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795 Friedrich Heinrich Alexander Freiherr von Hninboldt.
unter der Stärke unsichtbarer Schläge. Mit Flüsse. Berg und Wald hallen wieder von
gesträubter Mähne schnaubend, wilde Angst im dem Donner der stürzenden Wasser, von dem
funkelnden Auge, fliehen andere das tobende Gebrüll des Jaguar, und dem dumpfen regen-
Ungewitter. Aber die Indianer mit langen verkündenden Geheul der bärtigen Affen.Bambusstäben bewaffnet, treibe» sie in die 5 Wo der seichte Strom eine Sandbank übrigMitte der Lache zurück. läßt, da liegen mit offenem Rachen, unbeweg-
Allmälig läßt die Wuth des ungleichen lich wie Felsstücke hingestreckt, oft mit Vögeln
Kampfes nach- Wie entladene Wolken zcr- bedeckt, die ungeschlachten Körper der Krokodile,
streuen sich die ermüdeten Gymnoten. Sie be- Den Schwanz um einen Baumast befestigt,
dürfen einer langen Ruhe und einer reichlichen 40 zusammengerollt, lauert am Ufer, ihrer BeuteNahrung, um zu sammeln, was sie an galva- gewiß, die tigersleckiqe Boaschlange. Schnell
nischer Kraft verschwendet haben. Schwächer vorgestreckt, ergreift sie in der Furth den jun-
und schwächer erschüttern nun allmalig ihre gen Stier oder das schwächere Wildpret, und
Schläge. Vom Geräusch der stampfenden Pferde zwängt mühsam den Raub, in Geifer gehüllt,
erschreckt, nahen sie sich furchtsam dem Ufer, wo sie 15 durch den schwellenden Hals.durch Harpune verwundet, und mit dürrem, nicht In dieser großen und wilden Natur leben
leitendem Holze auf die Steppe gezogen werden. mannigfaltige Geschlechter der Mensche». Durch
Dies ist der wunderbare Kampf der Pferde wunderbare Verschiedenheit der Sprachen gr-ünd Fische. Was unsichtbar die lebendige Waffe sondert, sind einige nomadisch, dem Ackerbau
dieser Wasserbewohner ist; was, durch die Be- 20 fremd, Ameisen, Gummi und Erde genießend,rührung feuchter und ungleichartiger Theile er- ein Auswurf der Menschheit, wie die Otomaken
weckt, in allen Organen der Thiere und Pflan- und Jarurcn, andere angesiedelt, von selbst er-zen umtreibl, was die weite Himmelsdecke don- zielten Früchten genährt, verständig und sanf-
nernv entflammt, was Eisen an Eisen bindet, terer Sitten, (wie die Maquirarier und Makos),
und den stillen wiederkehrenden Gang der lei- 25 Große Räume zwischen dem Cassiquiace undrenden Nadel lenkt; alles, wie die Farbe des dem Atabapo sind nur vom Tapir und von
getheilten Lichtstrahls, fließt aus einer Quelle: gesellige» Affen, nicht von Menschen, bewohnt,
alles schmilzt in eine ewige allverbreitete Kraft In Felsen eingegrabene Bilder beweisen, daß
zusammen. einst auch diese Einöde der Sitz höherer Kultur
Ich könnte hier diesen gewagten Versuch 30 war. Sie zeugen für die wechselnden Schicksaleeines Raturgemäldes der Steppe schließen- Aber der Völker, wie die Form biegsamer Sprachen,
wie auf dem Ocean die Phantasie sich gern die zu den unauslöschlichsten Denkmälern der
mir den Bildern ferner Küsten beschäftigt, so Menschheit gehören.
werfen auch wir, ehe die große Ebene uns Wenn aber in der Steppe Tiger und Kro-
cnlschwindet, vorher einer flüchtigen Blick auf 35 kodile mit Pferden und Rindern kämpfen; sodie Erdstriche, welche die Steppe bcgränzen. seken wir dagegen an ihrem waldigen Ufer, inAfrikas nördliche Wüste scheidet die beiden den Wildnissen der Guauana, ewig den Men-
Menschenarten, welche ursprünglich demselben sehen gegen den Menschen gerüstet. Mit un-
Weltlhcil angehören, und deren unauSgegliche- natürlicher Begier trinken hier ganze Lölker-
ner Zwist so alt ist, als die Mythe von Osiris 40 stämme das ausgesogene Blut ihres Feindes;und Typhon scheint. Nördlich vom Atlas woh- andere würgen ihn, scheinbar waffenlos, und
nen schlicht- und langhaarige Lölkerstämme vou doch zum Morde vorbereitet, mit vergiftetem
gelber Farbe und kaukasischer GesichtSbildung. Daum-Nagel. Die schwächern Horden, wen»
Dagegen leben südlich vom Senegal, gegen Su- sie das sandige Ufer betreten, vertilgen sorgsam
da» hin, Negerhorde», die auf mannigfaltigen 45 mit den Hände» die Spur ihrer schüchternenStufen der Civilisation gefunden werden. In Tritte.
Mittel-Asien ist durch die mongolische Steppe, So bereitet der Mensch auf der untersten
sibirische Barbarei von der uralten Menschen- Stufe thierischer Rohheit, so im Scheinglanze
bildung in der Halbinsel von Hindostan ge- seiner höheren Bildung, sich stets ein mühevolles
trennt. . 50 Leben. So verfolgt den Wanderer über den
Auch die südamerikanischen Ebenen begrän- weiten Erdkreis, über Meer und Land, wie den
zen das Gebiet europäischer Haibkultur. Nörd- Geschichtsforscher durch alle Jahrhunderte, das
lich zwischen der Gebirgskette von Venezuela, einförmige, trostlose Bild des entzweiten Ge-
und dem antillischen Meere, liegen gewerbsame schlechts.
Städte, reinliche Dörfer, und sorgsam bebaute 55
Fluren an einander gedrängt. Selbst Kunst- Darum versenkt, wer im ungeschlichtcten
sinn und wissenschaftliche Bildung sind längst Zwist der Völker nach geistiger Ruhe strebt,
darinnen erwacht. gern den Blick in das stille Leben der Pflanzen,
Gegen Süden umgibt die Steppe eine schau- und in der heiligen Naturkrafk inneres Wir-
dervolle Wildniß. Tausendjährige Wälder, ein 60 ken; oder hingegeben dem angestammten Triebe,undurchdringliches Dickicht erfüllen den feuchten der seit Jahrtausenden der Menschen Brust
Erdstrich zwischen dem Orinoco und dem Ama- durchglüht, blickt er ahndungsvoll aufwärts zu
zonen-Stromc. Mächtige, bleifarbige Granit- den hohen Gestirnen, welche in ungestörtem
«nassen verengen das Bette der schäumenden Einklang die alte ewige Bahn vollenden.