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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
691-692
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Ludwig Treck.

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wittre Geruch des Rauches. — Lebt Ihr noch sind also die Naubgenossen, die es gewagt ha-dert im fernen Welttheil?" ben, in ei» ehrliches Haus fast bei Hellem Lage

Seine Stimme war schwacher geworden, und einzubrechen?"jene im Zimmer riefen ihm nach, daß sie sich „Ja, Herr Landrath/' sagte einer der La-

usch immer auf derselben Stelle befänden. — 5 ternenlräger, „wir harten sie eingesperrt, und„So hat des Menschen Geist" rief Mansseld einer stand hier draußen auf der Kanzel im

zurück, „doch durch Brief und Post und Lele- Regen, aber sie müssen sich wieder mit Gewalt

graphen Mittel gefunden, die entferntesten Theile los gemacht haben, und sind nun hier im Hause

der Erde in Verbindung zu erhallen. — Ver- selbst froh und guter Dinge."

weilt noch Alle dort, in den weiten Reichen, 10 Der große Mann ging näher und faßtedie so groß sind, daß die Sonne nicht darin Freimund bei der Schulter. „Wie könnt Ihr

aufgeht, bis ich wenigstens einen Funken ange- es wagen?" rief er: „leuchtet dem Kerl ins

blasen habe. — Potz tausend I da ist mir ein Gesicht!" — Es geschah. — „Himmel:" schrie

Funken Asche in die Kehle gerathen! — Ich er laut auf, — „mein verehrter Herr Schwie-

werdc gezwungen zu husten, vielleicht zu nießen, 15 gervater!— Was ist das für ein Abenteuer?"und ich sage es Allen zum voraus, damit Man klärte sich bald auf. Der Landrath,

man nicht vermuthe, es wolle mich Jemand der Herr von Dobern, hatte keinen Boten er-

erdrosseln. Nehmt also freundschaftlich Theil, halten, und von dem großen Einweihungsfeste

aber nicht zu innig und nicht mit Angst und Nichts vernommen. Er war im Dorfe zu Be-

Schmerz." 20 such gewesen, der Knecht kam dorthin, die Ge-

Er hustete stark, er räusperte sich. — „Der richte aufzubieten, um einbrechende Kerle ge-Mcnsch ist freilich," fuhr er nach einiger Zeit fangen zu nehmen, er folgte dem Knecht, dem

fort, „selbst nur Staub und Asche, aber wir Schulzen und den Bauern aus Pflichteifer,

können diese doch nicht ohne Unbequemlichkeit und war nicht wenig erstaunt. Braut und Schwie-

mit uns assimilircn; die zu nahe Freundschaft 25 gereltcrn so unvermuthct zu finden,widersteht einer zärtlichen Verbindung. — Kein Die Bauern gingen hinaus, man ließ die

Hölzchen, Fädchen Schwefel! — Nirgend: — Laternen im Zimmer, und Mansseld fand sich

Nirgend eine Kohle! — Ich arbeite wieder in aus der Küche auch wieder herbei. Alle be-

der Asche — — da glimmt es, so schwach, wie grüßten sich, so anständig und fein, als es dasdie Spitze einer Stecknadel — o ein Körnchen 30 seltsame Costum und die immer noch nicht son-Schwesel wäre Millionen werth : — Das Feuer- derliche Erhellung zuließ. Alle aber erstaunten,äuge wird sich gewiß wieder schließen — ich als der Landrath plötzlich darauf drang, daß,blase — ich hoffe den kleinen Span, den ich an obgleich Anstalten und Feierlichkeit mangelten,den Funken hatte, zu persuadiren, daß er theil- man dennoch vor den Zeugen, welche zugegennehmend sich entzünden lasse, — umsonst - der 35 waren, die Verlobung feiern solle. „UeberTeufel hat Funken und Span geholt, ich muß Kindereien," sagte er in seinem rauhen Ton,wieder husten : — — „sind wir hoffenllich, als verständige Männer,

Indem hörte man mehrere rauhe Stimmen hinweg, das Wesentliche kann eben so gut imdurch einander, die sich dem Hause zu nähern Walde, in einer Felscngrotte, wie in einem er-schienen. „Todtschlagen sollte man sie Alle!" 40 leuchteten Saale geschehn. Alsdann bin ich,rief ein tiefer Ton, und die andern schienen wenn auch im Finstern und Negcnwettcr, zurdurch Murren ihre Einwilligung zu geben. „O guten Stunde hieher gekommen. Also, Freundwir sind verloren!" schrie die Dichterin von Schwiegervater, entschließen Sie sich, und Sie,neuem mit dem Ton der Verzweiflung; „jetzt meine schöne Braut, entschließen Sie sich."kommen wirkliche Räuber und Mörder, um uns 45 Der Vater schüttelte den Kopf, die Mutterhinzurichten, so wie wir da sind!'! - Auch die flüsterte einige unwillige Worte, und da LouiseMutter wurde ängstlich, und Louise, die sich den dieß bemerkte, faßte sie mehr Muth, als ihrganzen Tag über leidend verhallen halte und sonst zu Gebote stand, und erklärte sich ganzüber ihr Schicksal völlig gleichgültig schien, ward bestimmt gegen ein so übereiltes und unziem-ebcnfallS mehr bewegt. „Sie sollen nur kommen, 50 lichcs Verfahren. Der Vater stand ihr bei, in-die Bösewichter!" sagte Frcimund entschlossen; dem der Landrath gegen Beide stritt und sich„ich und Freund Schwicger, so wie der junge nichts weniger als zart und empfindsam zeigte,Mansseld, werden ihnen genug zu schaffen welches auch die Dichterin bemerkte, die halb-machen !" laut äußerte, unter solchen Umständen sei der

„Ehe wir sie selbst umbringen," sagte Schwie- 55 Untergang ihres Gedichtt« nicht allzusehr zuger gleichgüttig, „müssen wir sie vorher ersu- beklagen, weil sie den Bräutigam in ihren Ler-chen, uns Licht anzünden zu helfen." sen mit viel zarteren Farben abgeschildert habe.

Indem schimmerte ein Lichtschein ihnen ent- Der Streit, der sich außerdem wohl noch

gegen, es kam in die Thür hinein und ging die hingezogen haben würde, ward durch den jun-Trcppe herauf. - „Herr Mansseld!" rief der 60 gen Vetter unterbrochen, welcher auf seinemRath entschlossen. - „Was soll er?" fragte die- - Pferde zurückkam und einen Bauerwagen mitser aus der Ferne- — „Wenn wir nur beisam- sich brachte, über welchen eine Leinwand gezo-mcn waren," sagte der Alte, „denn es gilt jetzt gen war. Der Rath Frcimund befahl auchvielleicht, uns unserer Haut zu wehren." seine Chaise wieder anzuspannen, um so schnell

Die Thüre öffncre sich. Man sah Laternen, 65 als möglich nach der Stadt zurückzukehren, da-eine Anzahl gemeiner Menschen in einer dun- mit Frau und Tochter sich von der Angst die-keln Gruppe, unter ihnen eine schlanke, große ser Nacht und dem Gewitter in der Ruhe dortGestalt, die besser bekleidet schien. Diese sprach erholen könnten. Er selbst, die Frau undmit tiefem Ton: „Leuchtet her, Leute: Das Tochter so wie die klagende Dichterin, sollten in