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Ioon Paul Friedrich Richter.
niefete; denn da alles in Hexametern und zwarin solche», die nicht zu verstehen waren, ver-fasset sein sollte: so mußte der Dichter, da er'sdurch keine Bemühung zur geringsten Unver-ständlichkeit dringen konnte - er fassete allemalden Augenblick, jede Zeile und jeden Fuß und.s,vs — aus Noth zum Einfall greifen, daß erdie Hexameter ganz unleserlich schrieb, wasauch gut war. Durch diese poetische Freiheitbog er dem Verstehen ungezwungen vor.
Um eilf Uhr deckte er für seine Vögel, unddann für sich und seine Mutter, den Lisch mitvier Schubladen, in welchem mehr war alsauf ihm. Er schnitt das Brod, und seinerMutter die weiße feinde vor, ob er gleich dieschwarze nicht gern aß. O n*ine Freunde,warum kann man denn im Iiolel üo Itaviöreund aus dem Römer nicht so vergnügt speisen,als am Wuzischen Ladentisch? — Sogleich nachdem Essen machte er nicht Hexameter, sondernKochlöffel, und meine Schwester hat selber einDutzend von ihm- Während seine Mutter daswusch, was er schnitzte, ließen beide ihre See-len nicht ohne Kost; sie erzählte ihm die Per-sonalien von sich und seinem Vater vor, vonderen Kenntniß ihn seine akademische Laufbahnzu entfernt gehalten — und er schlug den Ope-razionsplan und Bauriß seiner künftigen Haus-haltung bescheiden vor ihr auf, weil er sich andem Gedanken, ein Hausvater zu sein, garnicht satt käuen konnte. „Ich richte mir —sagt' er — mein Haushalten ganz vernünftigein — ich stell' mir ein Saugschwcinchen einauf die heiligen Feiertage, es fallen so viel Kar-toffel - und Rüben-Schalcn ab, daß man's mitfett macht, man weiß kaum wie — und aufden Winter muß mir der Schwiegervater einFüderchen Büschel lReisholzs einfahre» und dieStubenthür muß total gefüttert und gepolstertwerden — denn, Mutter! unsereins hat seinepädagogischen Arbeiten im Winter und manhält da keine Kälte aus." - Am 20sten Maiwar noch dazu nach diesen Gesprächen eineKindtaufe — es war seine erste — sie war seineerste Revenüe und ein großes Einnahmebuchhatte er sich schon auf dem Alumneum dazu ge-heftet — er besah und zählte die Paar Gro-schen zwanzig mal, als wären sie andere. —Am Taufstein stand er in ganzer Parüre unddie Zuschauer standen aus der Empor und inder herrschaftlichen Loge im Alltag-Schmuz. —„Es ist mein saurer Schwcis," sagt' er eineStunde nach dem Aktus und trank vom Geldezur ungewöhnlichen Stunde ein Nößel Bier. -Ich erwarte von seinem künftigen Lebensbe-schreiber ein Paar pragmatische Fingerzeige,warum Wuz blos ein Einnahme- und kein Aus-gabe-Buch sich nähte und warum er in jenemoben Louisd'or, Groschen, Pfennige setzte, ober gleich nie die erste Münzsorte unter seinenSchul-Gefällen hatte.
Nach dem Aktus und nach der Verdauungließ kr sich den Tisch hinaus unter den Weich-selbaum tragen und setzte sich nieder und bos-sierte noch einige unleserliche Hexameter in seinerMessiade. Sogar während er seinen Schinken-knochen, als sein Abendessen abnagte und ab-feilte , befeilt' er noch einen und den andernepischen Fuß und ich weiß recht gut, daß des
Fettes wegen mancher Gesang ein wenig geöletaussichet. Sobald er den Sonnenschein nichtmehr auf der Straße, sondern an den Häusern^ liegen sah: so gab er der Mutter die nöthigen5 Gelder zum Haushalten und lief ins Freie, umsich es ruhig auszumalen, wie er's künftighaben werde im Herbst, im Winter, an dendrei heiligen Feste», unter den Schulkindernund unter seinen eignen. —
10 Und doch sind das blos Wochentage; derSonntag aber brennt in einer Glorie, die kaumauf ein Altarblatt gebt. — Ucberhaupt steht inkeinen Seelen dieses Jahrhunderts ein so großerBegriff von einem Sonntage, als in denen,15 welche in Kantoren und Schulmeistern Hausen;mich wundert es gar nicht, wenn sie a» einemsolchen Courtage nicht vermögen, bescheiden zuverbleiben. Selber unser Wuz konnte sich'snicht verstecken, was es sagen will, unter tau-20 send Menschen allein zu orgeln — ein wahresErb-Amt zu versehen und den geistlichen Krö-nungs-Mantel dem Senior überzuhängen undsein Valol «Iv saiilsisie! und Kammermohr zusein - über ein ganzes von der Sonne bcleuch-25 lctes Chor Territorial-Herrschaft zu exerzieren,als amtierender Chor-Maire auf seinem Orgel-Fürstcnstuhl die Poesie eines Kirchsprcngels nochbesser zu beherrschen, als der Pfarrer die Prosedesselben kommandiert — und nach der Predigt30 über das Geländer hinab völlige fürstliche Be-fehle sans si>z'<>» mit lauter Stimme weniger
zu geben als abzulesen. Wahrhaftig, man
sollte denke», hier oder nirgends lhät' es Noth,daß ich meinem Wuz zuriefe: „Bedenke, was35 „Du vor wenigen Monaten wärest! Ucbcrlcge,„daß nicht alle Menschen Käntorcs werden können„und mache Dir die vorrheilhafte Ungleichheit„der Stände zu Nutze, ohne sie zu misbrauchen„und ohne darum mich und meine Zuhörer am40 „Ofen zu verachten." — — Aber nein! aus. meine Ehre, das gutartige Meisterinn denktohnehin nicht daran; die Bauern hätten nur sogescheidt sein sollen, daß sie Dir schnakischem,lächelndem, trippelndem, händereibcndcm Dinge45 ins gallcnlose überzuckerte Herz hineingesehenhätten: was hätten sie da ertappt? Freude i»Deinen zwei Herz-Kammern , Freude in Deinenzwei Herz-Ohren. Du numeriertest blos obenim Chöre, gutes Ding! das ich je länger je50 ljebcr gewinne, Deine künftigen Schulbuben undSchulmädchen in den Kirchstühlen zusammen undsetztest sie sämmtlich voraus in Deine Schul-stubc und um Deine winzige Nase herum undnähmest Dir vor, mit der letzten täglich Vor-55 mittags und Nachmittags einmal zu niesen undvorher zu schnupfen, nur damit Dein ganzesInstitut wie besessen ausführe und zuriefe: HellGott, Hcrr Kanknerl Die Bauern hätten fer-ner in Deinem Herzen die Freude angetroffen,00 die Du hattest, ein Setzer von Folioziffcrnsein , so lang wie die am Zifferblatt der Thurm-uhr, indem Du jeden Sonntag an der schwar-zen Liedertafel in öffentlichen Druck gabst, aufwelcher Pagina das nächste Lied zu suchen se>05 — wir Autorcs treten mit schlechterem Zeugeim Drucke auf; — ferner die Freude hätteman gefunden, Deinem Schwiegervater undDeiner Braut im Singen vorzureiten; »nvendlich Deine Hoffnung, den Bodensatz des