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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
871-872
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Karl August Varnhageu vou Ense.

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Thaler; ferner im Jahre 1678 wegen der beiEinnahme der Insel Rügen und der FestungenStralsund und Grcifswalde bewiesenen Tapfer-keit eine Anweisung von 50,000 Thaler auf diespanischen Hülfsgelder, die im folgenden Jahreauf 62,000 erhöht wurde. Außer großen Sum-men baaren Geldes hinterließ er die theils er-heiratheten, theils angekauften herrlichen GüterGusow, Plalkow, Wulkow, Klessin und Herms-dorf in der Kurmark, Schildberg in der Ncu-mark, Ouilemen nebst den dazu gehörige» Dör-fern in Preußen, endlich zu Berlin das vonNcring für ihn erbaute und zu seiner Zeit präch-tige Haus am kölnischen Markte, welches grad'im Gesichte des Königlichen Schlosses liegt, undjetzt dem Kaufmann Wcstphal gehört. Wegender Besitzungen in Preußen war ihm das dor-tige Jngeburlrecht, später auch das polnischeertheilt worden.

Derfflinger sah aus seinen beiden Ehen einezahlreiche und blühende Nachkommenschaft. SeineTochter, Beata Luise, die einzige Frucht aus derersten Ehe, heirathete im Jahre 1674. den Ge-nerallieutenant und Oberhauptmann der FestungKüstrin, Kurt Hildebrand von der Marwitz;drei jüngere Töchter aus der zweiten Ehe, Luise,Emilie und Charlotte, wurden die Gattinnendes Generallieutenants Joachim von Dewitz,des Oberste» Hans Otto von der Marwitz, unddes Generalmajors Johann von Zieten; einefünfte Tochter, Dorothea, starb unvermählt.Seine beiden Söhne aus der zweiten Ehe Fried-rich und Karl, bezogen im Jahre 1676 zusam-men die Universität, studirten zuerst in Frank-furt an der Oder, darauf in Tübingen. Der 85jüngere ging in der Folge mit den brandenbur-gischen Hülfsvölkern gegen die Türken nach Un-garn , wo er im Jahre 1686 vor Ofen blieb.Der ältere begab sich eine Zeitlang nach Straß-burg, machte sodann große Reisen, besuchteFrankreich, Holland, England, Italien, Malta,und ging endlich zu Venedig als Oberstlieu-tenant in Dienste der Republik, deren Truppen

dir Feldmarschall Graf von Königsmark befeh-ligte. Im Jahr 1688 von seinem Vater zu-rückgerufen, erhielt er den gleichen Grad imbrandenburgischen Heere, nahm aber im Jahr5 1691 den Abschied, um sich ganz der Pflegedes alten Vaters zu widmen. Nach dessenTode trat er wieder in Dienste, stieg bis zumGenerallieutenant, und starb im Jahre 1724zu Gusow ohne Kinder. Er hinterließ den10 Ruhm eines edlen und tapfern Mannes, undeine Wittwe, geborne von Osterhausen, einefromme tugendhafte Frau, die ihn noch langeüberlebte. Mit ihrem Tode, der zu Berlinim Jahre 1740 eintrat, erlosch der Name15 Derfflinger unter den Lebenden. Von des altenFeldmarschalls Töchtern aber erblühte eine großeNachkommenschaft, die sein Geschlecht in demangeeigneten Vaterlande kräftigst erhalten undweit verzweigt hat. Derfflinger prangt jetzt20 als Ahnherr in den Stammbäumen der Fürstenvon Schönburg und Reuß, der Grasen vonStollberg-Wernigerode, Haugwitz und Pode-wils, der Familien von der Marwitz, Zieten,Bismark, du Rosep, Bonin und mancher an-25 dern angesehenen Geschlechter, die seines Na-mens mit Recht sich rühmen.

Derfflingerü Bild ist in Kupferstichen, Denk-münzen und Gemälden mannigfach erhalten.Eines der letzteren wird noch zu Berlin in dem30 Hause aufbewahrt, dessen Besitzer er einst ge-wesen. Sein Zeitgenosse Johann von Besser,Ceremonienmcister und Dichter am brandenbur-gischen Hofe, hat seiner in dem Lobgedichte aufFriedrich Wilhelm den Großen ruhmvoll ge-dacht. In späterer Zeit hat Blum, in demSchauspiele das befreite Rathenau, ihn unterden Helden der Begebenheit mitaufgeführt.Gleiches ist in unseren Tagen durch Heinrichvon Kleist, in dem Schauspiele der Prinz von40 Homburg, geschehen, doch hat die freischaltendeEinbildungskraft des Dichters in diesem glän-zenden Erzeugnisse die Treue geschichtlicher Ein-zelheiten keineswegs beabsichtigt.

Ludwig Borne

Lemerkungcn über Sprache und Styl.

Im Jahr 1814, glorreichen Andenkens, war geschichlc, und bemerkte mir freundschaftlich:

ich- als Herausgeber eines politischen Blattes, 60 ich wäre ein junger Man», gar nicht ohneso glücklich, unter der pädagogischen Leitung Talent, und es wäre recht schade, daß ich mei-

eines Polizeidireklors und Zensors zu stehen. nen Geist nicht auf etwa« Solides legte- Sehr

Ich war damals, was sich von selbst versteht, beschäftigt wie er war, wartete er nicht erst

jünger als jetzt, stand in den Flegeljahren der meine Erkundigung ab, was er unter Soli-

Schriftstellcrei, war ohne Scheu, freimüthig, 65 des verstehe, sondern fügte von selbst hinzu: inein kleiner Hütten. In dieser glücklichen Ge- der deutschen Sprache wäre noch viel zu thun,

müthsstimmung ließ ich drucken: „die Englän- und das eigentlich mein Feld, auf dem ich

der sind Spitzbuben." Der Herr Polizeidirector Ruhm und Lohn einerndten könnte. Ich er-

strich ganz gelassen diesen Satz aus der Welt- wiederte hierauf: dieses Feld wäre allerdings