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Friedrich Heinrich Alexander Freiherr von Humboldt.
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Rinder umher, erstere mit langgestrecktem Halsehoch gegen den Wind anschnaubend, um durchdie Feuchligkeit des Luftstroms die Nähe einernicht ganz verdampften Lache zu errathen.
Bedächtiger und verschlagener suchen dieMautthiere auf andere Art ihre» Durst zulindern. Eine kugelförmige und dabei vielrip-pige Pflanze, der Melonen-Cactus, verschließtunter seiner stachlichen Hülle ein wasserreichesMark. Mit dem Lorderfußc schlägt das Maul-thier die Stacheln seitwärts, und wagt es dannerst die Lippen behutsam zu nähern, und denkühlen Distelsaft zu trinken. Aber das Schöpfenaus dieser lebendigen vegetabilischen Quelle istnicht immer gefahrlos; denn oft sieht manThiere, welche von Cactusstachel» am Hufegelähmt worden.
Folgt endlich auf die brennende Hitze desTages die Kühlung der gleichlangen Nacht, sokönnen Rinder und Pferde selbst dann nichtruhen. Ungeheure Fledermäuse verfolgen siewährend des Schlafes, saugen ihnen vampyrar-lig das Blut aus, und hängen sich an demRücken fest, wo sie eiternde Wunden erregen,in denen Mosquitos, Hippoboscen, und eineSchaar stechender Insekten sich ansiedeln- Soführen die Thiere ein schmerzenvolles Leben,wenn vor der Gluth der Sonne das Wasserauf dem Erdboden verschwindet.
Tritt endlich nach langer Dürre die wohl-thätige Regenzeit ein, so verändert sich plötzlichdie Scene in der Steppe. Das riefe Blau desbis dahin nie bewölkten Himmels wird lichter.Kaum erkennt man bei Nacht den schwarzenRaum im Sternbild des südlichen Kreuzes.Der sanfte phosphorartige Schimmer der Ma-gcllanischen Wolken verlischt. Selbst die schei-telrechten Gestirne des Adlers und des Schlan-genträgers leuchten mir zitterndem, minder pla-nelarischcm Lichte. Wie ein entlegenes Gebirgeerscheint einzelnes Gewölk im Süden. Nebel-arrig breiten die Dünste sich über dem Jenithaus. — Den belebenden Regen verkündigt derferne Donner.
Kaum ist die Oberfläche der Erde benetzt,so überzieht sich die duftende Steppe mit Kpl-lingien, mit vielrispigem Paöpalum, und mitmannigfalligen Gräsern. Lom Lichte gereizt,entfalten krautartige Mimosen die schlummern-den Blätter, und begrüßen die aufgehende Sonne,wie der Frühgesang der Lögel, und die sichöffnenden Blüthen der Wasserpflanzen. Pferdeund Rinder weiden nun im frohen Genuß desLebens. Im hoch aufschießenden Grase verstecktsich der schöngefleckre Jaguar, und erhäscht dievorüberziehenden Thiere, im leichten Sprunge,katzenartig, wie der asiatische Tiger.
Bisweilen sieht man (so erzählen die Ein-gebornen) an den Ufern der Sümpfe den be-feuchteten Letten sich langsam und schollenweiseerheben, dann plötzlich mit heftigem Getöse, wiebeim Ausbruche kleiner Schlammvulkane, dieaufgewühlte Erde wolkenartig auffliegen. Werdes Anblicks kundig ist, flicht die Erscheinung:denn eine riesenhafte Wasserschlange oder eingepanzertes Krokodil, steigen aus der Grufthervor, durch den ersten Regenguß aus demScheintod erwecket.
Schwellen allmälig die Flüsse, welche die
Ebene südlich begränzen, der Arauce, der Apureund der Payara; so zwingt die Natur diesel-ben Thiere, welche in der ersten Jahreshälfteauf dem wasserleeren, staubigen Boden vor Durst5 verschmachteten, als Amphibien zu leben. EinTheil der Steppe erscheint nun wie ein uner-meßliches Binnen-Wasser. Die Mutterpferdeziehen sich mir den Füllen auf die höheren Bänkezurück, welche lange, inselförmig, über dem10 Seespiegel hervorragen. Mit jedem Tage ver-engt sich der trockene Raum. Aus Mangel anWeide schwimmen die zusammengedrängtenThiere stundenlang umher, und nähren sich kärg-lich von der blühenden Grasrispe, die sich über1g dem braungefärbten gährenden Wasser erhebt.Viele Füllen ertrinken, viele werden von denKrokodilen erhäscht, mit dem zackigen Schwänzezerschmettert und verschlungen. Auch nicht sel-ten bemerkt man Pferde und Rinder, die den20 Rachen dieser blutgierigen Eideren entschlüpft,die Spur des spitzigen Zahnes am Schenkeltragen.
Dieser Anblick erinnert unwillkürlich denernsten Beobachter an die Biegsamkeit, mit2g welcher die alles aneignende Statur gewisseThiere und Pflanzen begabt hat. Wie diemehlreichen Früchte der Ceres, sind Stier undRoß dem Menschen über den ganzen Erdkreisgefolgt; vom Ganges bis an den Platastrom,zo von der afrikanischen Meeresküste bis zur Ge-birgsebcne des Anlisana, welche höher, als derKegelberg von Teneriffa liegt. Hier ist es dienordische Birke, dort die Dattelpalme, welcheden ermüdete» Stier vor dem Strahl der Mit-zg lagssonne schützt. Dieselbe Thiergattung, wel-che im östlichen Europa mit Bären und Wöl-fen kämpft, wird unter einem andern Himmels-striche von den Angriffen der Tiger und derKrokodile bedroht!
40 Aber nicht die Krokodile und der Jaguarallein stellen den südamerikanischen Pferden nach;auch unter den Fischen haben sie einen gefähr-lichen Feind. Die Sumpfwaffer von Vera undRastro sind mit zahllosen elektrischen Aalen4g gefüllt, deren schleimiger gclbgefleckter Körperaus jedem Theile die erschütternde Kraft nachWillkür aussendet. Diese Gymnoten haben 5bis 6 Fuß Länge. Sie sind mächtig genug, diegrößten Thiere zu tödten, wenn sie ihre ner-gO venreichen Organe auf einmal in günstiger Rich-tung entladen. In der That mußte die Step-penstraße von Uritucu einst verändert werden,weil sie sich in solcher Menge in einem Flüß-chen aufgehäuft hatten, daß jährlich vor Betäu-gg bung viele Pferde in der Furch ertranken.Auch fliehen alle andere Fische die Nähe dieserfurchtbaren Aale. Selbst den Angelnden amhohen Ufer schrecken sie, wenn die feuchte Schnurihm die Erschütterung aus der Ferne zuleitet.00 So bricht elektrisches Feuer tief aus dem Schooßder Gewässer aus.
Ein malerisches Schauspiel gewahrt derFang der Gymnoten. Man jagt Maulthirreund Pferde in einen Sumpf, den die IndianerOg eng umzingeln, bis der ungewohnte Lärmen diemuchigen Fische zum Angriff reizt. Schlangen-art,g sieht man sie auf dem Wasser schwimmen,und sich, verschlagen, unter den Bauch derPferde drängen. Viele der letzter» erliegen