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August Wilhelm von Schlegel.
zische oder aus andern erdichteten Stoffen ge-bildete; endlich Schilderungen des geselligenLebens in modernen Sitten.
Historisch im engern Sinne sind nur die aufeinheimische Geschichte gegründeten Stücke. Diespanische Vorzeit hat Calderon oft sehr wahrergriffen, sonst aber hatte er eine zu cntschiedne,ich möchte sagen brennende Rationalität, umsich in irgend eine andre zu versetzen; höchstensin das, was sich zur Sonne hinneigt, den Sü-den und den Orient; aber nicht in das klas-sische Alterthum, noch auch in das nördlicheEuropa. Solche Stoffe hat er daher ganzphantastisch genommen, wie ihm überhaupt diegriechische Mythologie ein liebliches Mährchen,und die römische Geschichte eine majestätischeHyperbel ist'
Doch müssen die heiligen Darstellungen ge-wissermaßen zu den historischen gerechnet wer-den, denn wiewohl mit reicher Dichtung um-geben, wie dies immer beim Calderon der Fallist, drücken sie doch meistens den Charakter derbiblischen Geschichte oder Legende sehr getreuaus. Indessen unterscheiden sich diese von denübrigen historischen durch die oft bedeutend her-vortretende Allegorie, und durch den religiösenEnthusiasmus, kraft dessen der Dichter in dengeistlichen Auszüge», die zur Feier des Frohn-lcichnam-Festes bestimmt waren, das allegorischdargestellte Universum gleichsam in purpurnenLiebesflammen glühen läßt. In dieser letztenGattung bewunderten ihn seine Zeitgenossen ammeisten, und er legre selbst den höchsten Werthdarauf. Allein ohne wenigstens einen davon ineiner wahrhaft dichterischen »Übersetzung gelesenzu haben; würden sich meine Zuhörer gar kei-nen Begriff davon machen können: die Betrach-tung dieser Akte würde eine schwierige Erörte-rung über die Auläßigkeit der Allegorie in dra-matischen Kompositionen erfordern. Ich be-schränke mich also auf seine nicht allegorischenSchauspiele, die ich doch bei weitem nicht er-schöpfend charaklerisiren, sondern nur mit eini-gen allgemeinen Zügen schildern kann.
Unter der großen Menge sinnreicher undaufgeweckter Köpfe, welche durch den damaligenblendenden Glanz des Theaters zum Wetteiferin dieser Laufbahn hingerissen wurden, warendie meisten nur Calderons Nachahmer; wenigeverdienen neben ihm genannt zu werden, wieDon Augustin Moreto, Don Francisco deRoras, Don Antonio de Solis, der scharfsin-nige und beredte Geschichtschreiber der Erobe-rung von Mexiko, u. A. Die dramatische Li-teratur der Spanier hat sogar einen königlichenDichter auszuweisen, nämlich Philipp den Vier-ten, Calderons großen Gönner und Bewunde-rer'), dem man verschiedene namenlos mit derUeberschrift: üo uo ingenio üo oosla cortverschienene Stücke zuschreibt. Alle damaligendramatischen Schriftsteller schrieben in verwand-tem Geist, es war eine wahre Kunstschule-
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haben, den er als dietbiel, daß er
seinem das größte Glück machte,bis jetzt meistens durch Gleichgültigkeit gegenbc», um die deutsche» Dichter mnthloS zu mache».Kurz, pros. Vit. II.
Manche haben eigenthümliche Vorzüge, dochüberflügelt Calderon sie alle an Kühnheit, Fülleund Tiefe; in ihm hat das romantische Schau-spiel der Spanier den Gipfel der Vollendung5 erreicht.
Wir wollen versuchen, von dem Geist undder Form dieser von allen übrigen europäischenHervorbringungen so weit abweichenden Dich-tungen eine schwache Vorstellung zu geben.10 Wir müssen aber zu diesem Zweck auf den Cha-rakter der spanischen Poesie überhaupt, undauf die Umstände, die ihn bestimmt haben, eini-germaßen eingehen.
Die Anfänge der spanischen Poesie sind sehr15 einfach: ihre beiden Grundformen waren die Ro-manze und das Lied, und es ist, als ob manüberall die Akkorde der Guitarre in diese ur-sprünglichen National-Weisen erklingen hörte.Die Romanze, halb arabischen Ursprungs, war20 zuerst einfältige Heldensage; späterhin wurdesie eine sehr kunstreiche Gattung zu mannig-faltigem Gebrauch, in welcher aber immer dermalerische Bestandtheil, zuweilen bis zur glän-zendsten Farbenpracht, vorwaltet. Das Lied hin-25 gegen, fast bildlos, drückt zarte Gefühle insinnreichen Wendungen aus; es tändelt bis aufdie Grenze hin, wp die Selbstbetrachtung, welcheeine unaussprechliche Gemüthsstimmung in Ge-danken zu verwandeln strebt, den Gedanken30 wiederum zur träumerischen Ahndung verflüch-tigt. Die Liederformen wurden vermannigfal-tigt, hauptsächlich durch Einführung dessen indie Poesie, was in der Musik die Variation lei-stet. Indessen konnten die reichen Anlagen der35 spanischen Sprache in diesen mehr zarten undkindlichen als hohen Gattungen sich nicht voll-ständig entfalten. Man nahm daher zu Anfangedes sechzehnten Jahrhunderts die umfassendenFormen der italienischen Poesie, Oclaven, Ter-40 zinen, Canzonen und Sonette in sie auf, undnun erst offenbarte sichs ganz, was die kasti-lianische Mundart, die stolzeste Tochter der welt-beherrschenden lateinischen Sprache, an Würde,schöner Kühnheit und Bilderpracht zu leisten45 vermöchte. Sie ist weniger sanft als das Ita-lienische, wegen der Kehllaute und häufigen En-dungen mit Konsonannten, aber sie tönt womöglich noch voller aus der Brust, und fülltdas Ohr mit reinem Metallklange. Die rauhe50 Kraft und Treuherzigkeit der Gothen war i»ihr noch nicht ganz verschollen, als orientalischeEinmischungen ihr einen wunderbaren Schwunggaben, und ihre in aromalischen Düften gleich-sam berauschte Poesie über alle Bedenklichkeiten55 des nüchternen Abendlandes hinweghobe».
Mit dem Lhatenruhm dieses vor Alters sofreien Heldcnvolkes wuchs auch der Strom derdichterischen Begeisterung, angeschwellt von ei-nem stolzen Bewußtsein. Die Spanier spielen60 in der Geschichte des Mitlelalters eine glorreicheRolle, welche der neidische Undank drr neuerenZeit allzu sehr vergessen hat. Als eine verlo-
Dicscr Monarch scheint in der That Sinn für die eigentliche Portrcffliibkcit seines LiebiingSdichterS gehabt zuschönste Zicrcc seines Hofes betrachtet. Er war so eingenommen für das nationale Schan-bic Einführung der italienischen Ober nicht gestattete, die damals schon an den europäischen Hofe» allEin Beispiel, welches verdien«, den deutschen Fürsten vorgehalten zu werden, diedaS Einheimische, und Parteilichkeit für das Fremde alles gethan ha-