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Ludwig Treck.
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«Gut, daß mein Mann nicht zugegen ist,"sagte die Mutter.
„Der," antwortete schnippisch Henriette,„wird doch immer wieder freundlich, wenn ichihn recht freundlich ansehe. Der vortrefflicheHerr von Frcimund vergißt es nur täglich wie-der von neuem, wie sehr er mich eigentlichliebt. — Aber weiter, mein Freund, in dieserschicksalsvollste» Schicksalsgeschichte."
feld, „mögen Sie auch lachen wie Sie wollen.Dieser junge Hauplmann also, in jeder ritter-lichen Tugend geprüft, lebte, liebte, klagle, undwar in seinem Glücke höchst unglücklich, den»wie ihn sein Mädchen auch anbetete, so warsein strenger Vater, ohne eben wichtige Ursachezu haben, der Verbindung doch mit der ganzenKraft seines Charakters entgegen."
„Das alle Lied," bemerkte Henriette, man
Was ist noch zu erzählen?" fuhr Mans- 10 verwundert sich sogar schon, wenn die Sachefeld fort: „Elend über Elend, Zwiespalt in der in einer Erzählung einmal anders erscheint."Familie, Bruder- und Schwesterhaß, Versal- „Weil die jungen Leute," fügte die Mutter
gung, Neid. Der Fluch des Vaters, des alten, hinzu, „immer nur auf ihrem Eigensinn be-ging leider nur zu buchstäblich in Erfüllung. harren, den sie Liebe nennen: weil verständige
Die Enkel, als die frühere Generation gestor- 15 Eltern, zu welchen auch dein Vater, Louise,
den waren, zeichneten sich alle, wenn sie keine gehört, an diese sogenannte Liebe nicht glaubenBösewichker waren, durch Gebrechen des Geistes wollen "
und des Körpers aus, Zwerge, Lahme, Bück- „Ich weiß," sagte Mansfeld, „Herr von
lichte aller Art gab es in diesem Hause im Freimund hat darüber ein eigenes, merkwürdi-
Ucberfluß, manche wurden vor der Zeit kindisch, 20 ges System , welches er uns jungen Leuten
andere konnten gleich in der Jugend nichts be- auch zuweilen vorträgt, um uns den Kopf zu-greifen, manchen versagte das Gedächtniß, einige recht zu setzen. Liebe, pflegt er zu sagen, ist
waren wieder so zerstreut, daß sie ihren eigenen nur als Leidenschaft und Raserei jenen toll-
Namen zu Zeiten vergaßen." köpfigen Poeten erlaubt, die uns dann jene
„Herr Mansfeld!" rief die Mutter zornig, 25 fürchterlichen Tragödien ausarbeiten, welche uns„Sie vergessen sich, und was Sie meinem gu- die Haare aufsträuben und Thränen erregen,ten, trefflichen Manne schuldig sind. Er ist welche Trauerstücke einmal einem wohl einge-
kein Sprößling aus dieser Familie, wenn er richteten Staate eben so nothwendig, als die
gleich durch Kauf das unglückliche Gut an sich Narrenhäuser sind. Ehen aber sollen nur nachgebracht hat." 30 Vernunft, Convenienz und Bequemlichkeit ge-
„O weh: o weh!" seufzte der Erzähler: schloffen werden, damit sie wahrhaft Glück her-
„kann man denn nichts Weltgeschichtliches, Ro- vorbringen und auch den Kindern wieder mit-mantisches. Zauberisches und Magisches erzäh- theilen können. Der Jüngling oder das Mäd-len oder andeuten, ohne irgend eine Wunde chcn, welche geständig sind, daß sie lieben, setzendes Hörenden zu berühren? Ich schwöre noch 35 sich der Verachtung eines jeden Vernünftigeneinmal, daß ich nicht an unsern verehrten Freund aus, und jeder ehrbare Bürger und Staats-gedacht habe, dessen Zerstreutheit, oder Abwe- diener sollte auf ihre Beschimpfung und Bcstra-senhcit, ober wie wir es nennen wollen, im Ge- fung antragen. Wie man ansteckende Fieber,genlheil von zu großem Fleiß und angestrengter Wahnsinn oder ähnliche Unfälle behandelt, soTugend herrührt, und nichts mit dem Fluch 40 und nicht anders sollte man mit denen umge-oder den Sünden der Voreltern zu schaffen hat." hen, die sich für verliebt ausgeben. Hätten nur„Fahren Sie nur fort," sagte Henriette, sechs Paar erst am Pranger gestanden, so„mit Entschuldigung wird die Sache nur schlim- würde die Furcht diese abgeschmackte Sitte baldmer." vermindern und in einiger Zeit ganz vertilgen.
„Wie gesagt," erzählte Mansfeld, „Elend 45 Die spanische Inquisition sollte auf einige Zeitund Gebrechen, so wie andere Sünden pflanz- für diese giftige Lehre von der Liebe nachge-ten sich, wie sich immer vermehrendes Unkraut, ahmt und hieher verpflanzt werden. Eheleute,in der gleichsam verzauberten Familie fort, und die sich mit Convenienz vermählen, um das
es blieb dunkel, wie viel von der Saat jenem Vermögen zu vergrößern und das Glück des
Bösen gehöre, der mit dem Stammvater den 50 Lebens im sichern Wohlstände zu finden undPakt damals abgeschlossen hatte. Endlich kam zu genießen, die sich erst bei und nach derHaus und Erbe an einen jungen, schönen Mann Hochzeit kennenlernen; diese nur erleben dievon ausgezeichneten Tugenden —" wahre Zärtlichkeit, die mit der Hochachtung ein
„Hier widerspricht sich nun die alte Sage und dasselbe Gefühl wird, diese nur verstehe»
vollkommen," warf Louise ein, „und der Fluch 55 es auch, die gegenseitigen Fehler zu übersehenscheint also längst getilgt." und zu ertragen. Diese werden aber jene un-
„Nur Geduld," rief der Erzähler, „Sie sittliche Leidenschaft, die in unsern Tagen sooft
werden sehen, wie der Fürst der Finsterniß das für die Blüthe des Lebens gelten soll, eben so,
Geschlecht noch einmal zu Klarheit und Glanz wie der ächte Philosoph, verachte». — Nicht
auftauchen läßt, um den Untergang desselben 60 wahr, gnädige Frau, so lauten die Grundsätzenoch tragischer zu machen. Dieser junge treff- Ihres Gemahls, und er hat auch gewiß nur >»liche Mann war Soldat, er wohnte meist aufjenem kleinen Gute, welches ihm der Vater,ein würdiger Oberst, aber im Dienst eines an-dern Fürsten, abgetreten hakte." 65
„Also wieder ein würdiger Mann," sagteHenriette, „und ich will wetten, der junge Mannist ebenfalls Hauptmann."
„Allerdings und ebenfalls," erwiederte Mans-
diesem Sinne als Bräutigam und junger GatteVerlobung und Flitterwochen mit Ihnen durch-lebt."
„O junge, junge übermüthige Menschen,sagte die Mutter halb beschämt, halb lächelnd;„ihr werdet auch einmal alt werden und hof-fentlich alsdann anders sein. Mein Mann hatsich seit einigen Jahren allerhand Grille» und