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August Wilkclm von Schlegel
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spanischen Dramatikern so ausschließend eigen, die ziemlich dunkel ist, ehe es eine rechte Ge-
daß ich mich berechtigt halte, wo ich sie in einem statt gewann, und zu lirerarischer Würde ge-
Lustspiele finde, einen spanischen Ursprung zu langte. Auch »och späterhin wurde erstaunlich
vermuthen, wenn auch der Verfasser selbst es vieles für die Bühne geschrieben, was nie im
nicht wußte, sondern ein Plagiat an einer nä- 5 Druck erschienen, und also entweder ganz ver-tiern Quelle verübte.') loren gegangen, oder nur handschriftlich vor-
Durch das politische Uebergewicht Spaniens Handen ist, da hingegen der umgekehrte Fall,
im sechzehnten Jahrhundert war die Kenntniß daß man Stücke gedruckt hätte ohne sie auf die
der spanischen Sprache in Europa sehr verbrei- Bühne zu bringen, fast nie vorkommt. Eine
tet worden. Noch in der ersten Hälfte des 10 genaue »nd vollständige kritische Geschichte dessiebzehnten Jahrhunderts finden sich viele Spu- spanischen Theaters möchte daher nur in Spa-ren von Bekanntschaft mit der spanischen Lite- nicn selbst ausgearbeitet werden können. Die
ratur in Frankreich, Italien, England und Notizen der eben genannten deutschen Litera-
Deutschland; seitdem ist das Studium derselben koren sind nutzbar, wiewohl nicht von Jrrthü-
überall mehr. und mehr vernachläßigt worden, 15 mcrn frey; in den Urtheilen über den poe-bis'in Deutschland neuerdings wieder einiger tischen Werth und in der ganzen Ansicht
Eifer dafür sich geregt hat. In Frankreich hat weiche ich gar sehr von ihnen ab.
man durchaus keinen andern Begriff vom spa- Die ersten Fortschritte der dramatischen Kunst
nischen Theater als den, welchen man sich etwa in Spanien fallen in die letzte Hälfte des sech-
aus Linguets Uebersetzungcn bilden kann. Diese 2t> zehnten Jahrhunderts, die Blüthe nimmt mithat man wieder aus dem Französischen ins dem siebzehnten Jahrhundert zugleich ein Ende.
Deutsche übertragen, und mit andern nicht Aus dem achtzehnten, seit dem Successionskriege,
besseren, unmittelbar nach den Originalen ver- der überhaupt auf die spanische Literatur einen
mehrt. Die Ucbersctzer haben aber ihre Wahl bedeutenden nachtheiligen Einfluß gehabt zu
fast einzig auf das Fach der Jntrigucn-Lustspiele 25 haben scheint, wird wenig anzuführen sein, wasbeschränkt, und, da doch sämmtliche spanische nicht Verwilderung, Rückschritt, Beibehaltung
Schauspiele versifizirt sind, einige Aiitrvmosos, der alten Observanz ohne Sinn, oder mittel-
tiavnetvs und die aus der neuesten Zeit ausgc- mäßige Nachahmung des Ausländischen wäre.
nommen, alles in Prosa aufgelöst, vieles nur Die spanischen Gelehrten des letzten Menschen-
auszugsweisc gegeben, und es sich wohl gar zum 3l) alters überheben sich zum Theil ihrer alten Na-Lerdienst angerechnet, allen sogenannten poeti- tional-Dichter, das Volk hegt eine große An-sitzen Schmuck sorgfältig wegzuschaffen. Bei hänglichkeit an sie, und in Mexiko wie in Ma-
diescm Verfahren konnte nur das materielle drid werden ihre Stücke noch immer mit leiden-
Gcrüste der ursprünglichen Werke übrig bleiben, schaftlichem Beifalle aufgeführt,
das schöne Cclorit mußte mit den Formen der 35 Die verschiedenen Bildungsepochen der spa-Ausführung verloren gehen. Daß Uebersctzer, nischen Bühne lassen sich mit dem Nahmen dreier
welche solchergestalt einen gänzlichen Mangel an berühmten Schriftsteller, des Cervantes, Lope
Urtheil über dichterische Vorzüge beweisen, nicht de Vega und Calderon, bezeichnen,das Vortrefflichste unter dem ganzen Vorrath Die ältesten bedeutenden Nachrichten und
ausgewählt haben werden, läßt sich leicht ermcs- iy Urtheile darüber finden sich in den Schriftensen. Auch macht diese Gattung, wiewohl sich des Cervantes, hauptsächlich im Don Quixote,
in der Erfindung unzähliger solcher Intriguen, in dem Gespräche mir dem Canonicus, in der
dergleichen andere Theater-Literaturen kaum Vorrede zu seinen spätern Schauspielen, in der
einige auszuweisen haben, ein bewundernswür- Reise auf den Parnaß, dann auch an andern
diger Scharfsinn zeigt, dennoch keincsweges die 45 Stellen zerstreut. Er hatte in seiner Jugendschätzbarste Seite des spanischen Theaters aus, noch die Anfänge der dramatischen Kunst in
dessen Eigenthümlichkeit sich in der Behandlung Spanien erlebt, die er in ihrer Dürftigkeit so-
wundcrbarer mythologischer oder ritterlicher Fa- wohl an dichterischem Gehalt als an theatrali-
beln, oder historischer Gegenstände, weit glän- scher Ausschmückung launig schildert,
zender offenbart. 50 Er war berechtigt, sich als einen der Stifter
Die von de la Huerta herausgegebene Aus- dieser Kunst anzusehen, denn ehe er durch sei-
wahl in sechzehn Bänden unter dem Titel Dealr» nen Don Quixolte sich unsterblichen Ruhm er-
Ilespauol, mit Einleitungen über die Verfasser warb, hatte er fleißig für die Bühne gearbeitet,
der Stücke und über die verschiedenen Gattun- und zwanzig bis dreißig Stücke von ihm, so
gen versehen, kann selbst dem Kenner der Spra- 55 nachlässig redet er davon, waren mir Beifallche keine umfassende Bekanntschaft mit dem aufgeführt worden. Er machte damit keine
spanischen Theater verschaffen, denn seine Samm- höheren Ansprüche, ließ, nachdem sie ihre augen-
lung beschränkt sich ebenfalls fast ohne Ausnahme blicklichc Bestimmung erreicht hatten, nichts da-
auf das Fach der Lustspiele in modernen Sit- von drucken, und erst vor kurzem sind zwei dic-
ken, auch hat er keine Stücke aus der frühern <>0 scr älteren Arbeiten herausgegeben worden. DasPeriode, von Lope de Vega oder dessen Vor- eine von diesen Schauspielen, vermuthlich das
gängcrn aufgenommen. Unter uns hoben Blair- Früheste des Cervantes, die Lebensart in Algier,
kcnburg und Bvutrnveck sich bemübi, die ältere sei lr»lc> elo 4rpel> trägt im Uebergewicht der
Geschichte des spanische» Theaters aufzuklären, Erzählung, in der Magerkeit des Ganzen und
I) So gilt z. B. der Bediente zweier Herren von Golroni, ein unter seinen übrigen durch die belustigende VerWickelung sehr ausgezeichnetes Stück, für ein Original. Ei» gelehrter Spanier hat mich versichert, daß er es alseine einheimische Ernnlung tennc. Vielleicht hatte aber Goldvni dabei bloß eine ältere italienische Bearbeitungvor Augen.