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Jean Paul Friedrich Richter.
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Kommunion-Weins einsam auszusaufen, dersauer schmeckte. Ein höheres Wesen muh Dirso herzlich gut gewesen sein, wie das referiernde,da es gerade in Deinem achtwöchcntlichen Eden-Lustrum Deinen gnädigen Kirchenpatron kom-munizieren hieß: denn' er hatte 'doch so vielEinsicht, daß er an die Stelle des Kommunion-Weins , der Christi Trank am Kreuz nichtunglücklich nachbildete, Christi Thränen ausseinem Keller setzte; aber welche Himmel dannnach dem Trank des Bodensatzes in alle DeineGlieder zogen.... Wahrlich jedesmal will ichwieder in Ausrufungen verfallen; — aber warummacht doch mir und vielleicht Euch dieses schul-meisterlich vergnügte Herz so viel Freude? -Ach, liegt es vielleicht daran, daß wir selbersie nie so voll bekommen, weil der Gedankeder Erden-Eitelkeit auf uns liegt und unsernAthem drückt und weil wir die schwarze Got-tesacker-Erde unter den Rasen- und Blumen-stücken schon gesehen haben, auf denen dasMeisterlein sein Leben verhüpft? —
Der gedachte Kommunion-Wein moussiertenoch Abends in seinen Adern: und diese letzteTagzeit seines Sabbats hab' ich noch abzuschil-dern. Nur am Sonntag durst' er mit seinxrJustina spatzicrcn gehen. Vorher nahm er dasAbendessen beim Schwiegervater ein, aber mitschlechtem Nutzen; schon unter dem Tischgebetwurde sein Hundshunger matt und unter denAllotriis darauf gar unsichtbar. Wenn ich eslesen konnte: so könnt' ich das ganze Konterfeidieses Abends aus seiner Mcssiade haben, indie er ihn, ganz wie er war, im sechsten Ge-sang hineingeslochten, so wie alle große Skri-benten ihren Lebenslauf, ihre Weiber, Kinder,Acker, Lieh in ihre Opera omnia stricken. Erdachte, in der gedruckten Messiade stehe derAbend auch. In seiner wird es episch ausge-führet sein, daß die Bauern auf den Rainenwateten und den Schuß der Halme maßen undihn über das Wasser herüber als ihren neuenwohlverordneten Kantor grüßten — daß dieKinder auf Blättern schalmciten und in Batzen-Flbten stießen und daß alle Büsche.und Blu-men- und Blütenkelche vollstimmig besetzte Or-chester waren, aus denen allen etwas Heraussangoder summsece oder schnurrte — und daß alleszuletzt so feierlich wurde, als hätte die Erdeselber einen Sonntag, indem die Höhen undWälder um diesen Zauberkreis rauchten undindem die Sonne gen Mitternacht durch einenilluminierten Triumphbogen hinunter, und derMond gen Mittag durch einen blaffen Triumph-bogen heraufzog. O Du Later des Lichts! mitwie viel Farben und Stralcn und Leuchtkugelnfassest Du Deine bleiche Erde ein! — DieSonne kroch jetzt ein zu einem einzigen rothenStrale, der mit dem Widerscheine der Abend-röte auf dem Gesichte der Braut zusammenkam; und diese, nur mit stummen Gefühlenbekannt, sagte zu Wuz, daß sie in ihrer Kind-heit sich oft gesehnct hätte, auf den rothenBergen der Abendrökhe zu stehen und von ihnenmit der Sonne in die schönen rothgemaltenLänder hinunter zu steigen, die hinter derAbendrökhe lägen. Unter dem Gebctläuten sei-ner Mutter legt' er seinen Hut auf die Knieund sah, ohne' die Hände zu fasten, an die
rothe Stelle am Himmel, wo die Sonne zuletztgestanden, und hinab in den ziehenden Strom,der tiefe Schatten trug; und es war ihm, alsläutete die Abendglocke die Welt und noch ein-mal seinen Later zur Ruhe — zum ersten- undletztenmale in seinem Leben stieg sein Herz überdie irdische Szene hinaus - und es rief, schienihm, etwas aus den Abendtönen herunter, erwerde jetzo vor Lergnügen sterben. . . . Heftigund verzückt umschlang er seine Braut undsagte: „wie lieb hab' ich Dich, wie ewig lieb!"Vom Flusse klang es herab wie Flötengetönund Menschengesang und zog näher; außer sichdrückt' er sich an sie an und wollte vereinigtvergehen und glaubte, die Himmelstöne hauch-ten ihre beiden Seelen aus der Erde weg unddufteten sie wie Thaufunken auf den Auen Edensnieder. Es sang:
O wie schön ist Gottes Erde
Und werih darauf vergnügt zu sein!
D'rum will ich bis ich Asche werde
Mich dieser schönen Erde freu'n.
Es war aus der Stadt eine Gondel miteinigen Flöken und singenden Jünglingen.' Gr-ünd Justine wanderten am Ufer mit der zie-henden Gondel und hielten ihre Hände gefaßtund Justine suchte leise nachzusingen; mehreHimmel gingen neben ihnen. Als die Gondelum eine Erdzunge voll Bäume derumschiffte:hielt Justine ihn sanft an, damit sie nicht nach-kämen, und da das Fahrzeug darhinter ver-schwunden war, siel sie ihm mit dem ersten er-rathenden Kusse um den Hals. . . . O unver-geßlicher erster Junius! — schreibt er. — Siebegleiteten und belauschten von weitem die schif-fenden Töne; und Träume spielten um beide,bis sie sagte: es ist spät und die Abendröthehat sich schon weit herumgezogen und es istalles im Dorfe still. Sie gingen nach Hause;er öffnete die Fenster seiner mondhellen Stubeund schlich mit einem leisen Gutenacht bei seinerMutter vorüber, die schon schlief.
Jeden Morgen schien ihn der Gedanke wieTageslicht an, daß er dem Hochzeitraze, dem8cen Junius, sich um eine Nacht näher ge-schlafen; und am Lage lief die Freude mit ihmherum, daß er durch die paradiesischen Tage,die sich zwischen ihn und sein Hochzeitbett ge-stellel, noch nicht durchwäre. So hielt er, wieder metaphysische Esel, den Kopf zwischen beidenHeubündeln, zwischen der Gegenwart und Zu-kunft; aber er war kein Esel oder Scholastiker,sondern grasete und rupfte an beiden Bündelnauf einmal.. . i Wahrhaftig die Menschen soll-ten niemals Esel sein, weder indifferentistische,»och hölzerne, noch bilcamische, und ich habemeine Gründe dazu. . - - Ich breche hier ab,weil ich noch überlegen will, ob ich seinen Hoch-zeiltag abzeichne oder nicht. Musivstisle Hab-ich übrigens dazu ganze Bündel. -
Aber wahrhaftig ich bin weder seinem Eh-rentage beigewohnet, noch einem eigne»; ichwill ihn also bestens beschreiben und mir — ichhätte sonst gar nichts — eine Lustpartie zu-sammen machen.
Ich weiß überhaupt keinen schicklichern Ortoder Bogen, als diesen dazu, daß die Leser be-denken, was ich ausstehe: die magischen Schwci-zergegendcn, in denen ich mich lagere, die Apol-
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