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Jean Paul Friedrich Richter.
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schon 10 Mann') ein Volk ausmachen: so wirdman sich von seiner Volkmenge einen Begriffmachen, wenn ich sage, daß sie sich über 500Köpfe belief. Liberius, ein Spötter des anseine Stelzen noch Kothurne anschuhendenFürsten, versetzte: Kleider und Schneider ma-chen Leute, und reimen sich.
Es ist wol'kein schicklicherer Ort als dieser,um die Welt an eine alte Notiz zu erinnern,und ihr eine neue zu geben. Erinnern mußsie sich nämlich, daß sie gelesen, wie in Frank-reich zwischen den Schneidern und Trödlernein mehr als zweihundert und sechs und vier-zigjähriger Prozeß (Anno 1530 ging er an,1776 schwebte er noch) geführt worden, worindreißig Lausend Urtheile ergangen, um womöglich auszumitteln, welche Kleider zu altenoder zu neuen zu rechnen sind?). Nun hattedas Fürstenthum Großlausau — dieß ist derWelt die neue Notiz — das Eigenthümliche,daß es, um die benachbarten Ländchcn mitKleidern zu versorgen, fast ganz aus Schnei-dern bestand, wie etwa» in Rußland, ein Dorflauter Handwerker von einerlei Art'besitztDie Käuzen hingegen waren lauter Trödler,was weniger seltsam ist, da sowol im Fürsten-thum selber als in der Nachbarschaft es sehran Leuten mangelte, denen wenig mangelte,und die etwas anzuziehen hatten.
Beide Länder oder Handwerker wünschteneinander nun nichts als wechselseitigen Todt-schlag; alte und neue Kleider stifteten da hitzi-gere Sekten, als sonst altes und neues Testa-ment, oder jctzo ästhetische Antike und Mo-derne; Flicken des Trödels wurde für Schnei-dern genommen, ein kaum getragenes Kleid fürein neues und umgekehrt.
Nun fällt auf tausend Sachen in unsererGeschichte Licht. Tibcrius kam jctzo auf denBorschlag, den er dem Vetter thun wollte:»wie wär's, Herr Vetter, würfe» wir unsrebeiden Revüen für dieses Jahr zusammen, undjeder mit seinem Heere rückte gegen den andernvernünftig an? Es sähe bei Gott ordentlichwie ein Krieg aus; nur müßte man Spaß ver-stehen. Geübt würden freilich die Leute un-glaublich, und alle andren Revüen waren Betteldagegen."
Ein solches Spiegelzimmer von Selbst-An-sichten erfaßte den Maria als einen Liebhaberglänzender Sünden anfangs über die Maßen;aber als er sich ein wenig sammelte, gab er zubedenken, es sei, da schon auf dem Theater undin Heerschauen, wo Freunde gegen Freundefechten, sich der böse Feind zuweilen mit seinemUnkraut einmischte, und Feinde aussäete, dieeinander gute reelle Schläge gäben, es sei,sagt' er, in einem Falle noch mehr zu beher-zigen und zu befürchten, wo fremde Heere,vollends gar Trödler und Schneider gegeneinander ins Feld zögen, weil vielleicht mancherTrödler eine Schuld durch einen Kolbenstoß
abzustoßen suchen könnte, oder ein Schneidersich seines Kerbholzes durch einen Ladstock zuentledigen.
Er gab allerdings so fein als möglich zu5 verstehen, daß die Käuzen oder Liberianer vielseinen Großlausauern oder Marianern schuldigwären. „Ah, pah, versetzte Liberius, schlagemeinetwegen einander todt, was will; wennman nur gescheit kommandiert, und seine rich.10 ligen Evoluzionen macht; Gerechtigkeit darfnach der alten Sprache kein Mitleiden haben(juslilia non oompassionom liabero üebet),und Krieg ist das allcrstärkste peinliche Recht.— Lassen Sie Ihre Schneider, Herr Vetter,15 nur brav laufen, was ihnen nach dem langenSitzen recht gesund sein wird: so steh' ich Ih-nen dafür, meine Leute schlagen ihnen keineneinzigen Ellenbogen entzwei."
Maria gab nach; er hatte überhaupt nur20 andeuten wollen, daß Liberius Heer nicht vielhätte, ohne zu bedenken, daß er damit widerWillen lobe. Denn eben Platons idealer Re-publik, worin blos die Soldaten gar kein Ei-genthum besitzen durften, nähern sich Staaten2si doch einigermaßen, in welchen sie wenigstensnicht vieles haben, so daß, wie man oft Bett-ler zur Strafe unter die Soldaten steckte, manzum Lohne diese unter jene steckt. Nach Ar-vieur schürzen die arabischen Balbiere sich die30 Aermel bis hinter den Ellenbogen zurück, umimmer die Narben aufzudecken, welche sie sichzu Ehren ihrer Geliebten eingeschnilten; aberwie vielmehr wird benarbten Kriegern nichtder vielleicht eitle, aber verzeihliche Wunsch,35 die Ehrenzeichen ihres Leibes den ganzen Tagvorzuzeigen, vom Staate erleichtert, wenn erihnen absichtlich nichts gegeben, was den Leibund also die Narben bedeckt?
Indeß war nun der Schaukrieg zwischen40 beiden Vettern organisiert, und die Zurüstungenfingen an. Maria Puer hielt sogleich Krieg-rath, und berathschlagte sich darin über dieSchutzwaffen, welche Kriegern, wie die Groß-lausauer Handwerker, noch nöthiger waren als45 Trutzwaffen. Um nur vor allen Dingen sichden Rücken zu decken, wurde vom Fürsten einZopf genehmigt, der den ganzen Rücken bisaus Steißbein herabließ, hinter diesem Sturm-zopfe und Ankerseil war jeder ganz Hiebfest,50 der lief; es war eine Ableitkette der Wunden,wie das Kettchen auf dem Kopfe der französi-schen Pferde. Außerdem hatte ein ganzes Heermit solchen Rückenschlangen, Zornruthen undKrieggurgeln im Rückzüge etwas Pompöses,55 und jagte Schrecken ein.
Vuer war überhaupt in sehr verschiedenemSinne der Berliner Zopfprediger Schulze, näm-lich ein Prediger und Verfechter der Zöpfe,weil er sie für die absteigenden Zeichen und60 Staubfäden hielt, die den Wehrstand so sehrunterschieden vom Lehrstande — für die denSpitz- und Backenbärten ziemlich entsprechenden
t> Nach Vartolns sind 10 Mensche» ein Volk lpopulun), nach Apulcju» in seiner 'Apologie lä Freie. Grüne.i>»gS cm->. St. l.
2) Französische Miszellcn öo» 1«0ä. B. >u. St. 3.
3) Z. B. Nabotnika hat lauter Schmiede, Pawloek lauter eschlossermeistcr, Semcnowa lauter Blcchschmicde u. s. w8abri» Journal II. ItjUs.