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Friedrich Heinrich Alexander Freiherr von Humboldt.
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Auf dem Bergrücken von Mittelasien zwi-schen dem Altai und Mustag, von der chinesi-schen Mauer an bis gegen den Aral-See ineiner Länge von 1000 Meilen, breiten sich diehöchsten und größten Steppen der Welt aus.Einige sind Grasebenen; andere mit saftigen,immergrünen, gegliederten Kali-Pflanzen ge-schmückt; viele fernleuchtend von flechtenartigaufsprießendem Salze, das ungleich, wie frisch-gefallener Schnee, den lettigen Boden deckt.
Diese Mongolischen und Tatarischen Steppenscheiden die uralte langgebildete Menschheit inTibet und Hindostan, von den rohen nordasiati-schen Völkern. Auch ist ihr Dasein von man-nigfaltigem Einfluß auf die wechselnden Schick-sale des Menschengeschlechts gewesen- Sie habendie Bevölkerung gegen Süden zusammengedrängt;mehr, als das Schncegebirge von Sirinagurund Gorka, das Verkehr der Nationen gestört.
Südwestlich zieht sie sich gleich einem Meeres-arme jenseits der Ufer des Meta und Vichadabis zu den unbesuchten Quellen des Guaviare,oder bis zu dem einsamen Gebirgsstock hin, den5 spanische Kriegsvölker, im Spiel ihrer regsa-men Phantasie, den Paramo de la SummaPaz, gleichsam den Sitz des ewigen Friedens,nannten.
Diese Steppe nimmt einen Raum von 14,00010 Quadratmeilcn ein. Aus geographischer Un-kunde hat man sie oft als ununterbrochen bisan die magellanische Meerenge fortlaufend ge-schildert, nicht eingedenk der Bergjvchc, welchedie Andeskette östlich aussendet, und welche die15 waldige Ebene des Amazonenfluffes gegen Nor-den und Süden von den Grassteppen des Apureund la Plata - Stromes scheiden- Die letzter»,die Pampas von Buenosavres, übertreffen jene
idie Llanos! dreimal an Flächeninhalt. Ja ihreund im Norden unwandelbare Gränzen gesetzt 20 Ausdehnung ist so wundervoll groß, daß sie aufder Verbreitung milderer Sitten, und des schaf- der nördlichen Seite durch Palmcngebüsche be-fenden Kunstsinns. grenzt, und auf der südlichen fast mit ewigem
Aber nicht als hindernde Vormauer allein Eise bedeckt sind. — Der CasuarähnlichcToupoudarf die Geschichte die Ebene von Jnncr-Asic» ist diesen Pampas eigenthümlich, wie die Kolo-betrachtcn. Unheil und Verwüstung hat sie 25 nien verwilderter Hunde, welche gesellig in un-
mehrmalS über den Erdkreis gebracht. Hirten-völker dieser Steppe, die Avaren, Mongolen,Alanen und Uzen haben die Welt erschüttert.Wenn in dem Lauf der Jahrhunderte frühe
terirdischen Höhlen wohnen, aber oft blutgierigden Menschen anfallen, für dessen Vertheidigungihre Stammvätcr kämpften.
Gleich der Wüste Zaara liegen die Llanos,
Geisteskultur, gleich dem erquickenden Sonnen- 30 oder die nördlichste Ebene von Südamerika,
licht, von Osten nach Westen gewandert ist; sohaben späterhin, in derselben Richtung, Barba-rei und sittliche Rohheir Europa nebelartig zuüberziehen gedroht. Ein brauner Hirtenstamm,
in dem heißen Erdgürtcl. Dennoch erscheinensie in jeder Hälfte des Jahres unter einer ver-schiedenen Gestalt; bald verödet, wie das lybi-sche Sandmeer, bald eine Grasflur, wie diedie Hiongnu, bewohnte in ledernen Gezelten 35 hohe Steppe von Mittel-Asien,die hohe Steppe von Gobi. Ungestüm brach er Es ist ein belohnendes, wenn gleich schwie-
hervor aus dem östlichen Theile von Hinter- rigcs Geschäft der allgemeinen Länderkunde, die
Asien, und erschien plötzlich (so geht die dunkle Naturbeschaffenheit entlegener Erdstriche mit
Sage) als Hunnische Kriegsschaar erst an der einander zu vergleichen, und die Resultate die-
Wolga, dann in Pannonicn, dann an der Loire 40 ser Vcrgleichung in wenigen Zügen darzustellen,und an den Ufern des Po, die schön bepflanzten Mannigfaltige zum Theil noch wenig entwickelte
Fluren verheerend, wo seit Antenors Zeiten die Ursachen vermindern die Dürre und Wärme
bildende Menschheit Denkmal auf Denkmal ge- des neuen Wcltthcils.
häuft. So wehte aus den mongolischen Wüsten Schmalheit des mannigfaltig eingeschnittenen
ein verpesteter Windeshauch, der auf Cisalpini- 45 Kontinents; seine weite Ausdehnung gegen dieschern Boden die zarte langgepflcgte Blüthe der bceiseten Pole hin; der fkcie Ocean, über den
Kunst erstickte. die tropischen Winde wegblase» ; Flachheit der
Von den Salzsteppen Asiens, von den eure- östlichen Küsten , Ströme kalten Meereswassers,päischen Heideländern, die im Sommer mit welche vom Fcuerlande bis gegen Peru hinhonigrcichen rölhlichen Blumen prangen, und 50 nördlich vordringen, die Zahl quellenrcicher Ge-von den pflanzenlceren Wüsten Afrikas kehren birgsketten, deren schneebedeckte Gipfel weil über
wir zu den Ebenen von Südamerika zurück, alle Wolkenschichten emporstreben; die Fülle lin-deren Gemälde ich bereits angefangen habe, geheurer Ströme, welche nach vielen Windun-
mit rothen Zügen zu entwerfen- gen stets die entfernteste Küste suchen; sondlose
Das Interesse, welches dies Gemälde dem 55 und darum minder erhitzbare Steppen; un-Beobachter gewähren kann, ist ein reines Na- durchdringliche Wälder, welche die flußreiche
turinteresse. Keine Oase erinnert hier an frühe Ebene am Aequator ausfüllen, und im Innern
Bewohner, kein bchauener Stein, kein vcrwil- des Landes, wo Gebirge und Ocean am entle-
dcrter Fruchtbaum an den Fleiß untergegange- gensten sind, ungeheure Massen theils eingeso-ner Geschlechter. Wie den Schicksalen der Wen- 60 gencn , theils selbst erzeugten Wassers aushau-schen fremd, allein an die Gegenwart fesselnd, chcn — alle diese Verhältnisse gewähren dem
liegt dieser Erdwinkel da, ein wilder Schauplatz flachen Theile von Amerika ein Klima, das mit
des freien Thier- und Pflanzenlebens. dem Afrikanischen durch Feuchtigkeit und Küh-
Von der Küstensteppe von CaraccaS erstreckt lung wunderbar konlrastirt. In ihnen allein
sich die Slevpe, bis zu de» Wäldern der 65 liegt der Grund jenes üppigen saftstrotzendenGuayana, von dem Gebirge von Meria, in dem Pflanzenwuchses, jener Frondositäl, welche den
siedende Schwefelquellen unter ewigem Schnee eigenthümlichen Charakter des neuen Kontinents
hervordringen, bis zu dem großen Delta, wel- bezeichnet-
ches der Orinoco an seiner Mündung bildet. Wird daher eine Seite unseres Planeten