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Ludwig Licck.
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ein alter Oberst sich hier an, und wohnte mitseiner Familie in einem bequemen Hause. Nuntraf es sich, daß die Tochter dieses Kriegsman-neS, ein junges schönes Mädchen von achtzehnbis neunzehn Jahren, sich ohne Wissen undwider den Willen ihres Vaters in einen jungenHauptmann verliebt und sich mir ihm verspro-chen hatte, dem der alte Oberst einen tödtlichenHaß geschworen, weil der Vater des Geliebtenihn vor viele» Jahren einmal empfindlich ge-kränkt und beleidigt haben mochte. Ein sehrreicher Gutsbesitzer hielt um das Mädchen an,und der Vater zwang die Tochter, diesem dasJawort zu geben. —"
Louise wurde roth und die Mutter verle-gen , Hcnriette lachte etwas zu schalkhaft undbedeutsam, und nach einer kleinen Pause fuhrMansfeld, dem die Verlegenheit der beidenFrauen nicht entgangen war, in seiner Ge-schichtserzählung also fort: — „Natürlich nundie gewöhnliche Verzweiflung, der junge Mannwüthend, die Tochter in Thränen, auf Schick-sal, auf Himmel wird von Beiden gelästert,was in jeder Lage immer unschicklich bleibt."
„Eine sehr wahre Bemerkung," fügte jetztdie Mutter an, die die Tochter aufmerksam be-trachtet hatte; „doch ist die Geschichte, meinjunger Herr, noch viel unbedeutender, als iches mir vorgestellt, ich dächte also, wir ließensie ganz fahren, denn ich bin gar nicht mehrneugierig."
„Geduld, gnädige Frau," rief der jungeMann: „das bisherige war nur die erste ein-leitende Einleitung, sogleich werde ich Ihnen miteinigen gräßlichen Materialien aufwarten. —Der Jüngling, in der Angst und Verzweiflung,ohne Rath und Hülfe, von aller Welt verlassenund von seiner wüthenden Leidenschaft zu denverzweifeltsten Entschlüssen angetrieben, ruft,da der Himmel ihm nicht helfe» will, die Hölleauf, gibt sich dem bösen Princip, von denpoetischen Naturen Satan, Teufel, und nochmit manchen andern Namen genannt, zu eigen;— so sagt die Tradition. — Indeß mag essein wie es will, es entsteht wenigstens amAbend und in der Nacht ein solches Hexcn-wetter, Sturm, Regen, Gewitter, Blitz aufBlitz und Schlag auf Schlag, Geheul von Ge-spenstern, unsäglicher Wirrwarr, daß alle Hoch-zeilgäste, von blinder Angst ergriffen durch ein-ander laufen, und endlich, wie das Toben nach-läßt, man sich etwas beruhigt, der Bräutigamauch seine Sinne wieder gefunden hat, ist dieBraut verschwunden."
„Verschwunden ?" riefLouise verwundert aus,
„Verschwunden," fuhr Mansfeld ruhig fort,„ich erlaube mir keine Veränderung, sondernich gebe Ihnen die Geschichte ganz so, wie sieim Munde des gemeinen Mannes lebt. DerBruder, ein heftiger junger Mann, meint, un-ten am Abhang, dem Flusse zu, die weiße Ge-stalt seiner Schwester in der Windsbraut zusehen, er springt vom Söller hinunter, ihr»ach, und liegt zerschmettert, oder mit gebro-chenem Halse unten, nicht fern vom Flusse, wokr erst mit Lufgang des Morgens gesunden wird."
„Run Gottlob," rief Henriette aus, „einenBruder, liebe Louise, habe» wir wenigstens >ndeiner Familie nicht; denn sonst hat diese Ge-
schichte so etwas Anzügliches, oder Anwendba-res , woraus man schon ein Exempel nehmenkönnte."
„Liebe Henriette," sagte die Mutter mit5 einiger Empfindlichkeit, „Sie rechnen doch etwaszu viel darauf, daß mein Mann nicht zuge-gen ist und ich mich immer allzu nachsichtigzeige."
„Beste Mutter," seufzte Louise, „ist es nicht<0 schon genug, daß Henriette mich kränkt? UndSie, Herr Mansfeld, — diese Art, — ich weißnicht —"
„O unglückseligster aller Legendenerzähler!"rief der junge Mann aus,« was kann ich denn15 für meine Geschichte, die erst zu langweilig,und nun zu interessant gesunden wird! Ichsetze Nichts hinzu, lasse Nichts hinweg, arbeiteNichts um, sondern folge so schlicht und ehr-bar der alten Sage, daß ich, ohne auf einseitige20 Kritiken oder beschränktes Bedürfniß Rücksichtzu nehmen, tugendsam, sitlig, still, einfältigund vor allen Dingen recht gläubig in der Tra-dition vom Zauberschlößchen also fortfahre: derVater, ein greiser Greis, stand mit seinem wei-25 ßen, fluchenden Haar in der Zerstörung furcht-bar einsam da, verfluchte die Tochter und dieganze Nachkommenschaft, und forderte den Him-mel auf, die Unthat bis in das zehnte undzwanzigste Glied zu rächen, daß der Vater den50 Sohn, und der Sohn den Vater ermorde»müsse, bis kein Sprößling des vermaledeitenHauses mehr übrig sei. So starb er selbst inVerwünschungen, — und der Bräutigam hat, —sich nachher anderswo vermählt.
55 Louise lächelte, und Henriette lachte lautauf. „O meine Dame»," rief der Erzählerempfindlich, „es kränkt mich, wenn man stattThränen des Grauens, start bleicher verzerrterAngesichler, mit allen Materialien des Furcht-.10 baren nur Lachen erregt. - Wie es sich nundenken läßt, wurde jener Ehemann, der denPact mit dem Bösen eingegangen war, wedertugendhaft noch glücklich: die junge Frau, vondem Unglück ihrer Familie tief erschüttert, war45 melancholisch, besonders da sie immer deutlicherdie unheimliche Verbindung ihres Gatten spürte;ihre Trauer wuchs fast bis zur Verzweiflung,als sie nun alle Lugenden des verschmähte»Bräutigams immer Heller glänzen sah, als sich50 ihr das schöne Glück jener Ehe immer deutlicherentwickelte. Unfriede, Zwist, täglicher Zank mach-te» jede angenehme Häuslichkeit unmöglich, unddse Kinder, die in diesem Elend heranwuchsen,waren so wenig zart, kindlich und lieblich, daß55 sie im Gegentheil schon frühe alle Anlagen zuBösewichtern verriethen.«
„O welches Glück der Liebe!" sagte Hen-riette: „betrachte nur dieses Gemälde, meineLouise, um dich auf die rechte Bahn lenken zugg lassen. Der Herr von Dober», ein großer,schlanker, etwas finsterer und fast zu brünetterMann von acht und vierzig Jahren, der niemalslächelt, niemals witzig ist, st^z auf solide undauch wohl tugendhafte Handlungen sinnt, —05 und gegenüber dein Carl, Hauptmann, leichtaufbrausend, liebenswürdig und eben darumverdächtig, der leichtsinnige Sohn eines nochleichtsinnigern Vaters, — kannst du denn wirk-lich noch wählen und zaudern?"