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Ludwig Tieck.
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Flausen ausgesonnen, die er wohl jetzt ernsthaftmeinen möchte. Hätte er immer so gedacht,so wären wir wohl nie mit einander bekanntgeworden."
Louise stand auf und umarmte ihre Mutterheftig. „Was ist dir, Kind," rief diese, „wasweinest du; was schluchzest du denn? Wahr-haftig, wenn viele Bücher so gelesen werden,wie unser kleiner Zirkel hier die unzusammen-hängende Geschichte anhört, so kann man sichvorstellen, welche Verwirrung durch Romanein Kopf und Herzen von unzähligen jungenLeuten erregt werden mag.
„O Mutter!" klagte Louise, „so eben wa-ren Sie noch so gut! Und nun sprechen Siein demselben Augenblick fast wie der Vater. —Doch weiter, mein lieber Mannsfeld, sonst kommtIhre Erzählung niemals zu Ende.
„Wie Sie befehlen," nahm der Erzähler dasWort; „auch ist nur wenig noch zu sagen üb-rig. — Der junge Haupkmann, der als derletzte der sonderbaren Familie das Zauberschloßbewohnte, war, wie schon bemerkt, ei» treffli-cher junger Mann. Nur litt er viel von denGespenstern des einsamen Hauses. Bald, wenneine kleine Gesellschaft am Herbstabend versam-melt war und sich des Gesprächs, oder der Vor-lesung eines guten Buches erfreute, streckte sicheine lange, bleiche, dürre Todtenhand aus derMauer und fuhr dem Nächstsitzenden mit Eises-kälte über den Nacken. Ein andermal sah sichdie Gesellschaft plötzlich durch einen kleinen,aschgrauen, im Winkel sitzenden Mann vermehrt,der, wenn alle in Schauder aufgelöset waren,wieder eben so plötzlich verschwand, als er er-schienen war. In den Nächten hörte man oftseufzen und weinen, dann wieder mit Kettenklirren. Wie seltsames, gespenstiges Nachtge-vögcl schlug es an die Fenster und schwirrtein den Zweigen der nahen Bäume. Kein Dienst-bote wollte bleiben, kein Nachbar wollte mehrdas verdächtige Haus besuchen. Ein alter tau-ber Gärtner, der zugleich den Castellan vor-stellte, war am Ende der einzige, der Muth ge-nug behielt, es mit der ganzen Schaar der Gei-ster aufzunehmen. Das Sonderbarste aber war,daß jener Pakt, der schon vor hundert Jahrendie Familie unglücklich gemacht hatte, noch fort-zudauern schien. Wenigstens versicherten alleHausleure, sie hätten es erlebt, wie der jungeHauptmann sich unsichtbar machen könne. Erwar oft plötzlich verschwunden, zu andern Zei-ten war er wieder zugegen, ohne daß ihn ir-gend Jemand halte kommen oder sich entfernensehen. Darum fürchtete alle Welt diesen jun-gen Mann, und Jeder war überzeugt, er müsseein elendes und tragisches Ende nehmen. Sokam es denn auch, und zwar entsetzlicher als esirgend ein Freund oder Feind hätte ahnen kön-nen. — Es war jetzt an der Zeit, daß er sei-nem Vater zum Trotz sich mit seiner Geliebtenverbinden wollte. Sie, die unabhängig war,und die, ohne Eltern, von den entfernterenVerwandten sich nichts wollte vorschreiben lassen,wohnte in der Nähe des verrufenen Zauber-schlosses. Sie besuchte ihn dort auch oft inGesellschaft von einigen Freundinnen, oder wennev weibliche Gesellschaft, Verwandte und Be-kannte bei sich hatte. Man sprach schon von
der Vermählung, als der letzte Krieg mitFrankreich ausbrach, in welchem Deutschlandseine Selbstständigkeit durch die seltensten undedelsten Opfer wiederrang. Der junge Haupt-mann , Enthusiast, wie alle Jünglinge jenerLage, trat sogleich, einer der ersten, als Frei-williger ein. Der Krieg wälzte sich hieher.Der Vater als Diener seines Fürsten, war aufder französischen Seite. Keiner wußte vom an-dern, denn der Lauf der Posten war unterbro-chen. Es traf sich, daß die Geliebte, verlassen,bedrängt, von Gerüchten und dem immer näherrückenden Feinde beängstiget, hieher, nach demZauberschlosse, zum Bräutigam ihre Zufluchtnahm. Er war entfernt. Wie verwundert,wie schmerzlich bewegt war er, als er sie inseiner Heimalh fand, als sich sein Corps, dazubeordert, hieher bewegte. Rath, Hülfe, Nach-frage, Alles war zu spät, denn jede Stundewar die Erzeugerin wichtiger und trauriger Be-gebenheiten. Der Hauptmann sicherte die Ge-ängstigte, so gut er es vermochte, in seinem klei-nen Hause. Schon hörte man von allen Sei-ten schießen, schon sah man in der Nacht rings-um Kriegsfeuer lodern. Jetzt zeigte sich, demStrome gegenüber, eine große Abtheilung desfeindlichen Heeres. Die Gegend um das Zau-berschloß wurde noch mehr befestigt, man wußteaber, daß man sich gegen die Uebermacht nichtwürde halten können. Die Braut konnte abernicht nach der Stadt oder nach einem entfern-ten Orte gesandt werden, weil die Franzosenringsum die Gegend schon besetzt hatten. Siebeschloß, mir dem Geliebten zu sterben. Jetztwurde von jenseit mit Granaten und Kanonenauf die diesseitigen Verschanzungen gewirkt. Diedeutsche Partei, zwar die Minderzahl, erwie-derte kräftig, und ihr Muth war so fest, alswenn sie des Sieges gewiß sei. Boote, Kähne,Schiffe mit Mannschaft, mit Kanonen besetzt,wurden vom Ufer losgelassen, um sich der tapfervertheidigten Position, die zugleich die Stadtbeschirmte, zu bemächtigen. Der Hauptmannstand mit einem Theil seiner Mannschaft un-ten, hart am Ufer des Flusses, um den Ueber-gang des Feindes zu verhindern. Ein großesBoot kommt näher, in ihm ein vornehmer alterOffizier der Gegenpartei. Sie erkennen sichgegenseitig, der Vater ist es, der dem Sohnezuruft, sich gefangen zu ergeben, oder sich demHeere des französischen Kaisers anzuschließen.Der Sohn, schmerzlich bewegt, so dem Vatergegenüber zu stehen, erwiedert, wie der Soldates muß. Er ziebt sich auf die Anhöhe zurück,und fleht nur, daß der Vater gerettet werdenmöge. Dieser landet, Flinten, Büchsen, Kano-nen, alles arbeitet mörderlich hinauf und hin-unter. Schon ist die erste Anhöhe erstiegen, dieUniform des Vaters, sein Feldzeichen ist vonoben genau zu erkennen, und um so mehr, jemehr er sich dem Zauberschlosse nähert. Manrückt höher, die zweite Anhöhe ist, allem Wider-stände zum Trotz, eingenommen. Man fährtKanonen hinauf. Der Vater selbst kommandirt,und richtet nach dem Schlößchen, ein Schußfällt, und im innern Gemache stürzt die Braut,mit zerschmettertem Haupte, zu Boden. Daergreift ein ungeheurer Schmerz den Sohn:er zielt mit der Flinte, drückt ab, und der
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