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August Wilhelm von Schlegel.
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in der mangelnden Hervorhebung der Figurenund Situationen noch Spuren von der dama-ligen Kindheit der Kunst an sich. Das andereaber, die Zerstörung von Numantia, steht ganzauf der Höhe des tragischen Kothurns, und ist 5durch die bewußtlose und ungcsuchte Annähe-rung an die antike Größe und Reinheit einemerkwürdige Erscheinung in der Geschichte derneueren Poesie. Die Idee des Schicksals herrschtdurchaus darin; die zwischen den Aufzügen auf- 10tretenden allegorischen Figuren leisten auf einemandern Wege ungefähr, was- der Chor in dengriechischen Tragödien: sie lenken die Betrach-tung und versöhnen das Gefühl. Eine großeThat des Hcldenmuthes wird vollbracht, das 15äußerste Leiden standhaft erduldet, aber es istdie That und das Leiden eines ganzen Volkes,dessen einzelne Mitglieder fast nur als Beispieleauftreten, während die römischen Helden alsWerkzeuge des Verhängnisses erscheinen. Es 20ist darin, möchte ich sagen, ein spartanischesPathos: alles einzelne geht unter in dem Ge-fühle für das Vaterland, und durch Beziehungauf den neueren Heldenruhm seines Volkes hatder Dichter die alte Geschichte mir der nächsten 25Gegenwart verknüpft.
Lope deVega erschien, und bemeistertesich bald der Alleinherrschaft auf der Bühne,so daß sich Cervantes nicht neben ihm behaup-ten konnte. Doch wollte er seine auf früheren 30Beifall gegründeten Ansprüche nicht ganz zurücknehmen, und ließ kurz vor seinem Tode, imJahr 1615, acht Schauspiele und eben so vielekleinere Zwischenspiele drucken, weil er sie nichtnach Wunsch auf die Bühne hatte bringe» kön- 35nen. Man hat sie allgemein tief unter seinensonstigen prosaischen und poetischen Arbeitengefunden; ihr neuerer Herausgeber meint so-gar, sie seien Parodien und Satyren auf denverderbten Zeitgeschmack: aber man darf sie 40nur unbefangen lesen, um diese Hypothese abge-schmackt zu finden- Unter dieser Voraussetzungwären sie das Verfehlteste, was sich denken läßt.Einen solchen Zweck würde Cervantes ganz an-ders durch ein einziges Stück, aber dann aus 45eine durchaus nicht mißverständliche und sehrbelustigende Art zu erreichen gewußt haben.Nein, es sollen Stücke in der Manier des Lopesein; gegen seine Ueberzeugung suchte sich Cer-vantes dem Hange seiner Zeitgenossen durch 5 gbuntere Mannigfaltigkeit, wunderbare Anlagenund Theaterstreiche zu fügen. Allein es scheint,er sah die Oberflächlichkeit der Composilionfür die Hauplbedingung des Beyfalls an; we-nigstens ist sie meistens so locker und lose, daß 55in seinen prosaischen Werken von einem ähnli-chen Leichtsinn nirgends ein Beispiel ist. Daer sich also zum Theil seiner eigenthümlichenVorzüge entäußerte, so darf es uns nicht wun-dern , daß es ihm nicht gelang, den Lope auf oodessen eignem Gebiet zu übertreffen. Zwar sindzwei von diesen Stücken, die Christensklaven inAlgier slvs banos <Io ^rgel), eine Umarbei-tung jenes frühern, und das Labyrinth derLiebe sogar in ihrer ganze» Anlage sehr zu 65loben; alle enthalten so viel schöne und geist-reiche Züge, daß man, wenn man sie für sichollem betrachtet^ auch ohne aus die NumantiaRücksicht zu nehmen, geneigt ist, die unter den
spanischen Kritikern ziemlich allgemeine Mei-nung, Cervantes habe kein dramatisches Talentgehabt, für ein bloßes Lorurlheil zu halten.Vergleicht man sie aber nur mit den Stückendes Lope, oder vergegenwärtigt man sich diehöheren Forderungen, wozu Calderon sein Pub-licum verwöhnte, so läßt sich dies Urtheil be-dingter Weise rechtfertigen. Man kann imGanzen wohl eingestehen, daß sich der Geist die-ses Dichters mehr zum Epischen, im weiter»Sinne für die erzählende DarsteUungsform ge-nommen, neigte, und daß die bescheidne Gelin-digkeit, womit er die Gemüther anzuregen liebt,nicht zu der Benutzung des Augenblicks undraschen Gedrängtheit paßt, welche auf demTheater einheimisch ist. Sieht man wieder aufdas energische Pathos in der Numantia, somuß man es fast nur zufällig halten, vaß Cer-vantes sich dieser Gattung nicht ganz gewid-met, und darin Raum gefunden Hai, alle Sei-
ten seines erfinderischen Geistes zu entfallen.
Die Urtheile des Cervantes über die Schau-spiele seiner spätern Zeitgenossen, sind auch einevon den überhörten Stimmen, welche sich inSpanien von Zeit zu Zeit erhoben, um aufNachahmung der allen Classiker zu dringen,während der National-Geschmack sich durchausfür das romantische Schauspiel iu seiner kühn-sten Form entschied. Cervantes war dabei ausbegreiflichen Ursachen nicht ganz unparteiisch.Lope de Lega war ihm als dramatischer Schrift-steller nachgefolgt, und halte ihn durch größereFruchtbarkeit und glänzendere Effekte verdrängt;ein Umstand, der bei der Unzufriedenheit desCervantes mit der Richtung des öffentlichenGeschmacks und der Verfassung des Theatersin seinem höheren Alter allerdings in Anschlaggebracht werden muß. Dann, scheint es, warin seinem poetischen Gemüthe noch ein prosai-scher Winkel übrig geblieben, von welchem auser die Neigung zum Wunderbaren und dieKühnheit phantastischer Spiele, als der Wahr-scheinlichkeit und Natur entgegen, verwarf;nach der Autorität der Alten auf reinere Son-derling der Gattungen drang, da doch die ro-mantische Kunst alle Elemente der Poesie inihren Hervorbringungen zu verschmelzen sucht,wie er es selbst in seinen Romanen und No-vellen that; und nicht weniger als wahre Ver-stöße gegen die Schicklichkeit den raschen Wech-sel der Zeiten und Oerler rügte. Es ist merk-würdig, daß auch Lope seine Rechte verkannte,und eingestand, er schreibe seine Stücke, gegendie ihm wohl bekannten Regeln, auf diese viel-fältig angefochtene Art, nur um der Menge zugefallen. Daß er diese besonders bedachte, hatallerdings seine Richtigkeit, jedoch bleibt er un-ter allen populären und beliebten Theater-Schrift-stellern, die je gelebt haben, einer der außeror-dentlichsten, und verdiente wohl von Cervantesseinem Nebenbuhler und Gegner, in allemErnste ein Wunder der Natur genannt zuwerden.
Die über allen Glaube» zahlreichen Stückedes Lope de Vega sind z,„ii Theil nie gedrucktworden, und die Sammlung der herausgege-benen lst außer Spanien selten vollständig an-zutreffen. Vermuthlich ist vieles fälschlich' aufseine» Namen geschoben worden, ein Mißbrauch,