60
„Wohl, sagte Ammann Zekger von Unterwalden, ihr solltuns nicht weiter zwingen, aber was wir gelitten, wollenwir nicht weiter leiden; unser Gut und Blut setzen wirdaran." Sofort verritten die Tagboten.
Während die v Orte durch große Noth gezwungen,vereiniget und einig blieben, war dagegen unter den Re-formirten das Band sehr locker geworden. Den Bernernhatte das schnelle Zugreifen im Thurgau nicht gefallen,obschon sie vielleicht jetzt den Plan zur Eroberung derWaadt gefaßt hatten; den übrigen Orten wie den fremdenStädten war die Sperre eine verhaßte, »»christliche Maß»regel, selbst die französische Gesandtschaft mahnte zu einermildern Behandlung. Allein ohne Erfolg blieben alleMahnungen, ja vielmehr wurden jene Orte, besondersGlaruS, von Zürich scharf getadelt, wenn sie ihren Nach-baren von Schwyz Lebensmittel zukommen ließen. Wäh-rend sich unter den verbundenen Städten keine besondereLust zu einem offenen Kampfe zeigte, war hingegen inZürich der Krieg das allgemeine Losungswort, und zwarin einem Augenblick, wo es ganz unfähig war, ihn glück-lich zu bestehen. Zwingli suchte nicht blos außer denGrenzen der Schweiz und in der Schweiz selbst Schutzund Mitkämpfer, sondern wandte auch das Aeußerste an,um seine Gegner und Feinde in Zürich zu gewinnen, jaseine Consequenz, seine Ehre, das Beste, was er gethan,setzte er dafür ein. Er sagte der Rüden Zunft: daß wenndie V Orte unterdrückt, Zürich ein desto größerer Kantonwürde, mithin für den fremden Dienst auch mehr Volkstellen könnte, also auch mehr und größere Pensionen er-halten würde. Er wollte ihr also wieder heimlich geben,was er öffentlich und von der Kanzel herab als Verratham Vaterland erklärt hatte. Aber die Zunft mochte einensolchen Frieden verworfen haben, wie denn ein solcherRückschritt wohl niemals zu einem Fortschritt werdenkonnte; es war ein Zugeständniß, durch das sie ihn nicht