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lag in dieser tiefen und schweren Verstimmung der Züri-cher etwas Gerechtes/ sie entschuldigendes/ und zugleichetwas Strafbares und Ungerechtes/ denn es ist unnatür-lich/ wider die Natur/ wenn der Freund am Freund ge-winnen will/ und die eidgenössischen Orte/ welche lautBündnisse zum Wechselweisen Schutz und Schirm ihrerLande und Herrschaften verbunden waren / nun selbst ein-ander solche abrissen. Der allgemeine Verband mußtesich auf diese Weise lösen/ da er in nichts anderes bestund/als in der gegenseitigen Garantie seines Besitzstandes.Aber nicht weniger ungerecht/ wenigstens moralisch/ wardie Erbitterung / die ganz feindliche Stimmung von Zü-rich wegen eine« gerade nicht großen Verlustes/ und daßes der Leidenschaft einen solchen freien/ ungehindertenLauf zuließ/ wodurch der Erbfeind wieder inS Land ge-bracht wurde. Man würde kaum begreifen/ wie dieses soschnell möglich werden konnte/ wenn man sich dabei nichterinnerte/ daß die östreichischen Unterhändler das Ihrigenoch dazu beitrugen/ der Bürgerschaft die vortheilhafte-sten Versprechungen machten/ von großen Handelsbegün-stigungcn sprachen/ und ihr mit einer neuen Eidgenossen-schaft schmeichelte»/ an deren Spitze sie Zürich stellenwürden. Aber alles dieses beweist denn doch nur/ wieeine für ihre Interessen sonst so hell sehende Stadt plötz-lich über ihre Stellung und ihr Verhältniß konnte ver-wirrt und verfinstert werden. Oder gab es wohl ein eit-leres Blendwerk/ als diese neue Eidgenossenschaft/ mitder man ihr unter Oestreichs Schutz schmeichelte/ sintemales in dieser Zeit und in diesem Lande nur eine gab undgeben konnte/ und zwar jene/ welche sich von Oestreichlosgerissen und von ihm Besitzungen eingenommen hatte/Eidgenossen gab es damals nur wider und gegen das HausOestreich. ES überließ sich Zürich in seiner Verblendungdem Schutz einer Nacht/ welche seit beinahe hundert Jah-ren in diesen Landen immer besiegt und überwunden wor-
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