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563 ' Jean Paul Friedrich Richter.
Nachäffung Napoleons ordentlich für eine Sa- daher wol Nachahmung. Er sah es gern, wenn
tyre auf die deutschen Hof-Nachäffungen des- seine Offiziere im Frieden, wo sie sich mir
selben an; aber der Treffliche wollte ausgemacht keinen auswärtigen Feinden messen konnten,
nur Glanz. Wie oft hatte er sich nicht'als sich an nähern üble», zu welchen sie für ihre
die Katze von La Lande geträumt, die am Him- 5 Fechter- und Ritterspiele sich Bürger und
mel als Sternbild sitzt, oder sich an die Stelle Bauern leicht zuschnitten. Wenn daher ein
eines elenden todten Sextanten von Hadley ge- Offizier, mit kurzem Verzichtleisten auf seinsetzt, der ebenfalls oben hängt? Und wie alles ^Vorrecht, nur mit Seines Gleichen und
schmerzlich mußt' er aus seiner Täuschung er- mit gleichen Waffen zu fechten, einen Bürger
wachen , wenn er sah, daß nichts von ihm, 10 oder Bauer, der kaum Waffen hatte, geschweigenicht einmal ein Strumpf oder Stiefel droben die nämlichen, demungeachtel des Hauens
glänzte! Wenn er alsdann fluchte und sagte: oder Stechens würdigte: so machte der Fürst
»ich will nicht selig werden, wenn ich etwas sich aus ein paar Bauernnasen oder Bauern-
Anderes werde als berühmt-." so ist es wol zu leben, die etwa dabei abgehauen wurden, na-
entschuldigen. 15 türlich wenig, weil damit drei oder vier tapfre
Er bewies mehr als gemeinen Verstand da- Offiziere mehr gar nicht zu theuer erkauftdurch, daß er seinen Erbprinzen Napoleon tau- wurden. Nach Dorfkirmessen — an deren
fen ließ, denn wenn sein Prinz den kurzstäm- Rheinufern der Freude gewöhnlich Rheinschnaken
migen Thron besteigt, eigentlich beschreitet, so der Soldateska stachen — wurden daher die
nennt dieser sich, weil er nicht anders kann, 20 Gestochenen zur Strafe gezogen, wenn sie durchNapoleon den Ersten; »und dann lso denkt der ihr Vertheidigen Männer angriffen, die sich an
Vater> wollen wir sehen, ob nicht ein Napoleon ihnen blos für höhere Feinde, wie Schützen a»
der Erste mehr in der Welt ist." Schwalben für edlere Lögel, zu üben getrachtet.
Ein ganz anderer Fall war's mit dem Der Fürst erreichte auch sein Ziel; ja sogar,
Gränzfürsten von Käuzen, Tiberius dem neun 25 wie nach Benzenberg die Gewitter im Winterund neunzigsten (Tiberius IXXXXIX); ein gefährlicher sind als die im Sommer, so schlu-
Herr von so wahrhaft kriegerischem Geiste, ei» gen seine Helden in der kühlen, gemäßigten
Feind all»r marianischen Paradebetten und Pa- Kirmeß-Zeit noch stärker ein als in der Hitzc
radepferde, aber ein Freund aller Paradeplätze. der Schlacht.
Nur gehörte er leider unter die kriegerischen 30 Aber das Beste fehlte jetzo dem Fürsten,Fürsten, welche dem sitzenden Jupiter von Phi- ordentlicher ächter Krieg. Es fehlte ihm nänn
dias ähnlichen, welchem man vorwarf, daß er, lich an einer Kriegkaffe aus Mangel an einer
wenn er in seinem Tempel sich aufrichtete, mit Friedenkaffe, daher unter seiner ganzen Regie-
semem Kolossen - Körper, das Dach einstieße; rung keinem Verbrecher (wie etwan im Orient!
und in der That konnte der krieglustige Libe- 35 zerlassenes Gold in den Hals gegossen wurde,
rius sich nicht von seinem Throne erheben, ohne indem keines da idar. Doch ungeachtet aller
seinen Thronhimmel durchzustoßen. Als er vom Armuth hätt' er den seltenen Vogel Phönib,
Forkgange der eingeführten Konskripzionen hörte, den Krieg, der sich immer im Feuer er-
konskribierle er, was nur zu haben war, und neuert, erwischen können (sah er ein), wäre
verstärkte seine Hecrmacht dergestalt sehr, daß 40 sein Land nur größer gewesen. Daher benei-er mir einer 150 Mann starken jede Minute bete er sehr geldarme, aber größere Regenten,
ausrücken konnte, wiewol er doch oft heimlich welche ihren still liegenden Unterthanen, wenn
nachsann, ob nicht gar der ganze Staat anzu- sie ihnen nichts zahlen und reichen können, blos-
werben wäre. Es entging ihm nicht, daß Marschordres geben; eine schöne Nachahmung
Staaten, so wie man auf Universitäten sich in 45 des wunderthätigen Petrus, welcher (Apost. Gcalle Würden und in die Erlaubniß zu lesen schichte o. 3. v. 6.) zu einem Bettler sagte:
hinein disputieren muß, sich von jeher eben so Geld könn' er ihm nicht geben, aber wol (durch
in alle Würden und Selbsterlaubniffe hinein ein Wunder! Gehvrrmögen, worauf der lohnte
geschossen und gehauen haben. Daher ließ er Kerl sogleich aufbrach und marschierte,
sogar am Sonntage sein Heer schießen und 50 So standen beide Fürsten und Helden die-prügeln. Schildwachen stellt' er auf vor jedes ser Groteske gegen einander, jeder mir ander»
öffentliche Nest, vor das Rathhäuschcn, vor Vorzügen ausgerüstet,
das Drehhaus des Prangers, vor das heimlicheGemach in seinem Schlosse, und so weiter.
Vorposten und eulaim porüus vertheilte er so- 55 Zweites Kapitel,
^ Frieden vorsichtig, um alles mehr ab- worin Erklärungen und Zurüstungen des Kriegszuharten. Kurz, er war der Mann, der auf " «^kommen-
nichts dachte, als alle seine Unterthanen auf
dem leichtesten Wege zu den frciesten Republi- Einst besuchte Tiberius IXXXXlX st'N"'
. ern zu machen, nämlich zu Soldaten; denn 60 Gränznachbar Maria. Jener sprach viel unk'w H"r nicht gefesselt, sondern froh von seiner bevorstehenden Heerschau (lievaol
fcsteit blos das sitzende! ja Prätorianische Ko- und beklagte nur, daß er des Lumpenpacks Ihorten vollKanonenfieber beherrschen nicht nur wenig habe: »Herr Vetter, mein Lager
die Unterthanen voll Gefängnißfieber, sondern wird, sorg' ich, wie eine lebendige Tröde^
sogar ihre Beherrscher selber. — Sein Militair 65 bude aussehen, die Kerle haben nicht vielstand an Freiheiten der gallikanischen und der — „Desto besser, versetzte Maria, daß
triumphirenden Kirche gegen den Zivilstand auch nicht viele Kerle haben. Ich habe °
keinem (vorigen) preußischen nach. niges Volk." Er sprach nur aus BeM>
Manche Einrichtungen von ihm verdienen denheit so; denn da nach der Jurisprud« -