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Jean Paul Friedrich Richter.
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den Teig, so hebt. Zum Ueberfluß organisierteer noch ein Freikorps von Kamm- und Knopf-machern, von welchen er sich allerlei versprach,wenn sie alle übrigen Waffen aus der Handwürfen, und dann mit der letzten allein — dabeide Handwerker die längsten Fingernagel füh-ren müssen — durch ihre zehn Pinzetten oderGlaserdiamanlen die feindlichen Gesichter, alsodie gordischen Knoten des Kriegs, vortheilhaftzerschnitten.
Jetzo stehen wir nun vor der großen Stunde,in welcher beide Mächte gegen einander vor-rücken.
Nachts zog Maria aus, damit alle Unter-thanen , wenn der Generalmarsch geschlagenwürde, nach der Kriegregel Lichter an die Fen-ster setzten, gleichsam als Borspiel und Aurorakünftiger Siegerleuchtung. Nie marschiertewol ein Heer wüthiger und gefährlicher ausdem Thore als die Großlosauer Schneider-meistern, wenn Galiani Recht hat, daß Mutheine Frucht der Furcht ist; denn die Versamm-lung schien ordentlich die wiedergcborne Kir-chenversammlung zu Tours im Jahre 1163,welche bei Kirchcnbuße alles Blutlaffcn verbo-ten, und es gab Bebende darunter, vor welchenwoi ein herzhafterer Mann als Galiani hättezu beben gehabt. > Indeß wenn die Spartanersonst bloß unterFlötenspiel auszogen, um ihrenwilden Muth zu mildern: so stimmte auf die-selbe glückliche Weise schon die Trommel undTrommete und andre Kriegmusik den Großlau-sauer Muth um vieles herab. An sich aberwar's erhaben, es zu sehen, wie man auszog,nicht nur die sogenannte Prima Plana warbei dem Heere ldic Gemeinen verstanden sichvon selber), sondern auch ein Regimentstabsammt Unterstab, und über fünfviertel Gene-ralstab; der Rumormeister aber erschien alswahrer Ueberfluß. Ich sehe sie noch vor mirhinmarschiercn, die Helden der Zukunft. We-nigere Jammergcsichler wären freilich in derArmee gesehen und geschnitten worden, hättenicht Libcrius die Bosheit ausgeübt — wovonleider die ganze Armee gebort — daß er ausdem Tollhause einen verrückten Trödler, dersich seit Jahren für einen Prcmierliculenantin Kauzner Diensten aus eigner Idee gehalten,in die Monlur stecken und mit anmarschierenlassen. Dieß verwirrte aber die Schneider, we-nigstens viele.
Verständigere darunter sagten sich unvcr-holen: „Dergleichen kann keinen vernünftigenMililair erfreuen. Wir ziehen da so fröhlichund keck in den Krieg, aber wer steht unsdafür, wenn der Verrückte dabei ist (der keineVernunft annimmt), daß nicht unsre MachtBeulen und Prügel heimbringt, ja noch mehreBeulen als Männer? Kann nicht der Pre-mierlieutenanl Ladstöcke laden und abschießen?- Beim Himmel! Hübsche Bexicrschlachten,wenn darin mehr Leute verwundet werden kön-nen, als in einem Realkricg in Welschland sonstu» 15t»n Jahrhundert, wo oft in einem Feld-KUge kein Mann umkam. So hole doch derTeufel einen so unsinnigen Krieg, wobei mankaum des Lebens sicher bleibt! "
Auch dieß verstärkte nicht sonderlich ihrenBiurh, daß Tiberius seine ganze Generalität
von Affen mitgenbmmcn, weil solches Vieh,unbekannt mit Kriegzucht, durch ungestümesNachäffen tapferer Gefechte ja mehr Schadenanrichten konnte als die Fechtenden selber. Esbestand aber die Generalität aus einem Hunds-affen und zwei Meerkatzen: und der Regiment-stab aus einem seltenen Beelzebub mit Roll-schwanz ider Uoaol» oder l'aiiiscus) und eini-gen Pavianen; allen aber hatte er. bestimmteNamen von Kriegwürden zugetheilt. Einerund der andere, der ihn näher kennt, als wiralle, will hinter diesem Affen-Militär heimli-chen Spott auf Maria's Kopiermaschinen desHofs und Kriegs vermuthen, was ich sehr un-gern sähe.
Drittes Kapitel,
worin Würste und Galgen von strategischerBedeutung sind.
Endlich standen beide Heere einander im
Angesicht.Aber hier ist der Ort, wo der
Verfasser dieses das demüthige Geständniß ab-legen muß, daß er nur Levanen, Vorschulen,Titanen geschrieben, und niemals Kriegopera-tionen aus Mangel an Sachkenntniß, und daßfolglich dieser Mangel jetzo, wo seine Federzügean Feldzüge sich wagen sollen, ihn ungewöhn-lich bedenklich machen muß, wie er den Groß-lausauer und Kauzner Feldzug beschreiben soll,ohne entweder sich lächerlich zu mache», oderdie Helden, oder beides. Daher verspricht erauch nur Unparteilichkeit für beide Mächte,und will ohne Rücksichten bald Tiberius, baldMaria loben ; indem er doch der Hoffnung lebt,daß nach ihm irgend eine Feder vom Hand-werk, die vielleicht mitgefochten, — gleichsamaus dem Adlerflügel selber ausgezogen — derWelt diesen Krieg mit alle der taktischen undstrategischen Kenntniß darstellt, ohne welchejede Beschreibung davon lächerlich ausfällt.
Beide Heere waren darüber einig, daß derganze Erfolg der Heerschau oder des Feldzugsdavon abhänge, welches von beiden zuerst sichdes Galgenbergs — der übrigens nur mit Ei-nem Manne besetzt war, der noch dazu amGalgen hing — bemächtige; wer dann bei demoder an dem Galgen war, sah ruhig dem üb-rigen Kriege zu, und machte, wie der Gehenkte,bloß aus Spaß noch Schwenkungen. Alle ver-ständige Militärpersonen, die ich noch darübergesprochen, versicherten nun einmüthig, daß dieKäuzen oder Trödler viel früher als die Groß-lausauer den Galgen, woran so viel hing, hät-ten besetzen können, wenn nicht unterwegs einUnglück vorgefallen wäre, welches zum Unglückdie Käuzen für ein Glück genommen. O sosehr siegt todtes, aber tolles Gedärm über le-bendiges, das leer ist, und elende Würste schie-ßen sich als Feldschlangen ab, und halten ggnzeHeere auf! Es tst nämlich, nur gar zu erwie-sene Thatsache, — ich kenne jeden Zeitungsschreiben, der sie zu verdecken suchte - daß diestreit- und eßlustige,, Käuzen auf ihrer Mili-tärstraßc gerade vor eines Fleischers Hause vor-beigemußt, das brannte. Nun warf die Loheaus dem Rauchfange alle darin hängenden Wür-ste und Sausäcke wie Wachteln und dreipfün-
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