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Friedrich Heinrich Alexander
luftfeuchter als die andere genannt; so ist dieBetrachtung des gegenwärtigen Zustandes derDinge hinlänglich, das Problem dieser Ungleich-heit zu löse». Der Physiker braucht die Er-klärung solcher Naturerscheinungen nicht in das 5Gewand geologischer Mythen zu hüllen. Esbedarf der Annahme nicht, als habe sich aufdem uralten Erdkörper ungleichzeitig geschlichtetder verderbliche Streit der Elemente, oder alssei aus der chaotischen Wasserbedeckung Amerika l ospäter als die übrigen Welltheile hervorgetre-ten, ein sumpfreiches, von Krokodilen undSchlangen bewohntes Eiland.
Allerdings hat Südamerika, nach der Gestaltseines Umrisses und der Richtung seiner Küsten tgeine auffallende Aehnlichkeit mit der südwestli-chen Halbinsel des alten Kontinents. Aber in-nere Struktur des Bodens, und relative Lagezu den angränzenden Ländermassen, bringen inAfrika jene wunderbare Dürre hervor, welche -2gin unermeßlichen Räumen der Entwickelung desorganischen Lebens entgegensteht. Bier Fünftheilvon Südamerika liegen jenseits des Aequators,also in einer Hemisphäre, welche wegen dergrößer» Waffermcnge und wegen mannigfaltiger -Z 5anderer Ursachen, kühler und feuchter, als unserenördliche Halbkugel ist. Dieser letzter,, gehörtdagegen der beträchtlichere Theil von Afrika zu.
Die südamerikanische Steppe, die Llanos,haben, von Osten gegen Westen gemessen, eine zgdreimal geringere Ausdehnung, als die afrika-nischen Wüsten. Jene empfangen den tropi-schen Seewind; diese, unter einem Breiten-Zirkel mit Arabien und dem südlichen Persiengelegen, werden von Luftschichten berührt, die 35über heiße, wärmcstrahlende Kontinente Hinwe-hen. Auch hat bereits der ehrwürdige, lang-verkannte Bacer der Geschichte, Herodot, imächten Sinn einer großen Naturansicht, alleWüsten in Nordafrika, in Jemen, Kerman und 4gMekhran (dem Gedrosia der Griechenj ja bisMulran in Lorder-Jndie» hin, als ein einzigeszusammenhängendes Sandmeer geschildert.
Zu der Wirkung heißer Landwinde geselltsich in Afrika, so weit wir es kennen, noch der 54Mangel an großen Flüssen, an inländischenSeen, und an hohen Gebirgen. Mit ewigemEise bedeckt ist bloß der westliche Theil des At-las, dessen schmales Bergjoch, seitwärts gesehen,den alten Küstenfahrern.wie eine einzeln sie- 50hende luftige Himmelsstütze erschien. Oestlichläuft das Gebirge bis gegen Dakul zu, wo,jetzt in Schutt gesunken, das meergebietendeKarthago lag. Als langgedehnte Küstenkette,als gälulische Vormauer, hält sie die kühlen 55Nordwinde, und mit diesen die aus dem Mittel-meere aufsteigenden Dämpfe zurück.
Wahrscheinlich erhebt sich auch über der un-tern Schneegränze das Mondgebirge al Komri, gyvon dem man fabelt, daß es einen Bergparallelzwischen dem afrikanischen Quito, der hohenEbene von Habesch, und den Quellen des Se-negal bildet. Selbst die Cordillere von Lupara,die sich an der östlichen Küste von Mosambi- ggque, wie an die Andesketre in der westliche»Küste von Peru, hinzieht, ist mir ewigem Eisebedeckt. Aber diese wasserreichen Gebirge liegenweit entfernt von der ungeheuern Wüste, die
Freiherr von Humboldl. 790
sich von dem südliche» Abfall des Atlas bis anden östlich fließenden Niger erstreckt.
Doch wären vielleicht alle diese aufgezähltenUrsachen der Dürre und Wärme noch nichthinlänglich, jene afrikanischen Ebenen in einfurchtbares Sandmeer zu verwandeln, hättenicht einst irgend eine Naturrevolution, z. B.der einbrechende Ocean, diese flache Gegendihrer Pflanzendecke und ihrer Dammerde be-raubt. Wann diese Erscheinung sich zutrug,welche Kraft den Einbruch bestimmte, ist tiefin das Dunkel der Lorzeit gehüllt. 'Vielleichtwar sie Folge des großen Wirbels, der diewärmeren mexikanischen Gewässer über die Bankvon Neufundland an den alten Kontinent treibt,und durch welche westindische Kokosnüsse nachIrland und Norwegen gelangen. Wenigstensist ein Arm dieses Meeresstromes noch gegen-wärtig von den Azoren an, gegen Südostengerichtet, und schlägt mit Ungestüm an diewestliche Küste von Nordafrika. Auch zeigenalle Meeresufer (ich erinnere an die Peruani-schen zwischen Amotape. und Coquimboj wieJahrhunderte, ja vielleicht Jahrtausende, ver-gehen , bevor sich in heißen regenlosen Erdstri-chen, wo weder Lecideen noch andere Flechtenkeimen, der bewegliche Sand mit Kräutern zubedecken anfängt.
Diese Betrachtungen genügen, um zu erklä-ren , warum, trotz der äußern Aehnlichkeit derLänderform, Afrika und Südamerika doch dieabweichendsten klimatischen Verhältnisse, den ver-schiedensten Lcgetations-Charakter darbieten.Hat aber auch die südamerikanische Steppe einedünne Rinde fruchtbarer Erde, wird sie auchperiodisch durch Regengüsse getränkt, und mitüppig aufschießendem Grase geschmückt; so hatsie doch die angränzenden Völkerstämme nichtreizen können, die schönen Bergthäler von Ca-raceas, oder das Meeresufer, oder die Flußweltdes Orinoco zu verlassen, um sich in dieserbäum- -und quellenleeren Einöde zu verlieren.Daher ward sie auch bei der Ankunft europäi-scher und afrikanischer Ansiedler fast menschen-leer gefunden. >
Zwar sind die Llanos zur Viehzucht aller-dings geeignet, aber die Pflege milchgeben-der Thiere war den ursprünglichen Einwohner»des neuen Kontinents völlig unbekannt. KeinVölkerstamm wußte die Vortheile zu benutzen,welche die Natur auch in dieser Hinsicht dar-geboten hatte. Zwei Arten einheimischer Rin-der weiden in den Grasfluren von West-Ca-nada, und um die kolossalen Trümmer des Az-teken Pallastes, der, ein amerikanisches Palmyra,sich verlassen in der Einöde am Gyla-Flusseerhebt. Der langhörnige Mouflon, der Stamm-vater des Schaases, schwärmt auf den dürrenund nackten Kalkfelsen von Kalifornien umher.Der südlichen Halbinsel sind die kameelartigenVicunnas, die Alpacas und Lamas eigenthüm-lich. Aber alle diese nutzbaren Thiere haben,das Lama abgerechnet, Jahrtausende lang ihrenatürliche Freiheit bewahrt. Denn Genuß vonMilch und Käse ist, wie der Besitz und dieKultur mehlreichcr Grasarten, ein charakteri-stisches Unterscheidungszeichen der Nationen desalten Welttheils..
Sind daher von diesen einige durch das