Buch 
1 (1834) Die Zeiten der dreizehn Orte / von Joseph Andres
Entstehung
Seite
9
JPEG-Download
 

9

den war. Somit war es wohl gut und ganz angemessen,daß man diesem Werke den Pfauenschwanz aufsteckte.*)Oestreich, die große Macht und Zürich, die kleinewaren in diesem Augenblick auf gleich schiefen und ver-kehrten Wege. So wie Ersteres, um sich an den Eidge-nossen zu rüchen, sie ihrem Feinde preis gab, so übergabder Herzog von Oestreich, und zwar als deutscher Kaiser,um an eben diesen Eidgenossen Rache zu nehmen, dieWege und Püffe in das zusammenhanglose und beinahewehrlose Deutschland, einem fremden siegreichen, raub-süchtigen Heere, den Armagnakcn. Die Unterwerfung undZerstörung der Eidgenossenschaft gieng allem andern vor,weit größere Interessen, die Interessen des Ganzen, desReichs, wurden einer blos partiellen Rache und Unter-drückung aufgeopfert, und dieser Unterdrückung glaubteman sicher seyn zu können. An den deutschen Grenzen,in Schwaben, ein heranziehendes östreichisches Heer, imHerzen des Landes der heftigste Bürgerkrieg, vor derFronte die furchtbaren Armagnakcn. Allein wie ein jun-ger Aar schwang sich die Schweiz aus dieser schweren Ge-fahr heraus. Die Schlacht bei St. Jakob nöthigte Frank-reich mit ihr Frieden zu schließen, und den Bund mitOestreich aufzugeben. Bei Ragaz zeigte sie dem östreichisch-deutschen Adel, daß weder seine Ucbermacht, noch seineverbesserte Kriegskunst wider die hochbegcisterten und wohl-geordneten Schaarcn der Freiheit etwas vermögen. All-gemeine Ermüdung, die Gewißheit, daß gegen die Eid-genossen auf dem Wege der Waffen nichts zu erhalten sey,nöthigte zu Fricdensuntcrhandlungcn; aber die Leiden-schaften und Privatinteressen waren in Zürich noch in ei-ner solchen Bewegung, daß die Stadt dreimal vcrurtheiltwerden mußte, den östreichischen Bund heraus zu gebenund das eidgenössische Recht zu erkennen.

') Dergleichen Federn trug man zu dieser Zeit wieder in Zürich.