stützung zu Hülfe kommt! Ihr könnet euch zu55 der großen Veränderung, die durch das Evan-gelium Jesu bei euch bewirkt werden soll, un-möglich besser vorbereiten, als durch vernünf-tige Arbeitsamkeit; dann seid ihr nicht bloß nütz-liche , achtungswerthe Bürger der sichtbaren60 Welt; auch von. Reiche Gottes seid ihr nichtmehr fern, auch da wird es euch leicht werden,unter dem Einfluß der Gnade Gottes die Hei-ligung und Würde zu erstreben, welche die Bür-ger der bessern Welt auszeichnet. Ist er aber65 so groß, so unaussprechlich groß der Werth derArbeitsamkeit: soll ich euch nicht ermähnen,soll ich euch nicht vor Gott bitten, ihr Eltern,ihr alle, die ihr Einfluß auf die Erziehung derJugend habt, daß ihr aufmerksam werdet; daß33