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August Wilhelm von Schlegel.
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die homerische» Helden noch der Reihe einzelnhervortreten. Man hat bemerkt, daß die Jliasnicht bestimmt geschlossen ist, sondern etwasvorgängigcs und nachfolgendes sich hinzu denkenläßt. Eben so ist das Basrelief gränzenlos,es läßt sich vor- und rückwärts weiter fort-setzen, weswegen die Alten auch am liebsten Ge-genstände dazu gewählt, die sich ins unbestimm-bare ausdehnen lassen, als Opferzüge, Tänze,Reihe von Kämpfe» u. s. w. Deswegen habensie auch an runden Flächen, als Vasen, amFries einer Rotunde, Basreliefs angebracht,wö uns die beiden Enden durch die Krümmungentrückt werden, und, so wie wir uns fortbe-wegen, eins erscheint und das andere verschwin-det. Die Lesung der homerischen Gesänge gleichtgar sehr einem solchen Herumgehen, indem sieuns immer bei dem Vorliegenden festhalten,und das Vorhergehende und Nachfolgende ver-schwinden lassen.
In der freistehenden Gruppe hingegen wiein der Tragödie will die Sculptur und diePoesie ein selbstständiges, in sich geschlossenesGanzes auf einmal vor das Auge bringen. Umes von der natürlichen Wirklichkeit zu sondern,stellt jene es auf eine Basis, gleichsam auf einenidealischen Boden. Dagegen entfernt sie so vielmöglich alle fremden zufälligen Zuthaten, umdas Auge ganz auf das Wesen der Sache, dieFiguren selbst, zu heften. An diesen sind die 30Formen mit vollkommner Rundung ausgear-beitet, doch verschmäht sie die Täuschung derFarbe, und kündigt durch die gediegne gleich-förmige Masse, worein sie bildet, eine nichtmir vergänglichem Leben, sondern mit höheremGehalt begabte Schöpfung an.
Schönheit ist der Zweck der Sculptur, undfür die Schönheit ist Ruhe die vortheilhaftesteVerfassung. Diese geziemt also der einzelnenFigur. Mehrere Figuren können aber nur durcheine Handlung in eins verbunden, gruppirtwerden. Die Gruppe stellt Schönheit in Be-wegung dar, und ihre Aufgabe ist, beides imhöchsten Grade zu vereinbaren. Dieß wird derFall sein, wenn der Künstler das Mittel findet,bei dem stärksten körperlichen oder Seelen-Lei-den den Ausdruck durch männlichen Widerstand,stille Größe oder inwohncnde Anmuth dergestaltzu mäßigen, daß bei aller rührenden Wahrheit,die Züge der Schönheit dennoch »»entstellt blei- 50ben. Winkelmann spricht hierüber unübertreff-lich , wenn er sagt, die Schönheit sei bei denAlten die Zunge an der Wage des Ausdrucksgewesen, und in diesem Sinne die Gruppe der
Niobe und des Laokoon schildert: jene ein Mei-sterwerk im hohen und ernsten, diese im gelehr-ten und zierlichen'Styl.
Die Vergleichung mit der alten Tragödie5 liegt hier um so näher, da wir wissen, daßsowohl Acschylus als Sophokles eine Niobe, derletzte auch einen Laokoon gedichtet- In Laokoonsind die leidenden Anstrengungen des Körpers,und die widerstrebenden der Seele in wunder-10 würdigem Gleichgewicht vertheilt. Die hülfe-flehenden Kinder, nur zarte Gegenstände desMitleids, nicht der Bewunderung, lenken un-sern Blick auf den Vater zurück, der den sei-nigen vergeblich zu den Göttern zu wenden15 scheint. Die umwindenden Schlangen stellenuns das unentsliehbare Verhängniß vor, daF dieHandelnden oft so furchtbar mit einander ver-strickt. Und dennoch geht das schöne Ebenmaß,der gefällige Schwung der Umrisse nicht über20 dem gewaltsamen Ringen verloren; die auchsinnlich entsetzliche Darstellung ist noch mit Scho-nung behandelt, und ein lindernder Hauch derAnmuth über das Ganze ausgegasten.
In der Gruppe der Niobe ist Schrecken und25 Mitleiden ebenfalls auf das vollkommenste ge-mischt. Jenes kommt unsichtbar vom Himmelherab, den die hinausgewandten Blicke der Mut-ter und der halbgeöffnete Mund flehend verkla-gen. Die sich in Todesangst an den Busen derMutter flüchtende Tochter darf in ihrer un-schuldigen Kindlichkeit nur für sich selbst zagen:nie ist der angcborne Trieb der Selbsterhal-lung zarter abgebildet worden. Gibt es aufder andern Seite ein schöneres Sinnbild der35 sich aufopfernden Heldengröße als Niobe, wiesie sich vorbeugt, um wo möglich mit ihremeignen Leibe den vernichtenden Pfeil aufzufan-gend Stolz und Unwillen verschmilzt in dieinnigste Mutterliebe. Der Schmerz entstellt40 den überirdischen Adel der Züge um so weniger,da er durch die plötzliche Anhäufung der Schläge,der bedeutenden Fabel gemäß, in Erstarrungüberzugehen scheint. Aber vor dieser zwiefachzu Stein gewordnen und doch so unendlich be-45 stellen Gestalt, vor diesem Gränzsteine allermenschlichen Leiden, zerfließt der Beschauer inThränen.
Bei allem erschütternden in diesen Gruppenliegt doch in ihrem Anblick etwas, das zu ge-sammelter Betrachtung einladet, und so lenktuns auch die alte Tragödie auf die höchsten inden Kreis der Darstellung selbst mit aufgenom-menen Betrachtungen über unser Daseyn undseine nie ganz zu enrräthselnde Bedeutung.
H- Spanisches Theater.
Die Reichthümer der spanischen Bühne sind len zu liefern, welches ziemlich stark ausfallen
bis zur Sprichwörtlichkeit angepriesen worden, und nur mit vieler Mühe vollständig zu machen
auch ist es unter den italienischen, französischen sein dürfte. Was den berühmtesten spanischen
und englischen Dramatikern mehr oder weniger Dichtern abgeborgt ist, sich i^cht „achwei-Sitke gewesen, aus dieser Quelle zu schöpfen, 65 ftn; man hat aber auch die Schriftsteller vommeistens ohne sie anzugeben. In den vorher- zweiten und dritten Range nicht verschmäht,
gehenden Vorlesungen habe ich öfter Gelegenheit deren Werke außerhalb Spanien selten ange-
gehabt, dies zu bemerken; meine Absicht konnte troffen werden. Sinnreiche Kühnheit mit leich-
stdoch nicht sein, ein Verzeichniß des Entlehn- ter Klarheit in der Intrigue vereinigt, ist den